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Kritik: Southpaw (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Dass Regisseur Antoine Fuqua ("Training Day") selbst etwas vom Boxen versteht, kann man dem Drama "Southpaw" ansehen. Er ließ den Hauptdarsteller Jake Gyllenhaal den Sport erlernen und beeindruckt mit einer ungemein authentischen Inszenierung des Trainings und der Wettkämpfe. Obwohl Fuqua den Sport so ernst nimmt und auch das Milieu mit seinen Geschäftsleuten, sozialen Aufsteigern und engagierten Veteranen gut trifft, ist die private Geschichte des Boxers Billy Hope das Herzstück des Films. Sie erzählt bewegend vom tiefen Fall eines Mannes, der seine Frau verliert und vor den Trümmern seiner Existenz steht.

Ja, an der einen oder anderen Stelle wird man den Film auch mit "Rocky" vergleichen. Denn Fuqua und Drehbuchautor Kurt Sutter scheuen die emotionalen, persönlichen Töne nicht. Aber sie erzählen die Geschichte eines Kämpfers, der an sich selbst arbeitet, ganz anders, kernig, zuweilen bitter, ohne pathetisch zu wirken. Zunächst war sie auf Rapper Eminem in der Hauptrolle zugeschnitten, wurde aber nach dessen Absage noch einmal umgeformt. Billy ist ein hitziger Typ, der sich im Ring von seiner Wut leiten lässt und praktisch ohne Verteidigungstechnik kämpft. Außerhalb des Rings gab ihm die taffe Maureen Halt, die wie er in einem Waisenhaus in New York aufwuchs. Billy sieht man den sozialen Underdog immer noch an, auch wenn er längst eine Villa mit Pool besitzt. Wie labil er ist, offenbart sich nach Maureens Tod. Auch von Manager und Trainer verlassen, findet er im Amateursport einen Mentor und Freund, der ihm hilft, sich zu ändern.

Die Beziehung der beiden ungleichen Männer bildet das eigentliche emotionale Kernstück des Dramas: Wie sich Jake Gyllenhaal als abgewrackter, nur mühsam beherrschter Typ im Training führen lässt und wie Forest Whitaker einfühlsam mit ihm redet, das ist ganz großes Kino. Auch die anderen Figuren sind auffallend originell geraten und gut gespielt. So sticht Rachel McAdams in der ungewöhnlich tonangebenden und dennoch positiven Rolle der Ehefrau heraus.

Nach bewegenden Szenen im zwischenmenschlichen Bereich stellt Fuqua wieder das Boxen in den Vordergrund und lässt den Zuschauer intensiv an Billys Training teilhaben, etwa in einer von Rap-Musik unterlegten Zusammenschau. Es zeigt sich, wie anspruchsvoll die Technik des Ausweichens und der Verteidigung ist, die Billy üben muss, obwohl er schon an der Weltspitze war. Und dann gibt es ein Comeback im Ring, bei dem die Kamera die Perspektive der Kämpfer einnimmt. Ein wunderbarer Film, der Psychodrama und Boxsport gewinnbringend kombiniert.

Fazit: Antoine Fuquas Boxerdrama verfügt nicht nur in den Sportszenen über Authentizität und Stallgeruch, sondern überzeugt auch als realistische Psycho-Studie eines Mannes, der tief fällt und wieder aufstehen will. Die hervorragenden Darstellungen von Jake Gyllenhaal, Forest Whitaker und Rachel McAdams bringen die zugleich rauen und sensiblen Töne der Geschichte auf bewegende Weise zum Klingen.





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