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Kritik: A Most Wanted Man (2012)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Anton Corbijns "A Most Wanted Man" basiert auf dem gleichnamigen Roman des Agententhriller-Experten John Le Carré aus dem Jahre 2008. Der Film ist von seiner Art und von seinem Tonfall her vollkommen anders, als die letzte Verfilmung eines Buches von Le Carré - Tomas Alfredsons "Dame, König, As, Spion". Letzterer war gezeichnet durch eine hohe atmosphärische Dichte und durch ein altmodisches britisches Flair. Das ist kein Wunder: Immerhin stammt die Romanvorlage bereits aus dem Jahre 1974. "A Most Wanted Man" zeigt hingegen Agenten die so aalglatt wie Manager sind. Nur der Spezialeinheitsleiter Günther Bachmann ist noch ein Mann mit Ecken und Kanten. Doch in der heutigen Welt erscheint Bachmann bereits fast wie ein Relikt aus einer vergangenen Epoche. Ihm gegenübergestellt ist die CIA-Agentin Martha Sullivan (Robin Wright), die sich diplomatisch gibt, die jedoch die Interessen ihres Landes im Zweifelsfall im Alleingang und gegen die Interessen ihres Gastlandes durchzusetzen bereit ist.

Damit ist Sullivan ein absolutes Gräuel für Bachmann (gewohnt großartig: Seymour Hoffman). Der erscheint als müde, abgekämpft und desillusioniert. Auch hat er ein Alkoholproblem. Zugleich ist er jedoch auch sehr sensibel und wach und blickt mit einem differenzierteren Blick als andere auf komplexe Typen wie Karpov. Bei seiner Entscheidungsfindung vertraut Bachmann mehr seinem Bauchgefühl, als bürokratisch korrekten Wegen. Bachmann ist vielleicht kein Held, aber doch eine tragische Figur. Unwillkürlich vermutet man, dass er einmal mit hohen Idealen diesen Job angefangen hat und nun hilflos zusehen muss, wie er zunehmend zu einer Spielfigur weit weniger idealistischer Kräfte verkommt.

Hamburg ist ein passender Handlungsort für die kühl-sachliche Atmosphäre, die Anton Corbijn seinem Film verleiht. Er zeigt eine gänzlich unglamouröse Hafenstadt voller Stahlcontainer, gläserner Bürofassaden und schlichter roter Backsteinhäuser. Bachmann beschwert sich sogar einmal an diesen Nebenschauplatz des internationalen Spionagegeschehens versetzt worden zu sein. Trotzdem gibt die Elbmetropole eine wunderbar unverbrauchte Kulisse für diesen Agententhriller ab. - Dabei ist "A Most Wanted Man" strenggenommen kein echter Thriller, sondern ein Drama. Klassische Thriller-Spannung gibt es hier nur in homöopathischen Dosen. Dafür wird ein komplexes Beziehungsgeflecht entworfen, das auf seine eigene, leicht spröde Art jedoch ebenfalls hoch spannend ist.

Fazit: "A Most Wanted Man" ist mehr ein Spionage-Drama, als ein Agententhriller. Doch wenn man mit diesem Wissen ins Kino geht, erwartet einen ein sehr guter – und auch spannender – Film.





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