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Back in the Game - Hauptplakat
Back in the Game - Hauptplakat
© Warner Bros.

Kritik: Back in the Game (2011)


Eigentlich hatte Darstellerlegende Clint Eastwood unlängst angekündigt, dass mit ihm vor der Kamera nicht mehr zu rechnen sei. Doch die Regeln des Geschäfts sind eben andere und ihn erneut auf der Leinwand zu sehen ist immer noch besser, als wenn er noch einmal einen imaginären Präsidenten beschimpft, improvisierte Reden schwingt und heimlich dem nun bereits gescheiterten Gegen-Kandidaten die Show stiehlt. Eine bessere Beschäftigungstherapie gibt es wohl nicht.
So fällt seine Rolle in Robert Lorenz Baseball-Drama "Trouble With The Curve" auch wie eine Therapie aus. Gemeinsam mit John Goodman gibt sich Altdarsteller Eastwood von der bissigen, mürrischen Seite, als alter Griesgram, der aussortiert werden soll. Generationswechsel eben. Doch so einfach lässt sich ein alter Star nicht gerne "outsourcen" – weder im Film noch vor der Kamera. Eastwoods Figur wird zu seinem eigenen Schicksal und die Frage eröffnet sich: War es das nun mit der Darstellerarbeit?

Erst vor einem Jahr porträtierte Regisseur Bennett Miller mit Brad Pitt und Jonah Hill in den Hauptrollen den Baseball-Manager Billy Beane in dem Sportfilm "Moneyball – die Kunst zu gewinnen". Beane hatte in den sogenannten "Money-Jahren" durch gezielte Auswertung von Statistiken die Baseballliga auf den Kopf gestellt. In gewisser Hinsicht zeigt Lorenz Film das Gegenstück zu dieser Bewegung im Baseball, die immer mehr auf Computerdaten und viel weniger auf das Gefühl und die Erfahrungen von Scouts setzt: Eastwoods Figur Gus Lobel kann vielleicht nicht mehr sehen, aber dennoch hat er noch das Gespür und das Gehör für den Ball. Er weiß, wann jemand die Kurve bekommt – sprich einen angedrehten Ball mit dem Schläger treffen kann – und wann nicht. Dafür wird er belächelt, wie verspottet, doch am Ende strahlt er als Sieger. Genau wie der Schauspieler Eastwood. Denn dieser hat weiterhin das Gefühl für Komik, wie für Ernsthaftigkeit.

Doch was bei Lorenz Regiedebüt (nach 20 Jahren Arbeit als Eastwoods Produzent) schwer ins Gewicht fällt, ist das Fehlen des alten Westernhelden Eastwood auf dem Regiestuhl. Seine Präsenz wie sein Charisma vor der Kamera beflügelt den im "Deutschen" unsinnig betitelten Film "Back In The Game". Doch das reicht nicht. Eastwood gehört (auch) hinter die Kamera.

Eigentlich bezeichnet sich der Film selbst als Drama - schließlich beinhaltet er eine konfliktbeladene Vater-Tochter-Beziehungskiste - doch abseits der atmosphärisch so heiteren Bilder findet der Zuschauer auch unter den stereotypen Figuren keine Abgründe. Vielmehr wurden die Charaktere porentief von Ungereimtheiten gereinigt - mit Schmirgelpapier angesetzt und sauber gemacht. Der Gemütlichkeit darf nichts im Wege stehen!
Aufgelockert wird das Szenario dann noch durch Alterserscheinungen, die Haudegen Eastwood umkreisen, der als alternder Baseball-Scout Gus Lobel mal Probleme mit dem Harndrang, mal mit den Möbeln oder mal mit seinen Augen hat. Das reicht für ein paar gelungene Gags, vor allem wenn Eastwood Yoga als Voodoo verunglimpft und damit indirekt beweist, dass er wirklich ein Republikaner ist. Eastwood spielt ernsthaft, nimmt sich selbst aber nicht so sehr beim Wort und kann dadurch überzeugen.
Von einem Drama um Vater und Tochter fehlt jede Spur. Viel zu besinnlich verläuft der sogenannte Spannungsbogen, der kaum mehr als kanalisierte Emotionen zulässt und ganz nebenbei auch eine zuckersüße Liebesgeschichte offenbart.


Fazit: "Back In The Game" wirkt wie eine Art Beschäftigungstherapie für einen alten Griesgram, der nicht weiß, wohin mit all der freien Zeit. Er ist aber auch eine Beschäftigungstherapie für den Zuschauer, der rechtzeitig zu kalten Wintertagen einen gemütlichen, harmlosen Familienfilm serviert bekommt.




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