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Kritik: Noah (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Die Geschichten des Alten Testaments erscheinen wie geschaffen für eine Visualisierung als archaische Fantasy-Spektakel. Als Regisseur und Co-Autor nimmt sich Darren Aronofsky in "Noah" einen der bekanntesten und beliebtesten biblischen Charaktere vor. Die Aufnahme der Tiere in der riesigen Arche, die Visionen Noahs und die Schrecken der Sintflut setzt er mit moderner Bildtechnik effektvoll in Szene. Aber die dominierende Farbe ist das Grau des Lavabodens, der Lavariesen, selbst der Gewänder von Noah und seiner Familie. Dieser düstere optische Eindruck passt zur inhaltlichen Schwere der Geschichte. Die Kämpfe Noahs und der Riesen gegen die Bande von Tubal-Kain sorgen für finstere Action. Aber auch der Konflikt Noahs zwischen Gehorsam gegenüber Gott und der Liebe zu seinen Kindern wird sehr grobschlächtig ausfantasiert.

Über der kruden Welt des Alten Testaments thront ein strafender Gott, der sich in seinem Zorn für die Sintflut entscheidet. Er hat in diesem Film auch allen Grund dazu, denn die Menschheit besteht fast nur noch aus Mörderbanden. Sie sind das Resultat der Erbsünde, dem Verzehr des verbotenen Apfels im Paradies. Noah wiederum wird zunächst als gütiger Familienvater porträtiert, verwandelt sich dann aber in einen irdischen Stellvertreter des erbarmungslosen Schöpfers, und zwar der eigenen Familie gegenüber. Weil Gott will, dass die Sünde ausstirbt, will Noah erst gar kein Risiko eingehen und seinen Kindern die Gründung eigener Familien verwehren. Seine Frau Naameh ist die Sanftmut in Person. Sie opponiert, wie auch die junge Ila, eher verhalten gegen Noahs Starrsinn. Dennoch bilden die beiden Frauen letztlich das entscheidende Gegengewicht zum blinden Gehorsam Noahs – als Verfechterinnen von Liebe und Vertrauen. Diese Auslegung der biblischen Geschichte wirkt enttäuschend schmalzig und klischeehaft. Dagegen kann auch die Darstellung Noahs als Urahn der Natur- und Artenschützer nicht mehr viel ausrichten.

Die visuelle Gestaltung hat jedoch Aufregendes zu bieten. Allein schon die Ausmaße der Arche werden auf spektakuläre Weise deutlich gemacht. Die Kämpfe der Riesen gegen Tubal-Kains Armee, die Körper, die in den Fluten untergehen, die vielen anderen Momente starker physischer Bedrohung werden bildgewaltig inszeniert. Während der Sintflut erzählt Noah seiner Familie die Schöpfungsgeschichte, deren Stationen der Film in eine effektvolle, geraffte CGI-Präsentation übersetzt. Das alles könnte man sicherlich noch mehr genießen, wenn die Charaktere nicht gar so bedeutungsschwer im Würgegriff von Sünde und Schuld durch die Handlung stapfen müssten.

Fazit: Darren Aronofskys "Noah" ist ein visuell anspruchsvoll inszeniertes Action-Spektakel, dessen archaisch kruder Inhalt jedoch weniger inspiriert, als abschreckt.




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