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Halloween
Halloween
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Kritik: Halloween (2007)


1978 erfand John Carpenter einen der langlebigsten psychopathischen Killer der Filmgeschichte: In insgesamt acht Filmen schlachtete Michael Myers immer auf der Suche nach der, selbst von ihm nicht tot zu kriegenden, Laurie Strode zu Halloween die verschiedensten unglücklichen Opfer. Erst 2002 wurde die letztmalige Auferstehung des Maskenmörders gefeiert. Carpenters Original-“Halloween“, mit dem die hysterisch kreischende Jamie Lee Curtis als „Scream-Queen“ in die Filmgeschichte einging, gilt inzwischen als Klassiker des Slasher-Kinos und zählt zu den bekanntesten Horrorfilmen überhaupt.

Nun hat sich Rob Zombie des Originals angenommen und legt seine eigene Version der mörderischen Anfänge von Michael Myers vor. Mit seinem „Halloween“-Remake legt Zombie, der sich als Regisseur zunächst mit Musikvideos zu den Songs seiner Metal-Band „White Zombie“ einen Namen machte, nach „House of 1000 Corpses“ und „The Devil's Rejects“ seinen dritten bluttriefenden Langfilm vor.
Die Grundstory – nach Jahren in einer geschlossenen Anstalt flieht der Psychopath Michael Myers ausgerechnet zu Halloween in seinen beschaulichen Heimatort Haddonfield und murkst allerlei Teenager ab - hat Zombie kaum verändert. Auch der von John Carpenter höchstpersönlich für seinen Film komponierte Score kommt in Zombies Variante nur leicht abgewandelt zum Einsatz. Der auffälligste Unterschied zum Original ist daher die umfangreicher gestaltete Vorgeschichte, die vor allem der Hauptfigur etwas mehr Tiefe (wenn man bei einem psychopathischen Massenmörder von so etwas sprechen kann) verleiht.

Alles beginnt mit einer Zombie-typischen Horrorfamilie, die dermaßen vulgär und aggressiv ist, dass die Neigung des 10jährigen Michaels (nicht schlecht gespielt vom Debütanten Daeg Faerch), Kleintiere abzumurksen, kaum noch verwundert. Angesichts der Schimpfwort-gespickten Dialoge könnte man meinen, Zombie wolle beweisen dass auch Worte Körperverletzung sein können. Liebende Lichtgestalt, aber in ihrer bescheuerten Männerwahl auch Ursache allen Übels, ist Mutter Deborah Myers, dargestellt von Zombies Ehefrau Sheri Moon Zombie, die in den beiden vorangegangen Filmen ihres Ehemanns als sadistisch-brutale Baby Firefly zu sehen war.

Sollte man Mama Myers ein Zeugnis für ihre Erziehungskünste ausstellen, würde es wohl beginnen mit: „Sie war stets bemüht...“. Dass die Stripperin ihre Kinder, insbesondere den 10jährigen Michael, liebt, steht außer Frage, aber das hilft natürlich wenig, wenn man ihnen gleichzeitig einen dumpf-prügelnden Säufer als Stiefvater vorsetzt.
Die älteste Tochter Judith ist denn auch nicht gerade ein Sonnenschein. Vulgär wie alle in der Familie, setzt sie aggressiv ihre Sexualität ein, um ihren Willen durchzusetzen. Kein Wunder also, dass Michael neben der von ihm bewunderten Mutter einzig noch für seine kleine Schwester, Baby Laurie, Gefühle übrig hat. Sein erster Amoklauf zu Halloween scheint denn auch nicht reines Privatvergnügen, sondern ein durchgedrehter Versuch, die Mutter und die unschuldige Schwester vor der brutalen Welt zu retten. Erst als sich die, nach dem Selbstmord ihrer Mutter adoptierte und daher absolut ahnungslose, Schwester Laurie 17 Jahre später nicht so richtig erfreut über Michaels Besuch zeigt, wird auch sie in seinen Augen zum Schlachtvieh.

Während Zombie diese Hintergrundgeschichte ziemlich gut gelungen ist, ist dann ausgerechnet die spätere Hauptstory, trotz der im Vergleich zum Original etwas zahlreicheren, blutigeren Morde, mit der Zeit irgendwie... langweilig.

Allerlei unterschiedliche Mordwaffen nutzt Michael auf seiner mörderischen Tour, seine Opfer werden erwürgt, stranguliert, gehängt und – natürlich – mit dem obligatorischen Fleischermesser erstochen, aber trotzdem hinterlässt alles den selben Eindruck, denn dummerweise wird eine Eigenheit des Mörders immer wieder präsentiert:
Als sei er ein Raubtier, dass ein gemütliches Plätzchen zum Ausweiden seiner Beute sucht, schleift Myers seine ausblutenden Opfer an irgendeinem Körperteil über den Fußboden. Am Anfang mag das vielleicht noch recht gruselig wirken, aber mit der Zeit erinnert es dann doch eher an Grzimeks „Serengeti lebt“: „Und hier sehen wir einen vom Aussterben bedrohten Maskenmörder bei dem Versuch seine Beute vor dem Polizistenrudel in Sicherheit zu bringen...“ Spannend ist dann doch was anderes.

Schlecht ist Zombies „Halloween“-Variante deswegen zwar noch lange nicht, und für Horrorfans lohnt sich der Kinobesuch in jedem Fall – spannender aber ist sein komplett kranker Vorgängerfilm „The Devil's Rejects“.




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