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Kritik: Illuminati (2008)


Dass die katholische Kirche "Dreck am Stecken" hat und womöglich die eine oder andere "Leiche im Keller" ist für Religionskritiker mehr als eine unbewiesene Vermutung. Sicher ist, dass manch ein Geheimnis in den labyrinthischen Gängen und Gewölben des Vatikans schlummert. Während seiner beinahe 2000 Jahre alten Geschichte sind viele Mythen und Legenden entstanden. Einige beinhalten einen wahren Kern, andere sind nicht viel mehr als Fiktion.Vor 400 Jahren verfolgte die Katholische Kirche die "Illuminati", einen freimaurerähnlichen Geheimbund, dem viele berühmte Gelehrte angehörten, beispielsweise auch Galileo Galilei, der ebenfalls so manch einen Zwist mit der Kirche ausfocht. In "Illuminati", der Fortsetzung von "Sakrileg"", dem ersten fürs Kino adaptierten Dan Brown-Thriller, ist eben dieser Geheimbund, der sich der Wissenschaft und Forschung verschrieben hatte, zurück und attackiert den Vatikan und die Katholische Kirche von innen heraus.
Der Papst ist tot, das Konklave zur Wahl eines neuen Pontifex hat eben begonnen. Die Kirche ist Kopflos und die Staatsgeschäfte ruhen kommissarisch in den Händen des "Camerlengos" (Ewan McGregor), des Privatsekretärs und rechter Hand des "Heiligen Vaters". Der ideale Zeitpunkt, um die Kirche aufs Korn zu nehmen. Vier Kardinäle, die so genannten "Prefereti" (vornominierte Favoriten für die Wahl des neuen Papstes) sind von den Illuninati entführt worden. Jede Stunde soll einer grausam hingerichtet werden. Der letzte um 23.00 Uhr. Eine Stunde später wird eine gewaltige Detonation den Vatikan "Im Lichte untergehen lassen"! Einer aus den Labors des CERN-Teilchenbeschleunigers entwendeter Zylinder mit Antimaterie ist innerhalb der Vatikan-Stadt platziert worden und droht nicht nur den Kirchenstaat zu zerstören, sondern halb Rom gleich mit.

In dieser Notsituation wird der Experte für Kirchenmythologie Robert Langdon (Tom Hanks), der eigentlich nicht wirklich gut im Vatikan gelitten ist, gebeten der Kirche beizustehen. Ihm zur Seite: die junge Physikerin und CERN-Mitarbeiterin Vittoria Vetra (Ayalet Zurer). Während die Weltöffentlichkeit auf den Vatikan schaut und die Massen auf dem Petersplatz, ebenso wie die Presse und Medien, auf "weißen Rauch" hoffen, findet eine abenteuerliche Hatz quer durch den Vatikan statt. Viel Zeit das Unglück aufzuhalten bleibt aber nicht und zwischen Freund und Feind wird auch nicht immer leicht zu unterscheiden sein. Wieder mal schlüpft Tom Hanks ist die Rolle des Symbologen Robert Langdon und liefert eine hanebüchene Schnitzeljagd quer durch den Vatikan; es hätten nur noch Neon-Werbetafeln in den Katakomben gefehlt, die zum nächsten mysteriösen Höhepunkt führen. Der größte Teil dieser Geschichtsstunde-Light wurde natürlich im Studio realisiert (auf jeden Fall die Innenaufnahmen, da es für die keine Drehgenehmigung im Vatikan gab). Und auch das "Jump-&-Run" innerhalb der Stadt hätte in der Realität nur dann gut funktioniert, wenn einige Gebäude abgerissen worden wären oder sich die Schauspieler von Ort-zu-Ort hätten beamen können. Schlecht recherchiert ist die Story obendrein: "Prefereti" existieren nicht. Die Favoriten für die Papstwahl sind kein großes Geheimnis und der "Camerlengo" kann niemals der Privatsekretär des Papstes sein. Er handelt sich bei ihm immer um einen hochrangigen Kardinal.

Abgesehen von diesen Fehlern, liefert "Illuminati" aber kurzweilige Unterhaltung; um Längen besser als drittklassige Indiana Jones-Kopien im Stile von "Das Vermächtnis der Tempelritter" oder das "Vermächtnis des geheimen Buches". Unterstützt wird Tempo und Takt des Streifens von einem zwar wenig zurückhaltenden, aber passend abgemischten, Score von Hans Zimmer, das die Handlung gut trägt. Spannend geht es allemal auch zu, und das gut inszeniertes Katz-und-Maus-Spiel und Figuren, die nicht völlig eindimensional-steretyp nur gut oder böse sind, sorgen sogar für eine massentauglich-wohldosierte Portion Anspruch. Tom Hanks schauspielerische Leistung fällt zwar im Vergleich eher dezent aus; hat aber gewollt oder nicht besser gekonnt, den positiven Aspekt, dass die Story zum Star des Films avanciert. Ex-Obi-Wan Ewan McGregor liefert in der Rolle des "Camerlengos" hingegen eine gute Performance ab. Und sogar einen deutschen Star gibt es zu bestaunen: Armin Mueller-Stahl spielt den Zeremonienmeister des Vatikans, der das Konklave leitet und vermag ebenfalls den einen oder anderen interessanten Akzent noch hinzuzufügen.

Fazit: "Illuminati" ist wohl inszeniertes temporeiches Filmspektakel des leicht gehobenen Popcorn-Entertaintment-Levels. Über 140 Minuten gelingt es keine Langeweile aufkommen zu lassen, das für sich stellt schon eine ordentliche Leistung dar. Die Fans der Dan Bronwn-Romane werden zwar sicherlich die eine oder andere Unstimmigkeit entdecken, und der Kenner katholischer Kirchengeschichte und Vatikanriten wird hie-und-da den Kopf über solch hanebüchene Show schütteln, aber wer sich einen Abend nicht völlig seicht unterhalten lassen möchte, wird eindeutig angesprochen werden.




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