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Kritik: Dark Shadows (2011)


Das neueste Werk von Regie-Visionär Tim Burton („Batman“, „Mars Attacks!“) basiert auf der Gothic-Seifenoper „Dark Shadows“, die von 1966 bis 1971 im US-amerikanischen TV lief. Die Serie, die der Sender ABC täglich in den Nachmittagsstunden ausstrahlte, entwickelte sich schnell zum Publikumsrenner und besitzt heute Kultstatus. Burton war in seiner Jugend selbst ein großer Anhänger der Serie, die in Deutschland erst spät in den 90er-Jahren gezeigt wurde. Mit „Dark Shadows“ kehrt Burton wieder zu seinen filmischen Wurzeln zurück. In seinem mittlerweile achten Werk mit Lieblingsschauspieler Johnny Depp verbindet Burton eine düster-schaurige Optik und detailverliebte Settings und Ausstattungen mit abgedrehten, schrägen Charakteren. Heraus kommt eine extrem unterhaltsame Mischung aus Horror-Mär und komödiantischen Elementen, die mit viel Ironie und Slapstick angereichert wurden. In dieser Kombination erinnert „Dark Shadows“ an Burtons Schauermärchen „Beetlejuice“ und „Sleepy Hollow“.

Die Hauptrolle in „Dark Shadows“ verkörpert erneut Burtons Haus- und Hofhauptdarsteller Johnny Depp, der schon als Kind davon träumte, eines Tages die Hauptfigur der Serie, Vampir Barnabas Collins, spielen zu dürfen. Depp war derart angetan von dem Projekt, dass er schließlich auch die Produktion übernahm. Bereits 2007 sicherte sich das Filmstudio Warner Brothers die Rechte an der Verfilmung, doch der Ausstieg des ursprünglichen Drehbuchautoren sorgte schließlich dafür, dass Depp erst jetzt als Vampir auf der großen Leinwand seinen Blutdurst stillen darf.

Als Vampir Barnabas Collins (Johnny Depp) nach fast 200 Jahren seinen Sarg verlässt, erlebt er einen echten Kulturschock: Im Jahre 1776 in einen Sarg eingesperrt, kommen ihm die frühen 70er-Jahre des 20. Jahrhunderts doch reichlich fremd und obskur vor. Die Zeit von Glam-Rock, Plateauschuhen und ausgehender Hippie-Ära ist ihm so fremd wie seine letzten Nachkommen, die er auf seinem alten Anwesen antrifft. Die Frau jedoch, die mittlerweile über die Stadt herrscht, kommt Collins reichlich bekannt vor: Es ist die ebenso verführerische wie bösartige Hexe Angelique Bouchard, die aus Eifersucht einst seine große Liebe in den Selbstmord trieb und ihn in einen Vampir verwandelte. Eine doppelte Herausforderung für den reichlich verwirren Barnabas: er muss das Vertrauen seiner verrückten Sippe gewinnen und den Verführungskünsten der fiesen Angelique widerstehen, die ihn immer noch ganz für sich haben will.

Auf herrlich skurrile Art lässt Burton den 200 Jahre lang vergrabenen Vampir Barnabas Collins im Jahre 1972 auf seine verschrobenen Nachfahren treffen, die so rein gar nichts mehr gemein haben mit der früheren Familie des Vampirs. Da ist zum einen das gestrenge Familienoberhaupt Elizabeth Collins Stoddard (Michelle Pfeiffer), die – reichlich überfordert und verbittert – mit letzter Kraft versucht, das alte Familienanwesen vor dem Verfall zu bewahren und die Familie zusammenzuhalten. Oder ihr nichtsnutziger Bruder Roger (Jonny Lee Miller), der die Erziehung seines zehnjährigen Sohnes David längst aufgegeben hat, seitdem dieser den Geist der vor Jahren verstorbenen Mutter sieht. Um ihn von seinen Visionen zu befreien, hat die Familie die trinkfeste, schrille Psychiaterin Dr. Julia Hoffman (Burton-Frau Helena Bonham Carter) engagiert, die sich schon bald mehr für Barnabas Blut als die Heilung von David interessiert. Nicht zu vergessen die aufmüpfige, rebellische Teenie-Tochter Carolyn (Chloe Grace Moretz), die Barnabas mit Tipps zur Fraueneroberung versorgt und ihn mit der Musik von Schock-Rocker Alice Cooper vertraut macht.

