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Cars 2
Cars 2
© Walt Disney Studios Motion Pictures Germany

Kritik: Cars 2 (2011)


Filmkritik Cars 2 Nicht erst seit gestern weiß man, dass lebendig gewordene Autos, die mit ihren Herrchen durch dick und dünn gehen, zu den Lieblingsphantasien von (großen) Jungs zählen. Ob nun "Dudu das Wunderauto", "Herbie, der irre Käfer" oder "K.I.T.T., der sprechende Hitech-Computer auf vier Rädern", für Männer sind sie ihr fleischgewordener Wunschtraum. Wenn schon ihre Frauen sie nicht verstehen, gibt es doch somit Hoffnung eines Tages mit dem Auto auf Augenhöhe kommunizieren zu können. Etwas Ähnliches mag auch der bekennende Autonarr John Lasseter, der Begründer des Erfolgs der Animationsschmiede Pixar, im Sinn gehabt haben, als er nach grandiosen Filmen wie "Toy Story", "Die Unglaublichen" oder "Oben", mit "Cars" etwas kreierte, was nicht so recht in das übliche Konzept passen wollte: Eine Welt in der die Autos komplett vermenschlicht sind und in der Menschen vollständig fehlen. Sozusagen eine automobile Fabel.
Aktuell gelangt die Fortsetzung in die Kinos, was bei der im Vergleich zu den anderen Kassenschlagern eher verhaltenen Resonanz des ersten Teils ein wenig verwundern mag. Allerdings lies das weltweite Merchandise von "Cars" den Rubel derart kräftig rollen, dass es aus ökonomischer Sicht keinen Grund gibt, nicht die Fortsetzung anzugehen.
Nach einer Bond-mäßigen Kapriole beginnt der Film recht beschaulich. Das (selbsternannte) schnellste Auto der Welt und Protagonist von "Cars 2", Lightning McQueen, ist gerade von einer anstrengenden Rennserie in seinen Heimatort Radiator Springs zurückgekehrt und möchte nichts lieber als endlich mal etwas ausspannen. Doch sein ebenso übereifriger wie einfältiger Freund, der in die Jahre gekommene Abschleppwagen Hook, meldet ihn gleich wieder für den World Grand Prix an. Also auf zu Rennstrecken rund um die Welt.
Ausrichter des Spektakels ist der britische Öl-Tycoon Miles Axlerod, früher ein Umweltsünder par excellence, inzwischen aber durch ein tragisches Erlebnis vom Saulus zum Paulus mutiert, nutzt er den Grand Prix um seinen ökologischen Super-Treibstoff Allinol als das Nonplusultra unter allen Motormanas zu verkaufen. Lange geht das allerdings nicht gut, und schon während des ersten Laufes auf der Rennstrecke in Japan beginnen die Motoren vieler Teilnehmer zu streiken. Alles deutet auf einen böswilligen Sabotageakt hin.
Nun, gleich als Zelluloidsabotage oder Beutelschneiderei braucht man "Cars 2" nicht anzusehen. Etwas unausgegoren mutet das Ganze aber dennoch an: Der Plot ist holprig, die Dialoge furchtbar quasselig und der Charme erinnert an eine Mixtur aus klassischen Spionagefilmen und einer durchgesofteten Version eines beliebigen "Fast and Furious"-Kapitels. Der Hauch eines Bondflairs wirkt sich für das erwachsene Begleitpublikum zwar eigentlich positiv aus, die lieben Kleinen haben von den Reminiszenzen an diese Epoche aber rein gar nichts. Die konzentrieren sich viel lieber auf die Action und Slapstickeinlagen, derer es zumindest reichlich gibt. Ebenso wie simpel gestrickte, positivistische Buddy-Botschaften. Ob diese die Kinder erreichen und pädagogisch etwas bewirken, sei dahingestellt; leichtfüßiger macht diese fortwährende Kumpelei und das Getue drumherum den Film aber nicht. Es ist zudem zwar nett gemeint und für die Macher sicherlich ökonomisch sinnvoll, wenn man versucht die ganze Familie – von Jung bis Alt – ins Kino zu bekommen und zufrieden gestellt, wieder nach Hause zu entlassen, doch muss das Entertainment wohl noch erfunden werden, das dies wirklich zu leisten vermag. Diesmal gibt Pixar mit seinem Spagat jedenfalls keine besonders gute Figur ab.
Fazit: Turbulent und oberflächlich spaßig, bietet "Cars 2" genug Potenzial, um ein jüngeres Publikum zu unterhalten. Älteren Filmfreunden werden einige Bröckchen von "Im Geheimdienst ihrer Majestät" serviert, doch zu wenig, um sich davon über Wasser zu halten. Zudem droht das Dauergeplapper der Boliden einem den letzten Nerv zu rauben. Wenn also ein Kinogang, dann nur den Kleinen zuliebe.




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