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Die Queen
Die Queen
© 2006 Concorde Filmverleih GmbH

Kritik: Die Queen (2006)


Der 31. August 1997 markiert den Beginn einer der schwersten Krisen der britischen Monarchie: Diana, Ex-Frau von Prinz Charles und ehemalige Prinzessin von Wales, stirbt in Paris an den Folgen eines Autounfalls. Der frisch gewählte Premierminister Tony Blair (Michael Sheen) erkennt die Tragweite dieser Tragödie sofort – und reagiert auf ihr Ableben mit einer einfühlsamen Rede. Das Königshaus indes schweigt. Denn im schottischen Balmoral ist Queen Elizabeth II. (Helen Mirren) überzeugt, dass die Trauer über den Tod einer Angehörigen nicht in die Öffentlichkeit gehört. Eine Königin habe ihre Gefühle für sich zu behalten. Unterdessen wird Tony Blair in London Zeuge der öffentlichen Trauer, die ein bisher unbekanntes Ausmaß annimmt. Das Schweigen des Königshauses stößt zunehmend auf Unverständnis im Volk, Kritiker nutzen diesen Unmut, um wiederholt die Abschaffung der Monarchie zu fordern. Und inmitten dieser Kräfte steht der Premierminister, der Verständnis für die Königin und die Bürde einer 50-jährigen Regentschaft entwickelt. Er erkennt aber, dass ihr Schweigen ihr schadet – und versucht schließlich, sie zum Umdenken zu bewegen.

Aus diesem Zusammenspiel von Premierminister und Königin entwickelt Stephen Frears eine Komödie, die vor allem von der großartigen Helen Mirren getragen wird. Sie nähert sich mit ihren Gesten und ihrer Mimik dem Original erstaunlich an und verleiht ihrer Rolle jene charakteristische Mischung aus Würde und Weltfremdheit, die die Queen ausmacht. Bei aller Nähe zu der historischen Figur ist es Helen Mirren aber gelungen, die nötige ironische Distanz zu wahren, die ihre großartige schauspielerische Leistung erst ausmacht. Mit kleinen Gesten oder dem Zucken eines Mundwinkels macht sie den Menschen hinter der Königin sichtbar. Es verwundert kaum, dass Helen Mirren für diese Leistung einen Oscar erhalten hat.

Aber auch abgesehen von Helen Mirren und den anderen guten Schauspielern gibt es in „The Queen“ viele gelungene Szenen. Wenn Tony Blair und seine Frau kurz nach dem Wahlsieg bei der Queen erstmalig vorstellig werden, besitzt die Sequenz durch das Aufeinandertreffen des aufstrebenden Labour-Politikers und der erfahrenen Königin viel Witz. Oder wenn in Anwesenheit von Queen Mum entschieden wird, dass Dianas Begräbnis dem Plan ihres Begräbnisses folgen soll, und sie sich daraufhin erst einmal einen Schluck Gin genehmigt. Doch leider verliert sich Stephen Frears insbesondere bei den Bildern der einsamen Queen auch im Pathos. Wenn sie alleine durchs schottische Hochland wandert, lässt sich hier noch ein wenig Romantik finden. Doch als die Queen durch die Begegnung mit einem Hirsch ihr Mitgefühl (wieder-)entdeckt, ist der Kitsch fast überbordend. „The Queen“ ist aber nicht nur ein Film über Elizabeth II., sondern auch über das Verhältnis von Tradition und Moderne und über die Mediengesellschaft. Dadurch wird deutlich, dass sich das britische Königshaus in einer paradoxen Situation befindet: Durch Geburt in ihre Rollen gesetzt, sind die Royals dennoch von Popularitätswerten abhängig.

Fazit: „The Queen“ ist eine über weite Strecken feinsinnige und charmante Komödie, die Helen Mirren in Höchstform zeigt.





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