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The Hangover 3
The Hangover 3
© Warner Bros.

Kritik: Hangover 3 (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Liest man das Presseheft zu "Hangover 3", könnte fast der Eindruck entstehen, dass Regisseur und Drehbuchautor Todd Phillips von Anfang an eine Komödien-Trilogie vorschwebte. Tatsächlich wurde die Idee einer abgeschlossenen Reihe allerdings erst im Anschluss an "Hangover 2" geboren, der bis auf die räumliche Verlagerung des Geschehens ins exotische Bangkok die Zutaten und den Ablauf des erfolgreichen Vorgängers weitestgehend kopierte. Im dritten Teil wenden sich Phillips und sein Co-Autor Craig Mazin nun ganz bewusst von der Ursprungsprämisse ab. Das "Wolfsrudel" muss sich dieses Mal nicht mit den Folgen einer durchzechten Nacht herumschlagen, sondern wird durch einen actionhaltigen, gleichwohl humorvoll angereicherten Thriller-Plot geschickt, der die drei Jungs am Ende dorthin zurückführen wird, wo alles begann.

Auffallend ist zunächst, dass die neue Odyssee ganz besonders eine Figur ins Zentrum rückt. Alan, der in den vorangegangenen Filmen eher als durchgedrehter und vollkommen weltfremder Sidekick fungierte, darf in Teil 3 eine persönliche Entwicklung durchlaufen. Obwohl er nichts von seinem anarchischen Wesen einbüßt, ist Alan auch der emotionale Anker des Films. Hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang vor allem die Szene, in der er auf das Baby des ersten Teils trifft. Aus dem Kleinen ist mittlerweile ein Junge geworden, für den Alan plötzlich fast so etwas wie Vatergefühle entwickelt. Auch der Moment, in dem er sich in die von Melissa McCarthy gespielte Pfandleihbesitzerin Cassie verliebt, verliert trotz überdeutlich sexueller Anspielungen und mehrfacher Slapstick-Einlagen nichts von seinem emotionalen Charme.

Neben Zack Galifianakis darf sich erneut Ken Jeong als katastrophenanziehender und vollkommen wahnsinniger Mr. Chow austoben. Anders als in "Hangover" und "Hangover 2" wird der Chinese dieses Mal sogar fast zum vollwertigen Mitglied des "Wolfsrudels". Seiner Unberechenbarkeit und Verschlagenheit tut das jedoch keinen Abbruch. Wie in den früheren Abenteuern auch ist er um keine absurde Idee verlegen und stürzt die drei Freunde im Verlauf der Geschehnisse willentlich ins Chaos.

Dass "Hangover 3" im Hinblick auf Gagdichte und Originalität insgesamt deutlich hinter dem ersten Film zurückbleibt, ist vor allem der neuen erzählerischen Ausrichtung geschuldet. Die nicht immer von Logikschwächen freie Geschichte ist zwar Tempo- und Actionreich aufgezogen, erreicht aber nie den herrlich absurden Modus von Teil 1. Darüber hinaus bleibt der eigentlich sehr wandlungsfähige John Goodman als bedrohlicher Gangsterboss leider viel zu blass, um nachhaltige Akzente setzen zu können. Seiner Figur hätten Phillips und Mazin durchaus mehr Aufmerksamkeit schenken können.

Schon bei Marshalls anfänglichem Überfall auf das "Wolfsrudel" wirken die eingestreuten Rückbezüge auf den ersten Teil der Reihe arg bemüht. Hier und an anderen Stellen ist immer wieder zu spüren, dass die Macher einen Kreislauf beschreiben wollen, der bei "Hangover" seinen bisher ungeahnten Anfang nahm und nun zwangsläufig mit der Geschichte des dritten Teils enden muss. Die mehrmals hervorgehobene Schicksalhaftigkeit ist letztlich aber mehr behauptet als wirklich erkennbar.

Allen Zuschauern sei dringend empfohlen, auch während des Abspanns sitzen zu bleiben. Denn hier erlaubt sich der Film noch einmal einen äußerst gelungenen Scherz, der so manchen Fan der Trilogie mit einem herzhaften Lachen im Kinosessel zurücklassen wird.

Fazit: Spannend und amüsant ist an "Hangover 3" vor allem die Entwicklung Alans. Ansonsten pendelt sich der Film auf ordentlichem Komödienniveau ein, ohne je den originellen Charme des ersten Teils zu erreichen.




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