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Liberace - Zuviel des Guten ist wundervoll
Liberace - Zuviel des Guten ist wundervoll
© DCM GmbH

Kritik: Liberace - Zuviel des Guten ist wundervoll (2012)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

„Liberace – Zuviel des Guten ist wundervoll“ ist angeblich der letzte Film von Steven Soderbergh. Nach eigener Aussage hat er von Hollywood-Studios kein Geld für Produktion bekommen, da sie „zu schwul“ sei. Deshalb ist er beim Bezahlsender HBO gelandet, der den Film finanzierte. Doch glücklicherweise ließ sich das Filmfestival von Cannes nicht davon abhalten, den Fernsehfilm zu zeigen – und nun bekommt er hierzulande auch eine Kinoauswertung.
„Liberace – Zuviel des Guten ist wundervoll“ ist kein Biopic über das schillernde Leben des Entertainers. Stattdessen konzentriert sich Steven Soderbergh in seinem Film auf die Beziehung zwischen dem alternden Liberace (Michael Douglas) und den naiven Scott Thorson (Matt Damon). Sie lernten sich durch einen Bekannten 1977 kennen und schon bald war Scott für Liberace Sohn, Liebhaber, Assistent und Bühnenpartner. Doch Egozentrik und Drogensucht zerstörten diese Beziehung. Soderberghs Film hätte an vielem scheitern können: Liberace liebte den Prunk und Kitsch, außerdem erfüllt er aus heutiger Sicht nahezu sämtliche Homosexuellen-Klischees. Der Film hätte exploitativ und seine Figuren zu Karikaturen werden können – und anfangs scheint er sich in diese Richtung zu entwickeln. Genüsslich inszeniert Soderbergh die prunkvollen Auftritte und das luxuriöse Anwesen Liberaces. Hier ist „Liberace“ vor allem ein Ausstattungsfilm, der aber zudem auf das Leben eines homosexuellen Entertainers verweist, der gnadenlos und erfolgreich jeden verklagt, der ihn als schwul bezeichnet. Mit zunehmender Laufzeit entwickelt sich „Liberace“ dann zu einem tiefgründigen Drama, das die Abhängigkeiten zweier Männer auslotet. Der naive Scott (Matt Damon) kommt vom Land, ist bei Pflegeeltern aufgewachsen und sucht nach Liebe und Beständigkeit. Liberace (Michael Douglas) ist ebenso exzentrisch wie einsam und sucht nach Bestätigung und Zuneigung. Sie wollen beide die Familie haben, die sie nicht hatten. Aber von der ersten Szene an wird deutlich, wer in dieser Beziehung das Sagen hat: Für seine Großzügigkeit fordert Liberace bedingungslose Hingabe, die sich unter anderem darin äußert, dass seine Liebhaber ihm ähnlich sehen sollen. Anfangs ist Scott von diesem Leben beeindruckt, sieht in Liberace vielleicht auch den Vater, den er nicht hatte, hofft auf ebenso bedingungslose Liebe. Doch nach den ersten glücklichen Jahren überlagern Liberaces Besitzansprüche und seine zunehmende Langeweile ihre Beziehung. Sie führen zu Streit, Schönheitsoperationen und Sucht. Abermals zeigt sich Michael Douglas bemerkenswert uneitel und spielt Liberace in schrillen Outfits und mit pompösen Accessoires, aber auch halbnackt. Fügt sich Matt Damon anfangs ganz in die Hierarchie der Rollen, rückt er mit zunehmender Dramatisierung des Tons in den Vordergrund. Daneben kann sich auch die übrige Besetzung sehen lassen, insbesondere Rob Lowe hat als grotesk gelifteter Schönheitschirurg hat einen wahnwitzigen Auftritt.
Insgesamt wäre „Liberace – Zuviel des Guten ist wundervoll“ ein guter Abschluss für die Filmkarriere von Steven Soderbergh, die einst mit „Sex, Lügen und Videotape“ begann. Auch in diesem Film geht es vor allem um Sex und Lügen – und um deren Inszenierung. Fazit: "Liberace – Zuviel des Guten ist wundervoll" ist ein sehenswerter Film über Abhängigkeiten, Liebe und Einsamkeit.





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