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Sin City: A Dame to Kill For - Charakter Plakat
Sin City: A Dame to Kill For - Charakter Plakat
© Sony Pictures

Kritik: Sin City 2: A Dame To Kill For (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Fast zehn Jahre hat es gedauert, bis Robert Rodriguez den Nachfolger seiner fulminanten Comic-Verfilmung "Sin City" (2005) ins Kino gebracht hat. Auch beim zweiten Teil "A Dame to Kill For" ist neben Rodriguez mit Frank Miller erneut der Schöpfer der berühmten Vorlage als Ko-Regisseur mit an Bord. Miller hat diesmal zwei der vier Geschichten extra für den Film geschrieben. Darüber hinaus springt Rodriguez für "Sin City 2" auf den zur Zeit scheinbar unverzichtbaren 3D-Zug auf. Der Lieblings-Buddy von Quentin Tarantino schmeißt sich für den zweiten Teil seines bisher mit Abstand besten Films auf jeden Fall kräftig ins Zeug. Doch was hat es tatsächlich gebracht?

Um es kurz zu machen: "Sin City 2" tut nicht wirklich weh. Aber wenn der Film niemals entstanden wäre, wäre die Filmgeschichte auch nicht wirklich ärmer. "Sin City" verblüffte im Jahr 2005 mit einer so im Kino noch nie gesehenen völlig eigenen Optik. Schwarz-Weiß mit einigen prägnanten Farbtupfern und einer der Comic-Vorlage gerechten extremen Stilisierung. "Sin City 2" übernimmt diese extravagante Form der visuellen Gestaltung, entwickelt sie jedoch nicht weiter, außer dass der Film jetzt in 3D ist. Doch in diesem Fall ist die dritte Dimension kein Plus, sondern mit gutem Willen gesprochen schlicht überflüssig. Man hat diese Technik inzwischen auch schon in wesentlich ausgereifterer Form gesehen, wie z.B. in Jean-Pierre Jeunets "Die Karte meiner Träume". Dass "Sin City 2" seit bereits fast einem Jahrzehnt in Arbeit war, spiegelt sich in einer 3D-Technik, die ebenso alt wirkt: Es zeigt sich die für schlechtes 3D typische Staffelung einzelner Ebenen, die in sich fast zweidimensional wirken und in denen zusätzlich viele Konturen recht verschwommen sind.

Erschwerend kommt hinzu, dass in der Fortsetzung die beiden wichtigsten Identifikationsfiguren des ersten Teils weitestgehend fehlen. Der von Bruce Willis verkörperte John Hartigan ist mittlerweile tot und geistert nur noch als spirituelle Erscheinung durch die Fortsetzung. Und der in seiner Maske praktisch nicht mehr erkennbare Mickey Rourke als Marv wurde zu einer Nebenfigur degradiert, die zumeist nur saufend am Tresen eines Strip-Schuppens sitzt. Dort muss selbst er schamvoll das Gesicht abwenden, wenn die inzwischen zu einem ganz scharfen Luder herangereifte Nancy Callahan (Jessica Alba) anfängt sich in Posen, die lasziv wirken sollen, über den Boden zu rutschen oder sich keck an den eigenen Hintern fasst.

Leider ist das symptomatisch, für alle Charaktere im Film. Die Männer sind so unglaublich cool, dass man sich ernsthaft wundert, dass sie überhaupt noch gerade gehen können. Die Frauen sind hingegen reine Sex-Toys ohne jede Persönlichkeit und möglichst oft auch ohne Kleidung. - Wobei zumindest letzteres die alte Weisheit von Mies van der Rohe bestätigt, dass Weniger mehr sein kann. - und allesamt sind sie leere Hülsen, Pappkameraden, bar jeder Persönlichkeit

Eine große Stärke des ersten Teils war es, dass der Film zwar eine übersteigerte Coolness und eine oft überzogene Gewaltdarstellung in Verbindung mit großer Sexyness bot. Aber all dies wurde dadurch geerdet, dass der Film zusätzlich eine altmodische Form von Romantik aufwies, in der z.B. ein Mann ohne persönliche Hintergedanken wirklich alles für eine Frau tun würde. Es gab echte Typen, Charaktere, Identifikationsfiguren. Und selbst die, die fast nur da waren, um möglichst cool auszusehen, taten dies mit einer gewissen Form von Würde. So war Rosario Dawson als die taffe Gail, die Anführerin der Prostituierten, durchaus glaubwürdig. Wenn sie in "Sin City 2" - als vermeintliche Zuspitzung – auch noch mit einer nietenbewehrten Ganz-Kopf-Kappe auftritt, so sorgt dies erst für großes Gelächter und anschließend für genervtes Resignieren.

Die verschiedenen visuellen Spielereien waren in "Sin City" durchdacht und bis ins letzte Detail hinein perfekt ausgeführt. Dies lag im Rückblick gesehen wahrscheinlich in erster Linie daran, dass Rodriguez einfach Bild für Bild die Comic-Vorlage in einen Film übersetzt hat. In "Sin City 2" ist die Darstellung genauso willkürlich, wie in vielen Musikvideos, nur dass die durch ihren Rhythmus eine optische Änderung zumindest plausibel machend Musik fehlt. Trotz allem ist "Sin City" zumindest visuell erneut ein kleiner Leckerbissen geworden, der echten Nerds und toleranten Ästhetikern gleichermaßen gefallen wird.


Fazit: "Sin City" hatte alles: Tolle Stories, tolle Charaktere und eine brilliante visuelle Gestaltung. In "Sin City 2" bleibt davon fast nur die tolle Optik - und auch die war im ersten Teil ein ganzes Stück besser.




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