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Hamlet - Ethan Hawke
Hamlet - Ethan Hawke
© Arthaus

Kritik: Hamlet (1999)


Shakespeareverfilmungen und kein Ende. Dagegen gibts grundsätzlich nichts zu sagen. Und wenn sie so luftig und unterhaltsam daherkommen wie Kenneth Branaghs Interpretationen oder die moderne Romeo und Julia Variante mit Leonardo DiCaprio, dann ist sogar ein kleiner pädagogischer Nebeneffekt erzielt oder zumindest billigend in Kauf genommen worden. Für einen solchen bietet sich "Hamlet" allein wegen der Schwere und Düsternis des Stoffes nun freilich nicht an. Aber auch ansonsten hat Regisseur Michael Almereyda alles getan, um direkten Zugang und leichte Konsumierbarkeit des Klassikers zu vermeiden. Da kann Ethan Hawk als eindrucksvoller Hauptdarsteller (laut Presseheft zum Film) noch so eindringlich das Gegenteil behaupten und von zugänglicher Dichtkunst sprechen: "Viele Leute sind entweder Shakespeare-Fans, die den Text extrem gut kennen, oder sie gehören zu denen, die in der Schule dazu gezwungen wurden und ihn somit nicht mögen. Ich war überzeugt, dass man im Kino die Möglichkeit hat, Shakespeare so zu präsentieren, dass er ein modernes Publikum neugierig macht."
Nun denn: Absicht erkannt, gut gemeint, leider aber gescheitert, wenn auch zugegebenermaßen auf ansprechendem Niveau. Regisseur und Drehbuchautor Almereyda hat das legendäre Königsdrama ins zeitgenössische Manhatten zwischen Wallstreet und Central Park verlegt. Nicht Schwerter, reitende Boten und Giftkelche, sondern Limousinen und Laptops, Faxgeräte und Pistolen sind die äußeren Motoren des fatalen Geschehens.
Vom Grundton her verwischt der Film ein ums anderer Mal die schmale Grenze zwischen moderner Interpretation und modernistischen Mäzchen. Zudem erschwert die teilweise schon recht wüste Bild- und Toncollage wie auch die sprunghafte Inszenierung die Konzentration auf den genialen original Shakespeare-Text.




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