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Filmische Tabubrecher

Von "Trainspotting" bis "Feuchtgebiete" - Kontroverse Filme, die mutig Tabus gebrochen haben

Wie heute bekannt gegeben wurde, wird die Verfilmung des Skandalbestsellers "Feuchtgebiete" seine Festivalpremiere am 11. August im Wettbewerb des 66. Festival del film Locarno feiern. Neben Hauptdarstellerin Carla Juri, Regisseur David Wnendt und Produzent Peter Rommel, wird auch die Romanautorin Charlotte Roche in Locarno anwesend sein.

Das Festival del film Locarno ist eines der ältesten Filmfestivals der Welt und steht als A-Festival in einer Reihe mit den Filmfestspielen von Cannes, Venedig oder Berlin. Seit seiner Gründung 1946 wurden wichtige Regisseure wie Roberto Rossellini, Michelangelo Antonioni, Stanley Kubrick, Jim Jarmusch oder Mike Leigh mit dem Goldenen Leoparden, dem Hauptpreis für den Besten Film, ausgezeichnet.

Feuchtgebiete, der radikal ehrliche Film über Hämorrhoiden, Körperhygiene und Sex, wird sicher nicht nur das Publikum in Locarno in Atem halten! Grund genug, einen Blick auf einige kontroverse Filme zu werfen, die mutig Tabus gebrochen haben...

Der letzte Tango in Paris (1972): Sexuelle Ekstase zwischen Fremden
Selbstbefriedigung und Analsex auf der großen Leinwand – manchmal denkt man, die siebziger Jahre waren im Kino freizügiger als es heute der Fall ist! Bernardo Bertoluccis erotisches Liebes- und Lebensdrama Der letzte Tango in Paris trat seinerzeit eine Woge des blanken Entsetzens los. Die Protagonisten Paul (Marlon Brando) und Jeanne (Maria Schneider) treffen sich zufällig bei einer Wohnungsbesichtigung und beginnen – ohne einander zu kennen – direkt eine heftige Affäre. Aus Bertoluccis erotischem Programm entwickelte sich ein handfester Skandal, der den Regisseur für zwei Monate ins Gefängnis brachte und der Filmwelt einen Tabustreifen bescherte, der heute zu den großen Klassikern zählt.



Trainspotting - Neue Helden (1996): Drogenexzesse, Tabuverlust und moralische Verrohung
In Trainspotting – Neue Helden versucht der arbeitslose Renton (Ewan McGregor) inmitten seiner drogenabhängigen Clique das Leben in den Griff zu kriegen. Drogenexzesse, Pöbeleien und die unüberwindbare Kluft zur „normalen Gesellschaft“: Trainspotting beschreibt den knallharten Alltag von Drogenabhängigen in seiner ganzen Hässlichkeit. Regisseur Danny Boyle scheute sich dabei auch nicht bis weit über die Ekelgrenzen der Zuschauer zu gehen – wie in der legendär gewordenen Toilettenszene.



Lolita (1997): Erwähne nie Pädophilie!
Vladimir Nabokovs vieldiskutierter Roman Lolita erzählt von einer viel zu jungen Verführerin, die ihrem Stiefvater den Kopf verdreht. Schließlich erliegt er ihren kindlichen Reizen und die beiden beginnen eine Affäre. Für die Realität eine absolute Undenkbarkeit – was sich auch für die beiden Leinwand-Adaptionen der literarischen Vorlage als Problem erwies: Kubrick musste bei seiner Lolita aufgrund des brisanten Themas einige Änderungen zur Vorlage vornehmen (z.B. das Alter von Lolita). Und auch Adrian Lyne hatte mit der originaltreueren Version von 1997 enorme Probleme, einen Verleih für die Veröffentlichung zu finden.



Secretary (2002): Über Sadomasochismus am Arbeitsplatz
Die schwarze Komödie Secretary handelt von einem Thema, das man nicht gerade in der Mittagspause beredet: Sadomasochimus. Sekretärin Lee (Maggie Gyllenhall) leidet an enormen Minderwertigkeitskomplexen und verletzt sich selbst – bis ihr zwangsneurotischer Chef Edward Grey (James Spader) diese körperlichen Bestrafungen in die Hand nimmt. Die sexuellen Abenteuer helfen den beiden, mit ihren Handicaps zu leben. SM für den Seelenfrieden – SECRETARY zeigt, dass sexuelle Vorlieben so vielfältig sind, wie der Mensch…



Brokeback Mountain (2005): Wo sich die schwulen Cowboys treffen
Cowboy – Der Inbegriff amerikanischer Männlichkeit. Wer wagt es, dieses heldenhafte Bild zu brechen? Regisseur Ang Lee hat es in Brokeback Mountain getan. Bei seinen beiden Cowboys versteckt sich hinter der herben Männlichkeit ein tragisches Liebespaar. Undenkbar für die konservative Landbevölkerung in den USA der sechziger Jahre! Und selbst 2005 sorgte der Film in den USA noch für einige Empörung. Der legendäre „American Way of Life“ als homosexuelle Liebesgeschichte? (Cowboy-)Hut ab!



Feuchtgebiete (22.08.2013): Hygiene ganz klein und Fetisch ganz groß
Feuchtgebiete – kaum ein anderer deutscher Roman wurde so leidenschaftlich verehrt und so abgrundtief verrissen. Ich-Erzählerin Helen Memel beschreibt darin Dinge, welche andere nicht einmal zu denken wagen. So berichtet sie fröhlich von abenteuerlichen Intimrasuren, verteilt Blut und Exkremente und erklärt ungewöhnliche Sexvorlieben. Und das mit Erfolg: Das Buch verkaufte sich alleine in Deutschland über 2.5 Mio. mal und regte eine lebhafte Diskussion über Körperhygiene und missverstandene Schönheitsdiktate an. Und Carla Juri zeigt im Film mit der Verkörperung der Helen Memel, dass sich hinter aller Provokation die große Sehnsucht nach aufrichtiger Liebe und Geborgenheit verbirgt. Eins ist zumindest jetzt schon klar: Dieser Sommer wird feucht!




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