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Schatten der Wahrheit
Schatten der Wahrheit
© 20th Century Fox

Kritik: Schatten der Wahrheit (2000)


Robert Zemeckis gehört zu den Regisseuren, die ewig in der zweiten Garde stehen werden. Dabei ist er auch einer der Männer, die das Hollywood Kino seit den 80er Jahren mit großartiger Unterhaltung beliefert haben. Dennoch stand und steht er immer noch im Schatten seines großen Kollegen Steven Spielberg, der fast jeden seiner Hits produzierte. An diesen Großmeister kommt er wohl auch nicht ran, aber seine Credits schmücken viele weltbekannte und unterhaltsame Filme: "Zurück in die Zukunft 1-3", "Falsches Spiel mit Roger Rabbit", "Der Tod steht ihr gut" und nicht zuletzt der unterbewertete "Contact" und "Forrest Gump", für den Zemeckis auch letztendlich den Oscar als bester Regisseur bekam. Mit "What Lies Beneath" hat er sich nun in ganz neues Terrain gewagt. Der mit Michelle Pfeiffer und Harrison Ford herausragend besetzte Film bedient nämlich vor allem das Genre des Horrors.

Viel von der Story zu verraten, wäre unfair. Dennoch dürfte es schwierig sein, unvorbereitet ins Kino zu gelangen, denn zumindest in den USA sorgten der Trailer und das Plakat für viel Unmut, da sie eine ganze Stunde des Films vorwegnahmen. Ich wage aber dennoch einen fairen Versuch:
Claire Spencer (Michelle Pfeiffer) kann als wunderbare Hausfrau gelten: Sie lebt in einem großen, wunderschönen Haus, welches sie ohne Probleme in Schuss hält, sie hat eine wohlgeratene Tochter (Kathrine Towne), die jetzt endlich zum College geht, und sie hat einen liebenden Mann (Harrison Ford), der zudem noch erfolgreich forschender Arzt ist und auch eine ganze Stange Geld mit nach Hause bringt. Jetzt, wo die Tochter weg ist, wird es ruhig im Haus. Claire fühlt sich leer. Als sie nun eines Tages die neu zugezogene Nachbarin vollkommen fertig und weinend im Garten auffindet und diese bei Claires Anfrage, ob alles in Ordnung sei, auch noch flüchtet, ändert sich etwas. Denn plötzlich ist die Frau verschwunden, und ihr Mann treibt nächtens verdächtige Umräumaktionen. Als dann urplötzlich in ihrem Haus seltsame Dinge geschehen, sie sich plötzlich als Leiche mit grünen Augen im Spiegel sieht, die Eingangstür andauernd unmotiviert aufspringt und Gegenstände urplötzlich zu Boden fallen, ist sie sich sicher: Ein Geist geht in ihrem Haus um. Ist ihre Nachbarin tot und versucht sie zu kontaktieren?

Bis zu diesem Zeitpunkt ist "What Lies Beneath" ein wunderbarer, kriechender Schocker, der auf den Punkt hin inszeniert scheint und die ganze Routine von Robert Zemeckis und seinem eingespielten Team spüren läßt. Ohne allzu viel Schnörkel präsentiert sich der Film als spannendes und undurchsichtiges Geflecht der möglichen Erklärungen, aus denen es kaum ein Entrinnen zu geben scheint. Wir sind mit Claire alleine auf der Suche nach der Wahrheit. Gleichzeitig sind wir ihre einzigen Verbündeten, denn nicht einmal ihr Mann - ganz Naturwissenschaftler - schenkt ihr Glauben. Leider wendet sich das Blatt irgendwann zu einer fassbaren Bedrohung. Je klarer wird, was sich hinter den übernatürlichen Begebenheiten verbirgt, desto weniger mag der Film bei der Stange halten. Gegen Ende überzieht das Drehbuch von Clark Gregg den Zufallsbogen dann so weit, dass alles doch zu konstruiert abgetan wird. Dies ist schade, denn gerade gegen Ende tobt sich Zemeckis mit seinem jahrelangen Kameramann Don Burgess visuell so richtig aus, was zu vielen sehr poetischen Bildern führt. Ein solches actiongeladenes Finale, wie es im Endeffekt stattfindet, hätte der Film, der ansonsten erfrischend ruhig, ernsthaft und erwachsen wirkt, nicht gebraucht. Alleine die sichtlich gesetzten Schauspieler genügten. Vor allem Michelle Pfeiffer und Harrison Ford bieten herausragende Leistungen.

Die Schwäche von "What Lies Beneath" liegt mit Sicherheit nicht darin, dass er zu wenig Innovationen zeigt. Ganz im Gegenteil: durch den klugen Einsatz von althergebrachten Zeichen des Horrorfilms, von der Dusche bis zu den allgegenwärtigen Spiegeln, schafft Zemeckis eine wirkliche großartige Spannung, die er auch in gemeinen Schocks zu entladen weiß. Sie liegt in einem am Ende doch zu sehr an der Action interessierten Drehbuch, welches die Fragen und Routen, die es zuvor so schön auszulegen wusste, nicht auflösen kann. Dies führt auch zu der nicht gerade passenden Überlänge. Eine gute halbe Stunde weniger hätte gut getan.
Dennoch möchte ich "What Lies Beneath" empfehlen. Über weite Strecken ist er wirklich spannend, bis er erst nach zwei Dritteln abfällt. Und das letzte Drittel können die starken Schauspieler auch größtenteils überspielen. Schade, dass es an dieser einen Komponente, dem Drehbuch, scheitert, denn sonst wäre "What Lies Beneath" ein weiteres kleines Meisterwerk der ewigen Nr.2 Zemeckis geworden.





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