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Midnight in Paris - Hauptplakat
Midnight in Paris - Hauptplakat
© 2011 Concorde Filmverleih GmbH

Kritik: Midnight in Paris (2011)


„Das Vergangene ist nie tot, es ist nicht einmal vergangen“, hat William Faulkner einmal geschrieben. Und das Woody Allen ihn in seinem wunderbaren Film „Midnight in Paris“ zitiert, ist gewiss kein Zufall. Denn sein Protagonist, der Drehbuchautor Gil (Owen Wilson), träumt davon, im Paris der 1920er Jahre zu leben. Doch er befindet sich in der harschen Gegenwart, in der er mit seinem Job hadert und mit der dominanten Inez (Rachel McAdams) verlobt ist. Gemeinsam mit seinen zukünftigen Schwiegereltern, einem wohlhabenden, konservativem Ehepaar, das Gil nicht besonders gut leiden kann, besuchen sie Paris. Und so wie innerhalb dieser zukünftigen Familie Weltanschauungen aufeinander prallen, hegen sie auch die verschiedensten Vorurteile gegenüber Frankreich. Bei Inez und ihren Eltern überwiegt die heimliche Eifersucht auf die Kultur des „alten“ Europa und das Bestreben, die Modernität der USA herauszustellen. Gil verklärt Paris hingegen zur Metropole der Kunst und Literatur und hängt den romantischen Vorstellungen vom Regen im Paris nach, für die Woody Allen wunderbar-verklärende Bilder findet.

Leider ist Gil nicht sonderlich selbstbewusst, daher lässt er sich die Sticheleien von Inez, ihren Eltern und versnobten Freunden gefallen – und fungiert auf diese Weise als junges Alter Ego des Regisseurs Woody Allen. Auch wenn Owen Wilson ein wenig langsamer agiert als es Allen getan hätte, passt er in diese Rolle sehr gut hinein. Und mehr noch: Owen Wilson zeigt hier die wohl beste Leistung seiner bisherigen Karriere. Er ist nicht mehr nur der staunende, ewig-jugendliche Trottel, auch wenn der weitere Verlauf der Handlung ihn zunächst als solchen inszeniert. Denn als Gil eines Nachts allein durch die Straßen von Paris läuft, wird um Mitternacht plötzlich sein Traum wahr: Ein alter Peugeot hält vor ihm, die Insassen nötigen ihn zum Einsteigen und fahren mit ihm auf eine Party. Dort sitzt Cole Porter am Klavier, Gil begegnet Zelda und F. Scott Fitzgerald, die sich langweilen und mit ihm von Party zu Party ziehen. Er befindet sich nun mitten im Paris der 1920er Jahre und begegnet all seinen verehrten Pariser Exilanten: Allen voran Ernest Hemingway, aber auch Pablo Picasso, Salvardor Dali, Gertrude Stein, Man Ray und vielen mehr. Dabei besteht der besondere Witz von Woody Allens zauberhafter Komödie, dass diese Figuren allesamt dem Bild entsprechen, das Gil sich von ihnen gemacht hat. Ernest Hemingway trinkt und beschwört die klare Sprache, Salvador Dalí spricht ständig von einem „rhinozeros“ und F. Scott Fitzgerald ist seiner Frau verfallen. Authentizität spielt keine Rolle, denn in „Midnight in Paris“ geht es allein um Träume und Sehnsüchte. Dabei entsteht ein Großteil der Komik aus dem Aufeinanderprallen von Gils Vorstellungen und dem vermeintlich typische Verhalten mit den Begriffen und Wahrnehmungen von heute. So versteht sich Picassos aktuelle Geliebte Adriana (Marion Cotillard) als Muse – und nicht als „art groupie“. Adriana ist auch, die Gil am meisten fasziniert. Träumt sie doch ebenfalls davon, in der Vergangenheit zu leben, auch wenn es sich dabei in ihrem Fall um die belle epoque handelt. Durch Adriana wird aber auch deutlich, dass Gil mehr ist als ein träumender, leicht trotteliger Romantiker. Während Adriana ihrer Gegenwart einfach entfliehen will, sucht Gil den Rat seiner Idole, um seine Ziele in seiner Zeit zu erreichen. Sein Weg führt nach vorn – wenn auch über die Vergangenheit. Das macht seine Figur, auch dank der Darstellung von Owen Wilson, reifer.

Woody Allen ist ein Regisseur, der schon oft sein Gespür für Besetzungen bewiesen hat. In „Midnight in Paris“ sind es neben Owen Wilson vor allem Kathy Bates, die als Gertrude Stein glänzt, und Adrien Brody, der als Salvador Dalì sehr komisch ist. Sie passen gut in diesen nostalgischen Film, der weitaus weniger bissig als Allens frühere Komödien ist. Aber seine Liebeserklärung an Paris und die Sehnsucht ist einfach wunderbar anzusehen.

Fazit: „Midnight in Paris“ ist eine hinreißend nostalgische Komödie, nach der der Zuschauer beschwingt den Kinosaal verlässt.





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