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Percy Jackson: Im Bann des Zyklopen
Percy Jackson: Im Bann des Zyklopen
© 20th Century Fox

Kritik: Percy Jackson: Im Bann des Zyklopen (2013)


Nachdem Zauberer, Werwölfe und Vampire cineastisch bis an die Grenze des Erträglichen ausgeschlachtet worden waren, wurde es Zeit für unverbrauchte Motive. Da kam die erfolgreiche Jugendroman-Reihe von Rick Riordan den Produzenten der Traumfabrik gerade recht. Darin dreht sich alles um einen jugendlichen Helden namens Percy Jackson, der eines Tages erfährt, dass er Sohn des olympischen Meeres-Gottes Poseidon ist – und somit selbst Halbgott, mit außergewöhnlichen Fähigkeiten und Kräften. Gleich darauf fällt ihm auch schon die Aufgabe zu, einen Götterkrieg zu verhindern, der die Welt der Sterblichen zu vernichten droht.

Ganz so neu und frisch gelang die Mythologie-Lehrstunde "Made in Hollywood" dann aber doch nicht. Bereits die zugrundeliegenden Bücher waren im Sog der Harry-Potter-Geschichten entstanden und wiesen nicht unerhebliche Ähnlichkeiten auf; und als auch noch Chris Columbus als Regisseur engagiert wurde, der bereits die ersten beiden Potter-Abenteuer inszeniert hatte, wurde es geradezu unvermeidlich, dass das Resultat kaum mehr sein würde, als eine Verquirlung von Versatzstücken der griechischen Götter- und Sagenwelt mit einer Teenager-Story, die in ihrem Strickmuster äußerst stark an den Zauberlehrling aus Hogwarts erinnerte. In Verbindung mit einigen Logiklücken sowie einer sehr freien Interpretation der olympischen Sphären, ließ dies die Kritiker nicht gerade jubilieren. Das Einspielergebnis erwies sich dennoch nicht als direkt schlecht, eine Fortsetzung erschien jedoch fraglich.

Mit neuem Regisseur in der Person Thor Freudenthals geht es nun doch in die zweite Runde. Schließlich umfasst die Roman-Reihe fünf Bände, und sollte der Funke nun vielleicht diesmal überspringen, kann mit den nachfolgenden Filmen Kasse gemacht werden. In "Percy Jackson: Im Bann des Zyklopen" bekommt es Poseidons-Sohn (Logan Lerman) mit einem alten Widersacher zu tun, der nicht weniger als die Apokalypse heraufbeschwören möchte. Dazu entführt er Percys Satyr-Kumpel Grover (Brandon T. Jones). Der soll als Köder für den Zyklopen Polyphem herhalten, der das Goldene Vlies hütet. Mit dem kann der Titan Kronos, Urvater des Olympier-Geschlechts, erweckt werden, was zu einem Armageddon, Ragnarök, Weltuntergang, Was-auch-immer, führen würde.

Wer nun meint, dieses Sequel sei für ausgesprochene Freunde der griechischen Mythologie gemacht, und es wäre gar hilfreich sich in den hellenischen Schöpfungsmythen auszukennen oder zumindest Filmklassiker wie "Die Fahrten des Odysseus" (1954) und "Jason und die Argonauten" (1963) oder "Kampf der Titanen" (1981) auf dem Schirm zu haben, der liegt ordentlich daneben. Im Grunde erscheint es nicht einmal nötig, den Vorgänger gesehen zu haben. Die dünne Story, in welcher es der Held mit allerlei Fabelwesen und monströsen Kreaturen bis hinauf zum allesverschlingenden Meeresunhold Charybdis sowie einigen weniger angenehmen Halbgöttern zu tun bekommt, ist ohnehin nur Vehikel, um ein bombastisches Effektfeuerwerk abzufackeln.

Um Tiefgang ist "Percy Jackson: Im Bann des Zyklopen" eindeutig nicht bemüht. Dabei böte die reiche wie vielfältige Legenden- und Sagenwelt des griechischen Altertums viel Stoff für epische Abenteuer, die beispielsweise in nichts einer "Herr Der Ringe"-Trilogie nachstehen müssten. Doch Hollywood fällt es seit Jahren zusehends schwerer, mehr als an der Oberfläche zu kratzen. Wolfgang Petersens "Troja" (2004) blendete die Götter im Kampf um die gleichnamige Stadt gleich ganz aus. Und auch Filme wie das "Kampf der Titanen"-Remake (2010) oder "Krieg der Götter" (2011) bedienten sich der antiken Quellen einzig und allein, um visuell beeindruckende (und dem Massengeschmack kompatible) CGI-Welten zu erschaffen. Vergessen wird dabei, den Geschichten Seele einzuverleiben und die Figuren, mehr als nur seidenpapierdünn charakterlich zu skizzieren.

Es wundert folglich nicht, wenn diese Verwurstung in Discounter-Manier an einen Ausverkauf abendländischer Kultur erinnert. Auf der anderen Seite siedelt "Percy Jackson: Im Bann des Zyklopen" seine Ambitionen zugegebenermaßen freiwillig derart niedrig als Hirnfreisause an, dass man ihm die ganze Oberflächlichkeit fast schon wieder nachsehen möchte. Zudem wartet der Film mit einem gewinnenden juvenilen Schauspieler auf und verkauft den Mix aus Jugend-Abenteuerfilm und Mythologie-Streifen nicht ohne Augenzwinkern. Der Umstand, dass diesmal weniger Hollywood-Prominenz am Start ist, Pierce Brosnan und Uma Thurman fehlen, geblieben ist Sean Bean als Zeus und Nathan Fillion kam als Götterbote Hermes hinzu, deutet überdies daraufhin, dass der Streifen als vergnügliches Popcorn-Effekttheater in Gewand von zeitgemäßem 3D auf eine Zielgruppe im frühen Teeniealter schielt. Und wer kann schon sagen, ob nicht selbst solch ein Spektakel mit bescheidenem Tiefgang, letzten Endes nicht doch noch den einen oder anderen Jugendlichen dazu animiert, sich mit der Materie ausgiebiger auseinanderzusetzen.

Fazit: Für ein jüngeres Publikum, dass sich von einem visuell opulenten, fulminanten Mythologieaction-Feuerwerk mitreißen lassen möchte, ohne sich zwingenderweise vorher die klassischen Sagen des griechischen Altertums als literarische Kost einverleibt zu haben, ist "Percy Jackson: Im Bann des Zyklopen" genau der richtige Appetitanreger.





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