Es ist die schrullige Familie, die mit ihren unterschiedlichen Akteuren und deren individuellen Wesenszügen und Eigenarten, einen großen Reiz des Films ausmacht. Die Sippe erinnert nicht zufällig an Familien wie die „Die Monsters“ oder „Die Addams Family“ (ebenfalls Lieblingsserien von Burton), deren Mitglieder alle eines verbindet: ihre abnormen Verhaltensweisen, die für etliche amüsante und komische Momente sorgen. So auch in „Dark Shadows“. Dabei schart Burton eine ganze Reihe hochkarätiger Darsteller um sich: von Michelle Pfeiffer und Helena Bonham Carter über Christopher Lee (in einer kleinen Nebenrolle als Fischer) und Chloe Grace Moretz (bekannt aus „Hugo Cabret“) bis hin zu Eva Green, die sich als sinnlich-verführerische, exzentrische Hexe Angelique Bouchard ordentlich austoben darf und sich dabei als Idealbesetzung erweist. Im Mittelpunkt steht freilich Johnny Depp als sympathischer, liebenswürdiger Vampir, der sich mit den Gepflogenheiten der 70er-Jahre erst vertraut machen muss. Hier nutzt der Film das große Potential, dass ihm die Vorlage bietet: wenn Vampir Barnabas allmählich die frühen 70er-Jahre in all ihren Facetten (Musik, Happenings, Fast-Food-Ketten etc.) kennenlernt, so sorgt dies für viele originelle und heitere Momente, die in ihrer Gesamtheit bei weitem nicht so seicht und abgedroschen daherkommen, wie der Trailer befürchten ließ.

Optisch überzeugt „Dark Shadows“ durch seine finstere, dämmrige Bildsprache die auch dann nichts von ihrem Gothic-Touch verliert, wenn die 70-Jahre mit ihrem Glitzer, Glanz und ihrer Farbenpracht visuell Einzug halten. Die Farben passen sich den düsteren Bildern dabei stets an, sind nicht zu aufdringlich und so zieht durch den gesamten Film konsequent eine Symbiose aus Burton-typischer Horror-Optik und (dezent gehaltenem) buntem 70er-Jahre-Look. Diese Verbindung funktioniert ausgezeichnet und macht „Dark Shadows“ auch visuell reizvoll. Burton konzipierte eine liebevolle, detailreiche 70er-Jahre-Welt, die der Zuschauer aus der Sicht des entwurzelten Vampirs aus dem 18. Jahrhundert erleben und erkunden darf. Gelungen ist auch die musikalische Untermalung des Films, die mit ausgewählten Songs und Künstlern (Alice Cooper, T-Rex, Barry White etc.) den damaligen Zeitgeist und das Lebensgefühl überzeugend einfängt. Am Ende zündet Burton dann sogar ein effektreiches Action-Feuerwerk, wenn es auf dem Anwesen der Familie zum finalen Showdown zwischen Barnabas und Angelique kommt und dabei Erinnerungen an „Der Tod steht ihr gut“ von Robert Zemeckis und Danny de Vitos „Der Rosenkrieg“ wach werden. Alles in allem ist es erfreulich, dass Burton mit „Dark Shadows“ – vor allem visuell – wieder zu seinen filmischen Anfängen zurückkehrt, nachdem sein knallbuntes, überdrehtes Effekte-Spektakel „Alice im Wunderland“ 2010 nicht voll überzeugte.

Fazit: Mit „Dark Shadows“ gelingt Tim Burton eine schrille, amüsante Horror-Komödie, die durch ihre verschrobenen Charaktere und die gelungene Mischung aus psychedelischer 70er-Jahre- und düsterer Horror-Optik besticht.





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