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Music of the Heart
Music of the Heart
© Arthaus

Kritik: Music of the Heart (1999)


Wes Craven gilt als Kultfigur bzw. -Regisseur des trashigen B-Horrors. Gerechtfertigt ist dieser Ruf kaum. Dafür ist Craven ein allzu braver Hand-werker, dessen Talent für visuelles Raffinement oder gar Opulenz wenig ausgeprägt ist. Den Erfolg hat er am ehesten seinem Gespür für zeitgemäßen Grusel zu verdanken. Sowohl bei "Nightmare on Elmstreet" wie auch in der "Scream" Triologie kommt der Schrecken weniger aus nebelumwabernden Grüften oder mitternächtlichen Wiedergängen, sondern mitten aus sonnen-durchfluteten Vorstädten. Gemeuchelt wird überwiegend die Alters- bzw. Zielgruppe, für die die Filme gemacht werden, und bedient wird sich dabei dem etwas aus der Mode gekommenen, aber letztlich doch zeitlos eleganten wie wirkungsvollen Schlitzemesserchen. Daneben hat Craven noch ein gutes Dutzend weiterer Gruselfilmchen gedreht, meist Videotheken-Ramsch, der immer mal wieder nächtens auf RTL 2 zu besichtigen ist.

Kurz vor "Scream 3" kommt nun mit "Music of the Heart" ein Wes Craven Film ins Kino, der so ganz anders ist, in gewisser Weise jedoch einer seiner gruseligsten. Angst wird zwar nicht verbreitet, Schrecken hingegen um so mehr und zwar in Gestalt von Meryl Streep.

Sie spielt (schon wieder eine wahre Geschichte) Roberta Guapari, eine wohlmeinende Freizeitpädagogin, die Anfang der 80er Jahre in East Harlem, bekanntlich nicht eben die erste Adresse in New York, Kindern im Rahmen des Schulunterrichts das Geigenspiel beibrachte. Von ihrem Mann zusammen mit drei gemeinsamen Kindern sitzengelassen, widmet sie sich ganz ihrem weltverbesserlichem Sendungsbewußtsein und läßt dies in einer der gewalttätigsten Kanten Amerikas zur Entfaltung kommen. Von Kollegen, Eltern und vor allem von den Kindern selbst wird die freiwillige Sozialarbeiterin zunächst argwöhnisch beäugt. Doch im Laufe der Zeit kann sie immer mehr Beteiligte von Sinn und Zweck ihres sogenannten East Harlem Violin Program überzeugen. Wobei natürlich klar ist, dass es neben der Beherrschung eines Instruments gleichermaßen um elementare Lerneffekte fürs Leben geht. Über den Verlauf von mehreren Jahren entwickelt sich die Sache vorzüglich. Aber dann drohen die üblichen Etatkürzungen, das Erreichte kaputt zu machen. Roberta aber kämpft und zeigt das notwendige Maß an Krallen. Zusammen mit Lehrern, Schülern und Freunden organisiert sie ein großes Solidaritätskonzert. Beim "Fiddlefest" in der renommierten Carnegie Hall finden sich prominente Gastviolinisten von Weltklasse ein, die Robertas Kampf unterstützen.

Das Ganze hört sich relativ brav an, es ist jedoch wesentlich schlimmer. Vor dieser Ansammlung von Klischees und triefendem Kitsch wird vermutlich jedes Sozial- oder Jugendamt zurückschrecken, und nicht mal nur die fortschritt-lichen. Da paßt es völlig ins Bild, dass der Film psycholigisch furchtbar holzschnittartig anmutet, mit Dialogen zum Weglaufen bestückt ist und mit der für Craven typischen biederen Fernsehästhetik daherkommt. Dergleichen Schmonzes mag noch so gut gemeint sein, es bleibt Schmonzes. Am ärgsten jedoch ist, dass der Film jegliches Gespür für das Wesen der Musik - und wie dieser einmalige Zauber Kindern beizubringen ist - vermissen lässt.





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