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Looper - Hauptplakat
Looper - Hauptplakat
© Concorde

Kritik: Looper (2012)


Sich über die Glaubwürdigkeit von Utopien oder Technologien in SciFi-Streifen heiß zu reden, erscheint so sinnig, wie Kühlschränke zum Nordpool zu exportieren. Das Thema "Zeitreisen" lädt aber geradezu dazu ein, sich den Kopf über die Kausalität – die Verflechtung von Ursache und Wirkung, bis hin zu deren Umkehrung – zu zerbrechen. Nicht anders wird es dem Publikum auch in "Looper" ergehen, mit dem Bruce Willis nach "12 Monkeys" wieder ins Zeitreise-Genre zurückkehrt.

Die Zukunft, die in "Looper" gezeichnet wird, ist düster. Wirtschaftlich ist es mit der Welt bergab gegangen. Es braucht also nicht wundern, dass in der Zukunft als einzig harte Währungen Gold und Silber ihre Berechtigung behalten haben. Ein wenig erinnert der Film in seinem negativen Ausblick damit logischerweise auch an die Mutter aller Dystopien, Ridley Scotts "Blade Runner". "Looper" verzichtet jedoch auf die pompös-monumentale Schwere in Bild und Score, die "Blade Runner" unverwechselbar machen, was sich durchaus positiv auswirkt und dem Film Eigenständigkeit verleiht.

Für einen SciFi-Actioner weist "Looper" zudem eine überraschend komplexe wie verschachtelte Struktur auf, die ihn zuweilen allerdings auch ausbremst; insbesondere, da einiges mehrfach, aus verschiedenen Perspektiven heraus, erklärt wird, damit der Zuschauer die Kausalitätsverflechtungen besser nachzuvollziehen kann. Dennoch wirft die Handlung eine Menge Fragen auf und logisch will das alles nicht immer erscheinen. Es stellt sich beispielsweise die Frage, warum die einzige Verbindung aus der Zukunft in das Jahr 2044 führt? Warum hat das Syndikat keine Deals mit Auftragskiller aus dem Jahr 1944, wo es noch wesentlich leichter war, jemanden verschwinden zu lassen (damit wäre man auch dem Risiko missglückter Loops aus dem Weg gegangen). Glücklicherweise nimmt sich der Film aber genau in diesem Punkt nicht wirklich ernst, was in einem kultigen Dialog zwischen dem jüngeren und dem älteren Ich von Joe mündet. Kultverdächtig ist darüber hinaus auch Jeff Daniels Auftritt als Syndikatsboss, der die meiste Zeit über in bester Dude-Manier im Morgenmantel herumstolziert.

Trotz Spannung, Action, Abwechslung, einer cleveren Story und auch einer Portion Humor, gelingt es Regisseur Rian Johnson nicht, aus den Zutaten und Protagonisten ein hundertprozentig rundes Ganzes zu kreieren. Womöglich liegt es daran, dass er es nicht allein bei der Ausrichtung als intelligenter Actionfilm belassen wollte, sondern auch noch eine Romanze wie eine Dramakomponente hinzufügen wollte – und zuletzt sogar sich auch noch in Bereiche bewegte, die eher dem Superhelden-Genre zuzuordnen wären. Dies befördert einiges an Geradlinigkeit aus der Geschichte, die von einem etwas knackigeren Verlauf durchaus hätte profitieren können. Im Grunde stellt dies aber Jammern auf einem vergleichsweise hohem Niveau dar, und "Looper" gehört sicherlich zu den Filmen, die den Gang ins Kino durchaus rechtfertigen.

Fazit: Endlich mal wieder ein cleverer SciFi-Streifen, der zum Mitdenken anregt, ohne es bewusst auf die Spitze zu treiben. Zum Kultfilm langt es dennoch oder aber gerade deswegen nicht. Was bleibt ist vermutlich der beste Mainstreamfilm im bisherigen Kinojahr 2012.




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