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Feuchtgebiete
Feuchtgebiete
© Majestic Filmverleih GmbH

Kritik: Feuchtgebiete (2013)


Der, wie gerne immer wieder behauptet, zu weiten Teilen autobiografisch inspirierte Roman "Feuchtgebiete", der aus TV und Medien nicht unbekannten Charlotte Roche, war, nachdem er im Februar 2008 in den Buchhandel gelangte, schnell in aller Munde. Der provokante Inhalt, die kritische Rezeption und der vermeintlich offen gelebte Tabubruch, der in zahlreichen Talkshows, auch von der Autorin selbst, marketingträchtig in ewiger Litanei thematisiert wurde, feuerte den Hype zusätzlich an. Nun gelangt die Geschichte um die 18-jährige Helen Memel, die der Autorin nachempfunden sein soll, in die Kinos.

Appetitlich ist das nicht. Dieses absonderliche Mädchen mit dem seltsamen Verhältnis zur Reinlichkeit, dass mit ihrer Vagina gerne die Klobrillen öffentlicher Toiletten sauberwischt; sich zudem nicht allzu gerne wäscht und darauf abzielt, aus dem Intimbereich das Aroma von Harzer Käse zu verbreiten (schließlich sei dieser Geruch ein sexueller Lockstoff, sagt sie); es überdies nicht lassen kann, sich diverse Körperausscheidungen und Granulate zur experimentellen Verköstigung in den Mund zu schieben, soll eine Sympathie- oder gar Identifikationsfigur sein? Wenn das tatsächlich dem Feminismus zuträglich ist, möchte man gar nicht wissen, was der Sache der Frau nicht dient.

Für Charlotte Roche ist das in Buch und Film Beschriebene alles ganz natürlich; und die Tendenz der Frauen, sich überall zu rasieren, epilieren, waschen, cremen, frisieren und was-auch-immer-sonst, sei patriarchalen Wunschvorstellungen und kulturellen Diktaten entsprungen, denen die Damen bis heute nachgeben und unterliegen. Somit wäre "Feuchtgebiete" geradezu eine progressive Streitschrift, eine Revolution und ein Kampf für das Recht der Frau, zu stinken, wie es ihr gefällt. Nüchtern betrachtet lässt sich mit diesen ebenso haltlosen wie widerwärtigen Fantastereien aber nicht viel mehr als auf die mediale Pauke hauen und massenwirksam Tohuwabohu veranstalten, damit jedoch immerhin reichlich Geld verdienen - und das stinkt bekanntermaßen nicht.

Angemerkt sei allerdings, dass in der Menschheitsgeschichte jene Völker bereits in der Antike einen hohen zivilisatorischen Stand erreichten, in denen Badekultur, Hygiene und einhergehend die ärztliche Kunst einen großen Stellenwert besaßen, wie Mykener, Griechen, Römer und Mauren, um nur einige aufzulisten. Es scheint also geradezu widersinnig, die Lebensmaxime der Protagonistin zu übernehmen. Insbesondere in Anbetracht dessen, dass Roche in TV-Auftritten immer wieder durchklingen ließ, dass es ihr vor allem um die Provokation ging und sie selbst nicht unbedingt der Buch- oder Filmfigur nacheifert.

Bleibt die Frage nach dem Unterhaltungswert eines Films, der sich darauf reduzieren lässt, dass er unverdrossen von einer Ekeleinlage zur nächsten schreitet um dabei vermeintlich Tabus zu brechen. Eine Frage, deren Beantwortung wohl einzig und allein abhängig ist von der ganz persönlichen Ekelschwelle.

Fazit: Jenen Menschen, die sich leicht ekeln oder denen schnell übel wird, sei tunlichst angeraten, "Feuchtgebiete" zu meiden. Und selbst jene wirklich Hartgesottenen, die in dem ganzen Schmutz und Schmodder noch Ironie zu erkennen meinen, sollten sich zweimal überlegen, ob es wirklich lohnt, ehrlich verdientes Geld zu Grabe zu tragen.





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