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Die Mumie - Das Grabmal des Drachenkaisers
Die Mumie - Das Grabmal des Drachenkaisers

Kritik: Die Mumie - Das Grabmal des Drachenkaisers (2008)


"Die Mumie: Das Grabmal des Drachenkaisers": rasant geschnittenes Fast-Food-Kino für den Action-Hunger zwischendurch.

Sieben Jahre nach dem letzten Teil graben die Universal Studios erneut "Die Mumie" aus – und verlegen die Story, passend zum Olympia-Jahr, ins China nach dem Zweiten Weltkrieg. Die von Brendan Fraser angeführten Abenteurer aus dem Westen sehen dabei allerdings recht müde aus, für frischen Wind sorgen stattdessen die Asiaten Michelle Yeoh und Jet Li. Zwar ist der Plot nur ein mutierter Klon der jüngsten "Indiana Jones"-Familiensaga, doch dafür nimmt sich das CGI-Spektakel selbst nicht allzu ernst und gibt nie vor, mehr zu sein, als es wirklich ist: ein B-Movie mit simplen Zutaten, rasant geschnittenes Fast-Food-Kino für den Action-Hunger zwischendurch.Mumie, Grabmal, Drache, Kaiser – der Titel drückt eigentlich alles aus, was es in diesem Film zu sehen gibt. Ein solches Maß an Ehrlichkeit weckt Sympathien, und so goutiert man den längst tot geglaubten dritten Teil der "Mumien"-Saga vorzugsweise wie ein simples aber herzhaftes Stück Kino-Käse. Und bevor Sie jetzt pikiert die Nase rümpfen: Ja, der Gestank gehört dazu!

Action-Spezialist Rob Cohen ("The Fast and the Furious") inszenierte das Spektakel offenbar bewusst als überdrehtes B-Movie, und wirft mundgerechte Fast-Food-Happen im Stakkatotempo auf die Leinwand. "Die Mumie 3" ist nicht nur ein besonders aufwändiger Werbetrailer für das Videospiel zum Film, sondern auch eine ehrliche Verbeugung vor der jüngsten MTV-Generation. Cohen, immerhin Jahrgang 1949, behauptet nämlich von sich selbst, dass er jedes Jahr jünger wird. Längst hat er sich piercen, tätowieren und den Kopf kahlscheren lassen – und als Zielgruppe jene hyperaktiven Jugendlichen ausgemacht, deren chronischem Aufmerksamkeitsdefizit nur noch mit einer Abfolge von vielen schnellen Schnitten beizukommen ist.

Für Handlung und Figuren bleibt da wenig Raum, und was von diesen Elementen übrig ist, verlegt der Filmemacher passend zum Olympia-Jahr in das antike China. Dort regiert der von Jet Li gespielte Kaiser Han mit harter Hand – und wünscht sich zum perfekten Glück bloß noch Unsterblichkeit. Diese soll ihm die Zauberin Zi Juan (Michelle Yeoh) beschaffen, doch die durchschaut des Kaisers hinterhältige Intrigen und verwandelt ihn mitsamt seiner zehntausend Mann starken Armee in leblose Terrakotta-Krieger.

Schnitt ins China des Jahres 1946, wo Alex (Newcomer Luke Ford), der Sohn des "Mumien"-Fans bekannten Abenteurers Rick O’Connell (Brendan Fraser), den Sarkophag des Kaisers heben möchte. Zufällig machen sich auch Rick und seine Frau Evelyn (Mario Bello) nach China auf, um dort ein sagenhaftes Artefakt zu übergeben. Kurios: Mario Bello erbte den Evelyn-Part von Rachel Weisz, die mit dem Drehbuch nichts anzufangen wusste und das Weite suchte. Absurd: Der 27 Jahre alte Ford spielt im Film den Sohn des 39 Jahre alten Fraser. Was das bedeutet, können Sie sich selbst ausrechnen.

Dass die Zusammenführung der dysfunktionalen Grabschänderfamilie sehr an den letzten "Indiana Jones" erinnert, kann kein Zufall sein. Und so macht sich das Trio zusammen mit Evelyns Bruder Jonathan (John Hannah) als Sidekick auf den Weg, den wiedererwachten Kaiser zu besiegen, ehe dieser seine tönerne Armee reanimieren und mit ihr die Welt erobern kann. Unterwegs treffen sie dabei auf die inzwischen unsterbliche Zi Juan und ihre attraktive Tochter Lin (Hongkong-Star Isabella Leong), die Alex schöne Augen macht.

Drei Videospiel-Levels später kommt es schließlich zum Showdown zwischen den untoten Armeen von Gut und Böse – und zwischen Michelle Yeoh und Jet Li, die endlich zeigen dürfen, dass sie auch ohne aufwändige Effekte sagenhafte Action liefern können. Fraser und Bello schlagen sich ebenfalls tapfer, werden von der Eleganz der Asiaten aber letzten Endes deklassiert.

Wie kann man einem Film, in dem computeranimierte Flugzeuge auf computeranimierte Tonsoldaten schießen, Absolution erteilen? Ganz einfach: Indem man, wie in einer Achterbahn, sein Hirn ausschaltet und stattdessen jeden Meter der rasanten Strecke buchstäblich emotional erfährt. "Die Mumie 3" ist so banal wie die Attraktionen eines amerikanischen Vergnügungsparks – aber auch mindestens so unterhaltsam. Dass die Handlung dabei wie auf Schienen läuft, ist nur scheinbar ein Problem. Denn um es mit den Worten von Konfuzius zu sagen: "Der Weg ist das Ziel."

Film in OV ("The Mummy: Tomb of the Dragon Emperor") gesehen am 21.7.08 im Gabriel Kino, München




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