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The Strangers: Opfernacht
The Strangers: Opfernacht
© Universum Film © SquareOne

Kritik: The Strangers: Opfernacht (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Vor zehn Jahren schockte Bryan Bertino mit seinem Drehbuch- und Regiedebüt "The Strangers" das Publikum. Drei Unbekannte drangen in eine Wohnung ein und gingen dem Pärchen Kristen McKay (Liv Tyler) und James Hoyt (Scott Speedman) an den Kragen. Das war wenig subtil, aber nervenzerreißend. Noch im selben Jahr kündigte die Produktionsfirma eine Fortsetzung an. Unter Johannes Roberts' Regie sind der Mann mit dem Sack über dem Kopf und die zwei Frauen, eine mit einem Puppengesicht, die andere mit dem Gesicht eines Pin-up-Girls als Maske, nun zurück. Roberts' Version der Geschichte ist weit weniger beklemmend, dafür stilsicherer und handwerklich versierter.

Der Sound gibt die Richtung vor. Die Handlung steigt mit Kim Wildes Hit "Kids in America" ein, der erst verzerrt aus einem Autoradio dringt, schließlich abrupt erstirbt. Wenig später drängt der Filmtitel in dicken Lettern ins Bild. Der Schrifttyp erinnert wie die Musik, eine Variation von John Carpenters Score zu seinem Horrorklassiker "The Fog – Nebel des Grauens" (1980), an Slasherfilme aus längst vergangenen Jahrzehnten. "The Strangers: Opfernacht" ist im besten Sinne altmodisch.

Das fängt bei Ben Ketais Drehbuch an und setzt sich in den anderen Gewerken fort. Handlung und Charaktere sind deutlich runder als noch in Bertinos Film. Ketais Skript führt im ersten Akt angeschnittene Motive im dritten auch konsequent zu Ende. Nur so viel sei verraten: Baseball und Rauchen werden eine entscheidende Rolle spielen. Und die für einen Horrorfilm typischen Verhaltensfehler der Figuren sind erstaunlich rational begründet.

Kaum ein Horrorfilm, in dem der Schrecken nicht wie ein Springteufel aus der Kiste fährt. Johannes Roberts setzt die überstrapazierten jump scares hingegen ganz behutsam ein. Bei ihm schleichen sich die Killer gemächlich ins Bild. Bedrohliche Schatten am Rande des Sichtfelds. Ruhige Kamerafahrten, Schnitte und Zooms erzeugen das ungute Gefühl der permanenten Beobachtung. Dem Ensemble, sicherlich der schwächste Part des Films, nimmt man den Terror dennoch ab.

Roberts' größtes Talent besteht darin, den tausendfach gesehenen Bildern dieses Genres noch faszinierende Ansichten abzuringen. Nicht alle sind neu, das in Flammen stehende Auto, das sein Opfer verfolgt, ist etwa eine Hommage an Carpenters "Christine" (1983). Im nächtlichen Schattenspiel funktionieren die Einstellungen aus Dunkelheit und Licht dennoch prächtig. Hier brennt sich vor allem eine irre Szene an einem von Neonpalmen erleuchteten Swimmingpool ins Gedächtnis. Auch dazu trällert ein Song aus den 1980ern: Bonnie Tylers "Total Eclipse of the Heart". John Carpenter hätte seine wahre Freude daran.

Fazit: Johannes Roberts' Fortsetzung "The Strangers: Opfernacht" ist ein im besten Sinne altmodischer Horrorfilm. Statt auf billige Effekte setzt er auf Atmosphäre und ringt dem Genre das eine oder andere faszinierende Bild ab. Flott, konsequent und mit einem Augenzwinkern erzählt, stilsicher inszeniert, schön anzusehn.




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