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1 Mord für 2
1 Mord für 2
© 2007 Concorde Filmverleih GmbH

Kritik: 1 Mord für 2 (2007)


Jude Law spielt nach „Alfie“ zum zweiten mal eine klassische (und seinerzeit Oscar-nominierte) von Michael Caine geprägte Rolle. Das Besondere an der Neuauflage von "Mord mit kleinen Fehlern" (1972) ist jedoch, dass der inzwischen 74jährige Caine selbst wieder mit dabei ist – in der Rolle seines einstigen Antagonisten.
"1 Mord für 2" lautet der ungelenke deutsche Titel von „Sleuth“ (= Schnüffler). Der Film basiert auf einem Theaterstück von Anthony Shaffer, das für die neue Version vom Nobel-Preisträger Harold Pinter adaptiert wurde - und zwar als bösartiger Hahnenkampf: Zwei Männer kämpfen vordergründig um eine Frau, eigentlich aber um Macht. Der Gewinn: Die absolute Erniedrigung des Gegners.

Die Umkämpfte ist zwar nie zu sehen, aber dennoch ständig präsent. In Pinters Version ist sie die Innenarchitektin von Caines musealem Anwesen, das sie mit unzähligen digitalen Design-Chichis, blauem Licht und Überwachungskameras ausgestattet hat. Das gemeinsame Heim wirkt wie ein raffiniertes aber eiskaltes Labyrinth, der Hausherr scheint mit einer Fernbedienung alles im Griff zu haben. Und schließlich muss Kenneth Branagh natürlich auch rechtfertigen, dass er ein Kammerspiel für zwei ins Kino bringt... Dabei hätte er sich einfach auch auf Pinters makaberen Humor verlassen können, der sich in feingeschliffenen, spitzzüngigen Wortduellen entlädt. Daher sollte man sich den Film am besten als OmU ansehen.

Die Figurenkonstellation stimmt mit dem Original überein: Der erfolgreiche Krimi-Autor Andrew Wyke hat sich scheinbar damit abgefunden, dass seine Frau ihn mit dem jungen, armen Friseur und Möchtegern-Schauspieler Milo Tindle betrügt. Er lädt ihn zu sich ein, gibt sich gönnerhaft und fast lächerlich angeberisch. Schließlich erlaubt er Tindle, seine Frau zu übernehmen - sofern er ihr einen angemessenen Lebensstil bieten kann. Da dem nicht so ist, bietet Wyke ihm an, gemeinsam einen Versicherungsbetrug durchzuziehen: Tindle soll ihre Juwelen stehlen. Entgegen jeglicher Vernunft – immerhin stammt der Vorschlag von einem Krimiautor, der ihn per Fernbedienung durchs Haus lotst – willigt Milo mit gespielt unbekümmerter Aufsässigkeit ein.

Es beginnt ein überspitztes Spiel der Identitäten: "You’re now you." Aber keiner von beiden weiß die ganze Zeit über genau, woran er ist und wer wann gepunktet hat. Tindle hat zwar die Frau auf seiner Seite, dafür aber ihre intelligente Schöpfung gegen sich, beispielsweise einen Käfig-artigen Aufzug. Wykes kühlem Kopf begegnet Law als Tindle mit geschmeidiger Köperlichkeit und gerissenem Charme. Beide Schauspieler lassen gleichzeitig durchscheinen, was ihre Charaktere gemeinsam haben – nämlich unterschwelligen Wahn, der, während sie sich lauernd umzingeln, immer mal wieder herausbricht.

Letztendlich schätzen sich die Kampfhähne beide falsch ein. Pinters Endpointe entspricht dieser Ambivalenz dann auch mit bitterer Konsequenz. Ob das notwendig ist, sei dahingestellt; bilden doch die komischen Elemente das Herz des ansonsten unterkühlten Films. Dennoch behält man "Sleuth" als spannendes, präzise gespieltes Charakterstück in Erinnerung, dem eine etwas unaufdringlichere Stilisierung mit weniger Gimmicks gut getan hätte.





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