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Kritik: Wir waren Helden (2002)


Der amerikanische Kriegsfilm der Woche könnte abermals als John-Wayne-Gedächtsnisfeier durchgehen, die nach Bosnien, Hitler-Deutschland und Somalia nun in Vietnam stattfindet und ihr pompöses Heldenlied von der ersten blutigen Schlacht singt, in die GI-Bodentruppen im November 1965 verwickelt wurden. Nach dem autobiographischen Roman des damaligen Einsatzleiters Lt. Gen. Hal Moore ("We Were Soldiers Once... and Young") bemüht sich Randall Wallace, der Drehbuchautor von "Pearl Harbor" um eine heldengerechte Denkmalspflege. Mel Gibson führt die tadellosen Mannen an, die in der ersten Stunde als Familienväter, Patrioten und Soldaten verklärt werden, um in der zweiten durch eine Feuertaufe zu gehen, bei der Wallace alle bekannten Register zieht, um das Publikum emotional mitfiebern zu lassen. Das Tadellose Gott-ist-auf-unserer-Seite-Schlachtengemälde ist von A bis Z ein durchkalkulierter Pathos-Erguss, der vom perfekten, braven Helden in Uniform schwärmt, der auch in der Hölle noch seine Pflicht erfüllt. Immerhin fehlt der faschistische Unterton früherer John Wayne-Einsätze und gesteht den Vietcong eine neutrale Darstellung zu. Wie im hier zu Lande wohl nie ins Kino gelangenden "Black Hawk Down" (der Verleih hatte die Hosen voll) schildert Wallace in unabwendbarer Grausamkeit jedes Detail, das zwar durchaus schockierenden Gehalt hat, aber nur eine bessere Entschuldigung für eine hemmungslose Splatter-Orgie ist, die von den Moralgremien sicher nicht geahndet wird, weil sie über den Nachahmungsverdacht des Horrorfilms erhaben ist. Trotz aller hochgehaltenen Werte - von gläubigen Katholiken bis bedingungsloser Vaterlandsliebe - trieft "Wir waren Helden" nicht so voller Schmalz wie befürchtet - auch wenn die unerträglich wallende Musik dies nahelegt. Selbst im Dickicht der Treueschwüre bleibt ein gewisser liberaler Ton, der immerhin nicht blind kriegstreiberisch ist. Bleibt nur die Frage, wieso die neue Kriegsfilmwelle auftritt, als hätte es "Apocalypse Now", "Platoon" und "Full Metal Jacket" nie gegeben.





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