VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
In stürmischen Zeiten
In stürmischen Zeiten
© Planet Media home entertainment GmbH

Kritik: In stürmischen Zeiten (2000)


Johnny Depp spielt einen Zigeuner. Wer sich "In stürmischen Zeiten" und dann im März noch "Chocolat" (Regie: Lasse Hallström) ansieht, der wird sich möglicherweise ein bisschen die Augen reiben. Denn dann gibt's Johnny Depp quasi in der selben Rolle noch einmal. Das bedauerliche daran ist vor allem, dass Depp in beiden Filmen mit dem jeweiligen Part völlig unterfordert zu sein scheint. Er soll in "In stürmischen Zeiten" einen stolzen Mann spielen und das erreicht er bereits dadurch, dass er einfach da ist. Mehr wird von ihm nicht verlangt. Zu dieser fahrlässigen Verschwendung von darstellerischem Können gesellen sich zudem noch ein paar weitere Schwächen. Sally Potter torpediert ihre eigene Thematik von den verlorenen Seelen, die sich mit ihrer erzwungenen Diaspora zurecht finden müssen durch den überflüssigen Gebrauch von oberflächlichen Figuren. Der stolze Zigeuner trifft auf die trinkfreudige Russin, den zurückhaltenden Briten, etc. Der Blick in die Seele solcher Pappmachéfiguren offenbart, dass sie nur eine zweidimensionale Ausdehnung besitzen und geht deswegen völlig ins Leere. Ein Kabinett des Langweiligen hat Sally Potter dort inszeniert, wo innere Spannungen zu finden wären. Das ist besonders traurig. Dennoch will ich nicht unerwähnt lassen, dass das Kino auch bei solchen Schwächen noch einen Teil seiner Hexenkräfte besitzt. Das Interessanteste an "In stürmischen Zeiten" ist demzufolge, wie die technisch gute Umsetzung der Geschichte im Zusammenspiel aus Bild, Musik sowie Schnitt Emotionen erzeugen kann. Aber das Ergebnis ist dann doch etwas gespenstisch und hat etwas von einem Tamagotchi-Friedhof: Man weint um nichts und weiß nicht einmal warum. Sally Potter versäumt bei "In stürmischen Zeiten" dem Geschehen die nötige Tiefe zu verleihen, wodurch der Stoff zu einem schlecht genährten Gerippe verkommt.





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.