VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder

Kritik: Her (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Das Drama über die Beziehung eines Mannes zu einem emotionsfähigen Betriebssystem mit weiblicher Stimme ist ein herrliches Vergnügen für Herz und Kopf. Der Regisseur von "Being John Malkovich", Spike Jonze, erzählt mit leichter Hand eine wunderbare Geschichte voller skurriler Einfälle, die zum Philosophieren anregt. Theodores Erlebnisse sind in einem geistig sehr kreativen Raum angesiedelt, in dem sich die reale Ebene und die Vorstellungskraft treffen und gegenseitig beeinflussen.

Die sowieso schon verwegene Geschichte über ein Betriebssystem, das menschliche Eigenschaften entwickelt, steigert sich im Laufe des Films noch stufenweise. Jonze überrascht immer wieder mit aberwitzigen Twists, die mit der Besonderheit von Theodores Beziehung spielen: Samantha, im Original gesprochen von Scarlett Johansson, hat zwar keinen Körper, verarbeitet Informationen und Erfahrungen aber in Computergeschwindigkeit. Das stellt sowohl das Liebesspiel, als auch das sonstige gemeinsame Erleben vor große Herausforderungen. Es gibt lange Sequenzen, in denen die Kamera auf Theodores Gesicht ruht, während er mit Samantha chattet. Dabei liegt es allein an ihm, die Beziehung visuell zum Leben zu erwecken. Schon diese Art zu filmen erscheint wie eine lohnende Entdeckung, aber Jonze bietet noch viel mehr Aha-Erlebnisse.

Einmal sitzt Theodore auf einer Treppe in der Stadt und sieht lauter Passanten, die sich mit einem unsichtbaren Gesprächspartner unterhalten. Untereinander wechseln diese Menschen kein Wort. Solche Szenen wirken wie eine gelungene, kaum übertriebene Karikatur heutiger Verhältnisse. Auch visuell siedelt Jonze seinen Film in einer sehr nahen Zukunft an: Die Hochhäuser, die Theodore aus seinem Fenster betrachtet, der Hochgeschwindigkeitszug, in dem er fährt, wirken nur eine Spur futuristischer als ihre bereits existierenden Pendants.

Joaquin Phoenix liefert als Theodore eine überragende schauspielerische Leistung. Er lässt das Publikum sehr authentisch und bewegend daran teilhaben, wie dieser Mann sein Gefühlsleben neu entdeckt. Amy (Amy Adams) spielt Theodores Nachbarin, mit der er sich über Samantha austauscht. Als Amy überrascht fragt, ob er mit ihr Sex hat, antwortet Theodore: "Ja, sozusagen. Ich weiß aber nicht, wie sehr sie das nur vortäuscht." Von diesem herrlich inspirierten Humor ist der ganze Film durchzogen. Mit seinem Reichtum an innovativen Ideen und Gedankenspielen bietet er eine erfrischende Kinounterhaltung, die sich positiv vom üblichen Programm abhebt.

Fazit: Spike Jonzes skurriles Liebesdrama verbindet intellektuelles Vergnügen und eine emotional bewegende Geschichte mit dem großartigen Hauptdarsteller Joaquin Phoenix. Die nahe Zukunft, in der sie spielt, spinnt mit verblüffendem Witz eine Entwicklung weiter, die sich in der zwischenmenschlichen Kommunikation zum Teil bereits abzeichnet.





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.