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Bauernopfer - Spiel der Könige
Bauernopfer - Spiel der Könige
© Studiocanal

Kritik: Bauernopfer - Spiel der Könige (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der Amerikaner Bobby Fischer war erst 29 Jahre alt, als er 1972 der erste Schachweltmeister seines Landes wurde. Sein Sieg gegen den Russen Boris Spassky machte ihn mitten im Kalten Krieg zum Helden der Nation, der einen regelrechten Schachspiel-Boom in der Gesellschaft auslöste. Dabei sorgte Fischer stets auch als Enfant terrible für Aufregung, indem er zu Spielen entweder nicht erschien oder seine Teilnahme von der Erfüllung zahlreicher Forderungen abhängig machte. Regisseur Edward Zwick setzt dem Schachgenie nun ein spätes, aber würdiges filmisches Denkmal. Fischers psychischer Niedergang nach 1972 wird nur am Schluss gestreift und dabei auch daran erinnert, dass Island ihm in seinen letzten Lebensjahren bis zu seinem Tod 2008 Asyl gewährte.

Zwicks Drama beginnt nicht von ungefähr in der Kindheit Fischers: Es zeigt, wie der emotional vernachlässigte Junge schon von klein auf Grund hat, einen Verfolgungswahn zu entwickeln. Die Mutter wird observiert und der Film legt zumindest nahe, dass auch Fischers späterer Vertrauter, der Anwalt Paul Marshall, mit der CIA oder Regierungskreisen in Verbindung steht. Als Fischer 1972 seinen Auftritt in Reykjavik beinahe platzen lässt, bekommt er einen Anruf von Henry Kissinger, damals Nationaler Sicherheitsberater. Ein Schachspiel zwischen einem Amerikaner und einem Russen ist im Kalten Krieg automatisch ein Politikum. Die nervliche Anspannung, die sich der beiden Finalisten der Weltmeisterschaft bemächtigt, ist sowieso ungeheuer: Fischer verlangt, dass das Spiel in einen Tischtennisraum verlegt wird, Spassky beginnt plötzlich, seinen Stuhl zu untersuchen, weil er Geräusche von sich gibt. Aber dann kommt diese Partie, in der sich die beiden von allem loslösen und ihren eigenen geistigen Tempel erschaffen. Maguire stellt Fischer besonders in diesen Minuten hervorragend dar, in denen sein Blick über allem ruht, wie im Bewusstsein einer ewigen Wahrheit. Liev Schreiber gibt Spassky die Souveränität eines weltgewandten Gentlemans, der nichts mehr bereut hätte, als sich mit diesem Gegner nicht messen zu dürfen.

Zwick verweist mit Flower-Power-Songs und mit Fernsehbildern auf die Ära der sechziger und siebziger Jahre. Diese historische Einbettung sorgt für eine schöne, nostalgische Färbung der Geschichte, die dennoch zu keiner Zeit in Verklärung oder Glättung mündet. Fischers psychische Zerbrechlichkeit, seine innere Einsamkeit bilden vielmehr das raue Zentrum der Handlung. Der Film lässt seinem Charakter das Geheimnisvolle und erweist ihm damit auch Respekt.

Fazit: Edward Zwicks bewegendes Drama vertieft sich in das Leben des amerikanischen Schachgenies Bobby Fischer bis zu dessen größtem Triumph, dem Weltmeisterschaftstitel 1972. Indem er den darauffolgenden Niedergang Fischers in nur wenigen Sätzen abhandelt, konzentriert sich der zuweilen vor Spannung knisternde Film darauf, das Jahrhunderttalent zu würdigen. Die Handlung ist stilvoll und zugleich aufwühlend in die vom Kalten Krieg geprägte Epoche eingebettet.




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