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Kritik: Oh Boy! (2010)


"Oh Boy" ist das beeindruckende Spielfilm-Debüt des Regisseurs Jan Ole Gerster, der auch das Drehbuch verfasst hat. In außergewöhnlicher schwarz-weiß Optik porträtiert "Oh Boy" einen orientierungslosen jungen Mann und das Lebensgefühl, in einer pulsierenden Großstadt wie Berlin zu leben. Der Film feierte in diesem Jahr beim Filmfestival von Karlovy Vary Weltpremiere und wurde von Publikum und Kritik begeistert aufgenommen. Ebenso euphorisch reagierte man, als "Oh Boy" beim diesjährigen Filmfest München präsentiert und Jan Ole Gerster schließlich mit dem Förderpreis Neues Deutsches Kino für das beste Drehbuch ausgezeichnet wurde. Gerster ist kein Neuling in der Filmbranche. Er war eine Zeit lang der persönliche Assistent von Erfolgs-Regisseur Wolfgang Becker ("Das Leben ist eine Baustelle") und koordinierte die Dreharbeiten und die Produktion des Erfolgsfilms "Good-bye Lenin". Die brillante Optik, eine starke Darsteller-Riege und die gekonnte Verbindung von Melancholie und schwarzem Humor machen "Oh Boy" wohl zu einem der besten deutschen Filme der jüngeren Vergangenheit.

"Oh Boy" erzählt die Geschichte eines ziel- und planlosen Herumtreibers, der fröhlich in den Tag hinein lebt und sich keine Gedanken über die Zukunft macht. Was zählt ist der Moment, der Augenblick. Regisseur Gerster heftet sich Tagträumer Niko an die Fersen und zeigt ihn dabei, wie er durch den Tag schlurft. Auch wenn Gerster immer wieder betonte, dass es sich bei "Oh Boy" nicht um einen klassischen Berlin-Film handelt, so ist das Werk aber auch als Hommage an die Stadt und seine Großstadt-Cowboys zu verstehen. Im Film sieht man aber glücklicherweise weder das Brandenburger Tor noch andere altbekannte Touristen-Attraktionen, sondern heruntergekommen Kneipen, gemütliche Theater und dreckige Hinterhöfe. Es ist nicht das klassische, hinlänglich bekannte Berlin-Bild, das der Film vermittelt. Vielmehr erscheint die Hauptstadt als geheimnisvoller Ort voller skurriler Typen und sonderbarer Bewohner. Und mittendrin Niko, der ab dem Zeitpunkt der Trennung seiner Freundin, von einem Unglück ins Nächste stolpert. Tom Schilling liefert mit seiner nuancenreichen, auf Gestik und Mimik ausgelegten Darstellung der verträumten Hauptfigur dabei eine der stärksten Leistungen seiner Karriere. Neben Schilling sind z.B. Ulrich Noethen, Justus von Dohnányi oder auch Michael Gwisdek in weiteren Rollen zu sehen.

Die Entscheidung von Gerster, seinen Film in Schwarz-Weiß zu drehen, war eine gute und sinnvolle. Die eindringliche Schwarz-Weiß-Ästhetik verleiht dem Film eine schwere und bedrückende Stimmung und steht im krassen Gegensatz zu dem sorgenlosen Leben und dem locker-leichten Lebensstil des Drifters Niko. Daneben überzeugen vor allem die mit lakonischem Humor und subversivem Witz angereicherten Dialoge, die durchaus das ein oder andere Mal an Woody Allen und seine besten Momente ("Der Stadtneurotiker") denken lassen. "Oh Boy" ist erfrischend und erfrischend anders, da er ein Berlin zeigt, wie man es im Film nur selten zu sehen bekommt und mit dem schwermütigen Flaneur Niko eine Hauptfigur zu bieten hat, die einem dank ihres schwarzen Humors und der klugen und leichtfüßigen Art und Weise, wie sie das Leben und die Menschen sieht, sofort ans Herz wächst.

Fazit: Regisseur Gerster gelingt mit seinem Loser-Porträt "Oh Boy" ein ebenso melancholischer wie schwarzhumoriger Film, der vor allem mit seiner kühlen Schwarz-Weiß-Optik und dem bestechenden Cast überzeugt.





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