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Berlin Babylon (2000)

Hubertus Siegert wirft mit seinem Dokumentarfilm einen ironischen Blick auf das Baufieber in Berlin in den Jahren 1996 bis 1999. Dabei verzichtet er auf Interviews, sondern lässt Bilder und O-Töne für sich sprechen, was eine spannende Collage ergibt...User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4.0 / 5

Filmsterne von 1 bis 5 dürfen vergeben werden, wobei 1 die schlechteste und 5 die beste mögliche Bewertung ist. Es haben insgesamt 1 Besucher eine Bewertung abgegeben.


Eine Dokumentation über den Wiederaufbau Berlins seit dem Mauerfall 1989. Berühmte Architekten, Politiker und Bauherren werden gefilmt und bei der Arbeit beobachtet. Ihre Planungen und Vorhaben wollen die Zerstörung überwinden, einen schnellen Wandel und den Umbruch der Metropole aufzeigen.
Alles dreht sich um Immobilien, Geld und Macht. In unkommentierten Bildern und Kontrastobjekten zeigt der Film mit musikalischer Untermalung den Aufbau einer neuen Stadtstruktur und die babylonische Gewalt des Bauens.

Filmkritik

"Gott, segne dieses Bauvorhaben"... In diesem Satz wird die ganze Perversion offenbar. "Berlin Babylon" wirft einen faszinierten Blick auf die blühenden wie auch verwirrenden architektonischen Strukturen in Berlin. Hubertus Siegert fügt Spielfilmelemente in seinen Dokumentar-Stil ein und die zumeist sehr distanziert-emotionale Musik der Einstürzenden Neubauten (der Name ist in diesem Fall tatsächlich äußerst stimmig) stützt diese Art der Narration. Heraus kommt eine interessante Mischung, die wohl auch nur auf der Kinoleinwand wirken kann. Um die Monstrosität der Architektur begreifen und einen unverstellten Blick auf sie werfen zu können, muss sich das Bild metergroß entfalten und darf sich nicht in einen kleinen schwarzen Kasten einfangen lassen. Vierjährige Dreharbeiten unter teilweise erschwerten Bedingungen auf unzähligen Drehorten - trotzdem vermittelt der Film einen kompakten Eindruck und verliert sich nicht im "babylonischen" Gewirr. Zum Einen sind es Architekten, die Siegert begleitet, und man merkt schnell, dass diese die Diven auf dem Markt sind: An der ausgefallenen Intellektuellenbrille erkennt man sie sofort, notfalls auch am Hut (den übrigens kein Schauspieler oder Musiker sich trauen würde anzuziehen). Dann die Politiker, deren Teilnahme an guten Geschäftsessen als erstes ins Auge fällt. Ihr erhöhtes Herzinfarktrisiko ebenso. Schließlich die Bauarbeiter, Poliere, Bauleiter, deren Arbeitsprozess jedoch von Siegert zumeist ausgespart wird. Man merkt: Hier sind Worte wichtiger als Taten. Noch deutlicher wird das, hört man den Architekten und Politikern zu, wie sie von ihren Plänen reden. Und eigentlich doch nur versuchen, ihre Eitelkeiten mit Visionen zu begründen. Da ist es schöner, wenn wir dann den Bautauchern bei ihrer Arbeit zusehen dürfen. In diesen Momenten hat "Berlin Babylon" sogar etwas von der Sendung mit der Maus.




Filminfos & CreditsAlles anzeigen

Land: Deutschland
Jahr: 2000
Genre: Dokumentation
Länge: 88 Minuten
Kinostart: 27.09.2001
Regie: Hubertus Siegert
Darsteller: Günter Behnisch, Werner Durth, Helmut Jahn
Verleih: Piffl Medien



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