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Rush Hour 3
Rush Hour 3
© 2007 Warner Bros. Ent.

Kritik: Rush Hour 3 (2007)


Die "Rush Hour"-Serie, mit Jackie Chan und Chris Tucker als ziemlich ungleiches Cop-Duo, wurde 1998 ins Leben gerufen. Inszeniert von Brett Ratner folgten beide bisherigen Teile einer einfachen, aber ziemlich wirksamen Formel: Tucker + Chan + Stunts + Gags = $$$. Nun kommt also "Rush Hour 3" in die Kinos und zu erwarten, dass Regisseur Ratner diesmal nicht seiner Erfolgsformel folgt, wäre wohl ziemlich naiv.

Was "Rush Hour 3" zu bieten haben sollte, ist also klar. Und allen Fans sei gesagt: Das zumindest bietet die Action-Komödie auch. Chan und Tucker geben wie gewohnt das wie ein zänkisches altes Ehepaar daherkommende ungleiche Polizisten-Duo und das Script reiht Gag an Stunt an Gag an Stunt... was bedeutet, dass Chan einmal mehr seine Geschicklichkeit und artistische Fähigkeiten unter Beweis stellen darf und Tucker seine große Klappe. Die Zahl der Digi-Künstler in den Endcredits (und einige von ihnen nicht ganz sauber gestaltete Szenen) beweist, dass Chan inzwischen doch gelegentlich auch ein wenig Computernachhilfe braucht. So oder so gibt es ein paar schöne Actionszenen, etwa ein schwindelerregendes Finale auf dem Eiffel-Turm, die Regisseur Ratner freundlicherweise auch noch so inszeniert und schneidet, dass man sie tatsächlich sehen kann – kein wildes Rumgewackel und Geschnipsel stört das Vergnügen.

Da auch die Darsteller nicht wirklich negativ, oder wie Jackie Chan gar positiv auffallen, hätte "Rush Hour 3" ein wirklich guter Film werden können. Leider aber hat Autor Jeff Nathanson bei seinem Script ziemlich geschlampt:
Dass Chans Lee gelegentlich arg rührselig ist und Tuckers Carter im Gegensatz dazu noch aufgedrehter herumkrakelt als gewohnt, ist nervig, aber noch hinnehmbar.
Ebenfalls gelegentlich nervig ist das derzeit obligatorische und natürlich auch hier reichlich vorhandene Franzosen-Bashing – wobei festzustellen ist, dass Autor Nathanson durchaus Sympathien für die bösen, bösen Franzosen hegt. Zumindest gesteht er ihnen Kultur (und sei es auch nur Esskultur), Geschmack und Verführungskunst zu. Man denke an die Darstellung von Bösewichtern anderer Nationen – bei Deutschen sind positive Eigenschaften dann doch eher undenkbar.
Und wenn der Amerika hassende, ketterauchende, dauerfluchende französische Klischee-Taxifahrer, der eigentlich ein liebens- und fast bedauernswerter Pantoffelheld ist, am Ende zum US-Fan mutiert weil er auch unbedingt mal jemanden sinnlos töten will, ist das doch immerhin eine völlig unerwartete Selbst- (also US-)Kritik, die, wenn man es nun unbedingt gesellschaftlich deuten wollte, auf ein recht zwiegespaltenes Verhältnis der Amerikaner zu den Franzosen, eine Art Hassliebe, deutet: Frankreich ist ein Märchenland, das Land "Far, Far Away" und der amerkanische Cowboy/Prinz will nichts anderes, als von der sexy Französin/Prinzessin geliebt und verführt werden. Auf Zurückweisung reagiert der liebende Revolverheld pampig.

Leider hält das Drehbuch an anderer Stelle, bzw. an vielen anderen Stellen, deutlich höheres Nervpotenzial bereit. Eine komplett unglaubwürdige Story ist bei Action-Filmen ja eher normal - dass die Story aber auch noch in sich reichlich unlogisch, löchrig und hanebüchen ist, ist dann doch schlicht ein handwerklicher Fehler. Da lösen sich Handlungsmotive einfach mal in Luft auf (warum gleich sollte die Tochter des chinesischen Botschafters ermordet werden?), Charaktere scheinen unter seltsamen psychischen Störungen und Todessehnsucht zu leiden (oder wie, bitte, hat sich Revuegirl Geneviève in die ungemütliche Lage manövriert in der sie steckt? ) und es finden sich stapelweise Sinnlosigkeiten: Ein Geheimnis, für dessen Bewahrung eben noch munter gemordet wurde, ist im nächsten Moment eine alte chinesische Triaden-Tradition und als solche mehr oder minder Allgemeingut – zumindest weiß jeder Bescheid außer unseren Helden. Der Killer ist zum einen ein alter Bekannter und zum anderen auch nicht wirklich schwer zu finden – was ihn trotzdem äußerst langlebig macht. Chinatown ist ein dermaßen rechtsfreier Raum, dass die beiden Cops (!) Lee und Carter dort erst mal ordentlich verkloppt werden, nur weil sie es gewagt haben in einem Dojo nach dem Spind einer Freundin zu fragen. Kaum in Frankreich gelandet werden die beiden Polizisten dann vom Pariser Polizeichef (gespielt von Regisseur Roman Polanski) abgefangen, verprügelt und ganz besonders gründlich durchsucht. Und so weiter und so fort – es sind nicht die einzelnen, unlogischen Szenen die stören, sondern schlicht die Masse in der sie auftreten.
Dass der Film trotzdem ganz unterhaltsam ist und vor allem Fans sicher zufriedenstellen wird, ist der oben schon erwähnten hohen Gag- und Actiondichte zu verdanken – es wird einem netterweise nicht allzuviel Zeit gelassen, sich zu wundern oder gar zu ärgern.

Also: Gerade noch so die Kurve gekriegt.





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