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Kritik: Passengers (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Nachdem der norwegische Regisseur Morten Tyldum mit "The Imitation Game" (2014) seine erste englischsprachige Arbeit vorlegte, präsentiert er nun mit "Passengers" eine große Hollywood-Produktion mit Star-Besetzung. Der Trailer des Werks lässt ein Science-Fiction-Abenteuer mit romantischen Elementen und der Enthüllung eines Geheimnisses vermuten – als Zuschauer_in wird man allerdings sehr schnell feststellen, dass die Vermarktung des Films in Bezug auf dessen Dramaturgie äußerst irreführend ist. So heißt es auf dem Werbeplakat zwar clever anteasernd "Es gibt einen Grund, warum sie aufgewacht sind"; in dem Werk selbst geht es jedoch nicht darum, hinter diesen Grund zu kommen, da das Publikum (im Gegensatz zu einer der beiden Hauptfiguren) stets eingeweiht ist.

Jon Spaihts, der etwa schon an den Skripts von "Prometheus" und "Doctor Strange" mitgeschrieben hat, erzählt in seinem Drehbuch die Geschichte einer ethisch höchst fragwürdigen Entscheidung, die mit weitreichenden Konsequenzen verbunden ist. Er weigert sich aber, sich angemessen mit den damit einhergehenden Problemen (zum Beispiel hinsichtlich der Geschlechterrollen) zu befassen. Stattdessen lassen Spaihts und Tyldum die Handlung in ein konventionelles, wenig mitreißendes Action-Szenario münden. Was als tragische, teilweise auch recht witzige One-Man-Show im Stil von "Der Marsianer – Rettet Mark Watney" (2015) beginnt, wandelt sich in einen Liebesfilm in schickem Weltall-Setting und schließlich in ein Katastrophen-Drama, das an James Camerons "Titanic" (1997) erinnert. Während der erste Abschnitt – nicht zuletzt dank Michael Sheen in einer Sidekick-Rolle als Androide – durchaus funktioniert, haben der Liebesplot und die Art und Weise, wie dieser umgesetzt wird, einen deutlich zu bitteren Beigeschmack, um überzeugen zu können. Zwischen Chris Pratt und Jennifer Lawrence mag die Chemie stimmen; gleichwohl können die beiden gegen das hanebüchene Drehbuch nur bedingt anspielen. Die Romantik wirkt falsch; die Heldentaten, Rettungsaktionen und Wiedergutmachungsversuche im letzten Akt pendeln indes zwischen Abgedroschenheit und unfreiwilliger Komik. Die im Laufe des Geschehens eingestreuten Hinweise auf soziale Unterschiede unter den Passagier_innen gehen leider zu wenig in die Tiefe, um reizvoll zu sein.

Was neben dem zweifellos engagierten Duo in den Hauptparts bleibt, ist die eindrückliche Optik von "Passengers". Das rotierende Raumschiff ist sowohl von außen als auch von innen interessant gestaltet; die Bar, die an Stanley Kubricks "Shining" (1980) denken lässt, ist ein stilvoller Schauplatz für Dialogszenen. Ebenso werden die Ausflüge in Raumanzügen gekonnt visualisiert. Zu den Höhepunkten zählt eine Passage, in welcher die Schwerkraft vorübergehend ausfällt, während sich die von Lawrence verkörperte Aurora gerade im schiffseigenen Schwimmbad aufhält – was zu einem kurzen, aber intensiven Überlebenskampf führt.

Fazit: Ein visuell ansprechender Mix aus passabler Einsamkeitsstudie, problematisch konstruiertem Liebesdrama und durchschnittlichem Weltall-Katastrophenfilm, dessen Vermarktung einen völlig falschen Eindruck erweckt.




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