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Nachbarn der 3. Art - Hauptplakat
Nachbarn der 3. Art - Hauptplakat
© 20th Century Fox

Kritik: The Watch - Nachbarn der 3. Art (2012)


Von Film zu Film mausert sich Jonah Hill immer weiter zu einer etablierten Größe im Comedy-Geschäft Hollywood. Der amerikanische Schauspieler, der 2004 in "I Heart Huckabees" sein Debüt gab, machte spätestens mit seinem Auftritt in Greg Mottolas "Superbad" auf sich aufmerksam und konnte besonders in den letzten zwei Jahren extrem gut durchstarten. Der Workaholic-Schauspieler – in acht Jahren hat er an 25 Produktionen mitgearbeitet (im Schnitt sind das mehr als drei Filme pro Jahr) – steht aber nicht nur für die neue Generation der Comedy-Branche, welche langsam die alten Gurus Adam Sandler und Ben Stiller verdrängt, sondern kann genauso Charakterrollen spielen. Beweis dafür lieferte Bennett Millers "Moneyball – die Kunst zu gewinnen", in dem er gemeinsam mit Brad Pitt als dicklicher Haward-Absolvent die gesamte Baseballbranche auf den Kopf stellte. Sein neustes Projekt "The Watch – Nachbarn der dritten Art" ordnet sich wieder dem Prinzip der einfachen amerikanischen Haushaltskost der Unterhaltungsbranche unter, zeigt aber wieder einmal Hills große Stärke. Denn während Altveteran Ben Stiller weiterhin den einzigen Charakter seines Lebens spielt, ist es Hills Rolle als abgedrehter Möchtegern-Polizist, der gemeinsam mit dem anarchistisch anmutenden Vince Vaughn für die meiste Unterhaltung sorgt. Doch wenn ein Ben Stiller an Bord ist, weiß man, dass der Film seine Genre-Grenzen hat. Verzettelt in typisch amerikanischen Klischees, die der Film gar nicht braucht, verliert der derbe Spaß um eine Nachbarschaftswache viel an Fahrt, rettet sich aber im Mittelmaß anständiger Unterhaltung, die ihre positiven Momente besitzt. .

Mit "The Watch" ist nun auch der kleinbürgerliche Zombiefilm in Amerika angekommen. Denn bisher mussten Fans solcher Genre-Perlen immer nach Europa, speziell nach England schielen, um mit den neusten Independentfilmen die eigene Misere in Hollywoods Selbstkopierungswahn zu vergessen. So wirkt "Nachbarn der dritten Art" beinahe in jedem Moment wie eine exklusive Zusammenstellung an Zitaten, die Regisseur Akiva Schaffer beim Schauen von Edgar Wrights Duo-Film "Hot Fuzz" und "Shaun Of The Dead" erstellt haben muss. Die größte Ähnlichkeit aber liegt in der naheliegenden Verbindung zu Joe Cornishs "Attack The Block", der erst letztes Jahr das South By Southwest Festival unsicher machte. Denn die Parallelen sind nicht zu übersehen. Ein heimischer Ort, eine Horde Aliens und eine Gruppe, die sich dagegen wehrt. Der ebenso von Wright mit produzierte englische Box-Office-Hit aber lässt es bei einer hübschen Hommage an Science-Fiction Filme, streut hier und da kleine Seitenhiebe an die britische Gesellschaft ein und macht als Actioner einfach ungemein viel Spaß. Das amerikanische Pendant in Form von "The Watch" aber versucht sich zwanghaft an einer tiefgründigen Geschichte, baut typisch amerikanische Nebenhandlungen – Vince Vaughn als treudoofer Familienvater, Ben Stiller als unfruchtbarer Clubgründer - ein, die um Freundschaft, Vertrauen und Eheprobleme all die Klischee durchsetzten Mustervorlagen des "Ben Stiller"-Kinos befolgen, dass es nur so kracht. "The Watch" hat häufig gute Momente - und geht abschließend als mittelmäßige, aber unterhaltsamer Action-Comedy durch. Die anarchistischen Züge, die einerseits die indirekte Vorlage aus England, anderseits zum Beispiel Kino-Hit "TED" offenbart, zeigt "The Watch" aber nie auch nur ansatzweise.An vielen Stellen merkt man den Schauspielern neben Ben Stiller auch an, dass sie mehr wollen, als sie gerade zeigen dürfen. Jonah Hill hat zum Beispiel ungemein viel Spaß, wirkt aber, wie Vince Vaughn, an der kurzen Leine gehalten. Das führt dazu, dass die eigentlich spaßige Handlung um eine amateurhafte Nachbarschaftswache zu einem zu konventionellen Streifen gerät. Das Spektakel fügt sich somit exakt in die Ben-Stiller Filmographie ein, ist aber Gott sei Dank Lichtjahre von Humorhämorrhoide Adam Sandler entfernt. .

Dass das weiterhin stark prüde Amerika an Sex-Zoten und Sperma-Witzen viel Gefallen hat, zeigt sich auch in "The Watch". Die Komödie offenbart dies auf übertrieben einseitige Weise, weil der Film jeden Penis-Gag zum Vorschein holt, mit dem man den amerikanischen Zuschauer brüskieren und zugleich belustigen kann. Für den deutschen Zuschauer an vielen Stellen ermüdend, bündelt sich der Humor in "The Watch" einzig in sexuellen Zoten, Anspielungen und Schweinereien, die aber in der Masse wieder für ungemein viele Schenkelkopfer sorgen werden. Hier kann bei der Besetzung auch nicht viel schief gehen. Ben Stiller in steifer Ungelenkigkeit versprüht den Charme seiner festgefahrenen Figur, Vince Vaughn darf als durchgedrehter Superdad jeden erdenklich schlechten Witz raushauen und Jonah Hill als heimlicher Star für die nötige Prise "Kevin Smith" Humor sorgen. Abgerundet durch das neue Gesicht von Richard Ayoade entsteht ein Quartett an lustigen Typen, der den unpassenden Mittelteil und die vielen Zitate an das deutlich bessere europäische Kino wieder vergessen lassen. Ein Film, der nicht überrascht, nicht überdimensional brüskiert oder gar seine Handlungsidee sensationell ausnutzt. Aber ein Streifen, der für Popcorn, Bier und Spaß genau das richtige ist.

Fazit: Der Nachbarschafts-Alien-Clash "The Watch" gestaltet sich als eine Komödie mit angezogener Handbremse, die sich durch unnötig eingebaute Klischees des Ben Stiller-Kinos viel Wind aus den Segeln nimmt und durch einseitig ausgelegten Humor der Kategorie "Sex, Penisse und Sperma" nicht gerade für humoristischen Vielfalt steht. Geht als durchschnittliche Komödie für den entspannten Kinoabend aber dennoch durch: Mit Abstrichen sehenswert!





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