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The Place Beyond the Pines - Plakat
The Place Beyond the Pines - Plakat
© Studiocanal

Kritik: The Place Beyond the Pines (2013)


Nach dem großen Erfolg von "Blue Valentine", für dessen Realisierung Regisseur und Drehbuchautor Derek Cianfrance 12 Jahre kämpfte, musste er nicht lange warten, ehe er die Finanzierung seines neuen Films "The Place Beyond The Pines" zusammen hatte. Vielmehr fand er schnell Unterstützung für sein Projekt, in dem er abermals von den Beziehungen zwischen Menschen erzählt. Doch bei seiner erneuten Zusammenarbeit mit Ryan Gosling steht nicht ein Paar im Mittelpunkt, sondern Väter und ihre Söhne.

In seinem Film erzählt Derek Cianfrance von den verschiedenen Beziehungen zwischen Vätern und ihren Söhnen. Luke hatte nie einen Vater und war ständig auf sich selbst gestellt. Dadurch ist er ein misstrauischer Mann geworden, unter dessen tätowierter Oberfläche große Traurigkeit herrscht. Romina weiß, was in ihm steckt – und gerade sein Verhalten gegenüber seinem Sohn Jason zeigt seine Fähigkeit, bedingungslos zu lieben. Dagegen ist Averys Vater ein erfolgreicher Richter (Harris Yulin), der seinem Sohn ein stabiles Zuhause, eine gute Ausbildung und Erwartungen geboten hat. Mit seiner Entscheidung, trotz abgeschlossenem Jura-Studium zur Polizei zu gehen, hat Avery seinen Vater enttäuscht. Dennoch hält er in entscheidenden Momenten zu ihm. Im Gegensatz zu seinem eigenen Vater zieht sich Avery aber von seinem Sohn AJ zurück, er kann ihm nach einem beruflichen Zwischenfall kaum in die Augen sehen.

Hier sind die verschiedenen Beziehungen sehr gut gespiegelt: Avery hat im Prinzip das, was sich Luke wünscht, doch er wird nicht glücklich. Stattdessen zeigt Averys Geschichte, dass es in diesem Leben andere Schwierigkeiten gibt. Sowohl Lukes als auch Averys Verhalten hat wiederum Auswirkungen auf ihre Söhne Jason (Dane DeHaan) und AJ (Emory Cohen). Jasons Stiefvater und seine Mutter haben ihm zwar ein liebesvolles Zuhause geschaffen, aber Jason spürt, dass ihm etwas verheimlicht wird und er will unbedingt mehr über seinen leiblichen Vater erfahren. Dagegen leidet AJ darunter, dass sein Vater keine Zeit für ihn hat und verhält sich wie das typisch wohlhabende Kind: Er rebelliert, indem er Drogen nimmt und sich als Gangster geriert.

Diese drei Beziehungen fasst Derek Cianfrance in eine klare Dreiteilung: Erst erzählt er von Luke und seinen Versuchen, ein Vater zu sein, dann von Avery und seinem Bemühen, gegen korrupte Kollegen vorzugehen, und schließlich von einem Zusammentreffen von Jason und AJ.

Bemerkenswert ist insbesondere der Anfang. "The Place Beyond The Pines" beginnt mit einer packenden Plansequenz, die an Martin Scorsese denken lässt: Wie einst Ray Liotta in "Goodfellas" das Restaurant betrat, folgt die Kamera hier dem Stuntfahrer Luke bei seinen Vorbereitungen und seinem Gang in das Zelt zu seinem großen Auftritt. Stets sehr nah am Protagonisten, wird der Zuschauer auf atemberaubende Weise in dessen Welt hineingezogen. Fraglos besitzt Ryan Gosling das Charisma und die richtige Mischung aus Stärke und Verletzbarkeit für diese Rolle.
Vor allem aber zeigt sich bereits in diesem ersten Teil, wie gut das Schauspielerensemble in "The Place Beyond The Pines" ist. Eva Mendes ist hinreißend und authentisch als alleinerziehende Mutter, die einfach das Richtige für ihren Sohn tun will. Ben Mendelsohn überzeugt als hinterwäldlerischer Autowerkstattbesitzer und Lukes Bankräuberkumpan Robin ist wie schon in "Killing Them Softly" herrlich kaputt. Auch Bradley Cooper spielt angenehm zurückhaltend. Fast schon introvertiert verdeutlicht er Averys Rebellion erst gegen den Vater, dann gegen ein System, von dem er zugleich ein Teil ist. Stilistisch orientiert sich dieser Teil an Cop-Thrillern und lässt nicht nur dank Ray Liotta abermals an "Goodfellas" denken.
Im dritten Teil steht schließlich das Highschool-Setting im Vordergrund, allerdings entwickelt sich die Handlung sehr vorhersehbar. Aber die Schwäche des Drehbuchs kann insgesamt durch eine starke Bildsprache von Sean Bobbit und eine hervorragend genutzte Musik von Mike Patton ausgeglichen werden.

"The Place Beyond The Pines" ist trotz einiger Längen ein eindrucksvoller Film über Väter und ihre Söhne, der mit einem der besten Darstellerensembles seit langem aufwartet. Die Mischung aus Krimi- und epischen Familiendrama ist weitgehend gelungen. Sehenswert!




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