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Kritik: Celebrity - Schön, Reich, Berühmt (1998)


Und wieder einmal ist es soweit: Gut ein halbes Jahr nach seiner Welturaufführung am Lido in Venedig gelangt der neue Woody Allen Film in die hiesigen Kinos. Es ist des Meisters 27. Werk als Regisseur. Und wie stets stellt sich nicht die Frage "ist es ein guter oder ein weniger guter W.A. Film?", sondern, "ist es ein Woody Allen Film mit oder ohne Woody Allen?". Diesmal hat sich der Welt fleißigster und bester Autorenfilmer auf die Arbeit hinter der Kamera beschränkt. Das fällt aber eigentlich kaum ins Gewicht, denn mit Kenneth Branagh hat er einen Stellvertreter, der sich nicht nur sehen lassen kann, sondern der geradezu übermotiviert so spielt und spricht wie Woody Allen. Für Fans bietet das ein zusätzliches Amüsierpotential, wobei der Film wahrlich komisch genug ist.

Worum es geht, sagt der Titel erschöpfend: ums Berühmtsein, um die entrückte Welt der Schönen und Reichen, um deren Marotten, Spleens und Zynismen. Quasi implizit geht es damit aber auch um die heimliche Sehnsucht des Rests der Welt, ihren angebeteten Lichtgestalten nahe zu kommen, zu gleichen.

Um diese Welt in der Welt zu entwerfen, konnte Allen wieder auf eine erlesene Schar von Stars zurückgreifen, die bei ihm wie üblich nach Tagestarif bezahlt wurden. Kenneth Branagh spielt also Allens Alter Ego, einen in Grenzen erfolgreichen Journalisten und Schriftsteller, der sich allzu gerne im Ruhme anderer sonnt, nicht zuletzt, um von eigenen Unzulänglichkeiten ablenken zu können. Auf seiner Jagd nach Berühmtheiten läuft ihm innerhalb kürzester Zeit eine (gelinde gesagt) illustre Schar von Exoten aus der sog. High Scociety über den Weg. Parallel hierzu durchläuft seine Exfrau die schmerzvoll hysterische Phase von Selbstfindung nach erfolgter Trennung. Hilfreich, wenn auch alles andere als uneigennützig, steht ihr hierbei ein schmieriger Fernsehproduzent zur Seite.
Um dieses Szenario webt Woody Allen einen losen Reigen von Anekdötchen und Liebeleien, der mal böse-spöttisch mal augenzwinkernd-ironisch daherkommt, es jedoch meistens vermeidet sein desolates Personal zu denunzieren. Zudem hält der Film trefflich die Balance zwischen den vermeintlichen Göttern und ihren Anbetern und zeigt so nebenbei, daß beide Seiten zum selben System gehören und einander bedingen. Das hört sich jetzt schon fast etwas edukativ an, davon hat der Film gottseidank aber überhaupt nichts.

Zu den Überraschungen von "Celebrity" gehört auch die Machart. Hatte sich Woody Allen in "Deconstructing Harry" noch auf leicht modernistische Kamera- und Schnittmätzchen eingelassen, ist sein neustes Werk formal konventionell wenn auch in schwarz/weiss ausgefallen. Die Schauspieler sind wie immer herausragend, vor allem Kenneth Branagh und Judy Davis. Aber auch Leonardo DiCaprio glänzt in seiner ersten Rolle seit "Titanic" mit einer erstaunlich konsequenten Selbstverarschung. Das war ihm nicht so ohne weiteres zuzutrauen.
Fazit: "Celebrity", einmal mehr ein Woody Allen Film an dem einfach alles stimmt und der hohe Filmkunst mit hohem Spaßniveau verbindet.




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