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Gravity - Teaserplakat
Gravity - Teaserplakat
© Warner Bros.

Kritik: Gravity (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Es gibt selten Filme, die einen von der ersten bis zur letzten Minute gefangen nehmen und komplett in ihre Welt ziehen. Doch "Gravity" ist ein solcher Film.

Im Grunde genommen erzählt Regisseur Alfonso Cuarón, der mit seinem Sohn Jonás Cuarón auch das Drehbuch geschrieben hat, eine einfache Geschichte: Die medizinische Ingenieurin Dr. Ryan Stone (Sandra Bullock) ist auf ihrer ersten Weltraum-Mission und soll ein Scanner-System am Weltraumteleskop Hubble installieren. Begleitet wird sie von dem erfahrenen Astronauten Matt Kowalski (George Clooney), der bei seinem letzten Trip unbedingt noch den Freiflug-Weltrekord aufstellen will. Doch dann verursacht ein Satellit auf der anderen Seite der Erde eine Kollision und löst eine verhängnisvolle Kettenreaktion aus, durch die Schrottteile auf das Shuttle zurasen – und es zerstören. Ihre Kollegen werden getötet, Ryan und Matt bleiben ohne Kontakt zur Basisstation und Aussicht auf Rettung alleine im Weltall. Sie müssen nun entweder einen Weg zur Erde finden – oder darauf warten, dass sie sterben.

Es ist weniger die Geschichte als vielmehr die Erzählweise, die an "Gravity" begeistert. Viereinhalb Jahre hat Alfonso Cuarón an seinem Film gearbeitet – und jede einzelne Minute hat sich gelohnt: Es sind atemberaubende Bilder zu sehen, das 3D ist meisterhaft umgesetzt, Kamera, Ton, Schnitt und Musik passen perfekt zueinander. Allein die 15-minütige Eröffnungssequenz, in der Cuarón fast vollständig ohne sichtbare Schnitte auskommt, zieht in den Bann und lässt sofort eine hohe Intensität entstehen. Man ist mit den Astronauten im Weltraum verloren, teilt ihre Orientierungslosigkeit und fast ihre Schwerelosigkeit. Dazu trägt auch bei, dass Cuarón auf Außengeräusche verzichtet und damit die absolute Stille des Weltalls in den Kinosaal transportiert. Neben diesen stillen Sequenzen, die beängstigender sind als jeder Lärm, gibt es den dröhnenden Sound von Steven Price, die einen sehr guten Kontrast bilden.

Konsequent behält Cuarón 90 Minuten die Spannung bei und findet Bilder, die atemberaubend schön und voller Symbolik sind. Wenn sich beispielsweise Ryan in ein russisches Raumschiff flüchtet, ist sie vor einem kreisrunden Fenster zu sehen und begibt sich in der Schwerelosigkeit in Embryonalstellung. Diese Bild ist nicht nur eine Referenz an "2001 – Odyssee im Weltraum", es verweist zudem auf Ryans tiefe innere Sehnsucht nach Geborgenheit und Schutz. Dabei gelingt es Sandra Bullock, endlich eine andere Facette zu zeigen, und die Hoffnungslosigkeit, Traurigkeit und Angst der spröden Ryan spürbar werden zu lassen. Verzweifelt sucht sie nach Halt – im übertragenen Sinne in ihrem Leben auf der Erde, konkret im Weltall. Aber die wenigen Dinge, die ihr im Weltall zur Verfügung stehen, erweisen sich zumeist als Schrott und haltlos. Dagegen ist der von George Clooney gespielte Matt ein Cowboy im Weltall, der stets eine Anekdote erzählen kann – und Flirt sowie Fürsorge allein durch seine Stimme erkennen lässt.

Leider flüchtet der Film zunehmend in die Allegorie der Wiedergeburt, die sich am Ende als etwas zu einfach erweist. Aber das ist nur ein kleiner Kritikpunkt an einem Film, der ein atemberaubendes visuelles Meisterwerk ist.

Fazit: Selten gibt es Filme, in deren Welt man von Anfang bis Ende eintauchen kann. "Gravity" ist ein spannendes Kammerspiel und bewegendes Drama im Weltall.





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