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Die Kirche bleibt im Dorf
Die Kirche bleibt im Dorf
© Camino

Kritik: Die Kirche bleibt im Dorf (2011)


Mit "Die Kirche bleibt im Dorf" bekommen nun auch die Schwaben ihre eigene Mundart-Komödie. In den vergangenen Jahren erlebte diese spezielle Form des Heimatfilms vor allem in Bayern eine echte Renaissance. Hans Steinbichlers "Hierankl" von 2003 oder auch Marcus H. Rosenmüllers "Wer früher stirbt ist länger tot" (2006 ) entwickelten sich dank einer gehörigen Portion Lokalkolorit und regionaler Eigenheiten zu Überraschungs-Kinohits – und das nicht nur im Heimatbundesland. So sahen etwa "Wer früher stirbt ist länger tot" bundesweit fast zwei Millionen Besucher in den Kinos. Ein Erfolg, den die aus Pforzheim stammende Schauspielerin ("Bella Block", "SOKO Stuttgart") und Regisseurin Ulrike Grote mit ihrer schwäbischen Mundart-Provinzposse "Die Kirche bleibt im Dorf" nun zu wiederholen versucht. Und die Chancen stehen nicht schlecht, dass der Film zumindest in Baden-Württemberg ähnliche Erfolge erzielt wie die Vorbilder aus Bayern.

Um dem regionalen Bezug voll Rechnung zu tragen, drehte Grote ihren Film nicht nur an Original-Schauplätzen in ihrer schwäbischen Wahlheimat sondern besetzte die wichtigsten Rollen auch mit Darstellern, die allesamt aus der Gegend stammen und damit der Mundart mächtig sind. Und das sind nicht etwa unbekannte Schauspieler geworden, die gerade erst die Schauspielschule verlassen haben sondern Kino- und TV-Größen wie Natalia Wörner oder Karoline Eichhorn. Herausgekommen ist eine muntere, sympathische Heimat-Komödie, die mit guten Darstellern punktet und insgesamt einen positiven Eindruck hinterlässt – auch wenn sie stellenweise ein wenig brav und bieder geraten ist.

Schon seit langer Zeit sind die beiden schwäbischen Dörfer Unterrieslingen und Oberrieslingen aufs bitterste verfeindet. Für Ärger sorgt zum einen die Tatsache, dass die einen die Kirche und die anderen den Friedhof haben, zum anderen ein Schlagloch genau an der Dorfgrenze, für das sich weder die Unterrieslinger noch die Oberrieslinger verantwortlich fühlen. Indirekt ist das Schlagloch auch für den plötzlichen Tod von Oma Anni aus Oberrieslingen verantwortlich, die auf ihrem Moped zu schnell unterwegs war. Ihre Beerdigung gerät zur Katastrophe und entfacht die Feindschaft zwischen den Dörfern aufs Neue. Als wäre das noch nicht genug, lassen ein Amerikaner, der unbedingt die Kirche kaufen will und ein Jahrhunderte alter Fluch die Situation eskalieren.

Die Stärke von "Die Kirche bleibt im Dorf" ist neben der Authentizität und Glaubwürdigkeit vor allem die Leidenschaft, mit der Ulrike Grote ihren Film inszenierte und die der Darsteller, die in ihren Rollen aufblühen. Man merkt den Schauspielern zu jeder Sekunde die Freude am Dialekt und die Lust am Spiel an. Das durchweg schwäbische Ensemble verschmilzt mit den schrulligen, verschrobenen Typen und Charakteren, die sie verkörpern. Allen voran Natalia Wörner und Karoline Eichhorn als Oberrieslinger Geschwisterpaar laufen zur Hochform auf. Hinzu kommen die idyllischen, romantischen Landschaften der schwäbischen Drehorte (u.a. der Raum Freiburg), die ein wohliges Heimatgefühl aufkommen lassen. Geschickt kombiniert Grote zudem zwei Handlungsstränge, die sich zu keinem Zeitpunkt in die Quere kommen und von ihr konsequent zu Ende gedacht und erzählt werden. Der eine dreht sich um die Feindschaft zwischen den beiden Dörfern, die den dramaturgischen Nährboden für jegliche Ereignisse und Verwicklungen im Film bildet. So z.B. die Liebesbeziehung zwischen Peter aus Unterrieslingen und Klara aus Oberrieslingen, die unweigerlich an Romeo und Julia erinnert. Im zweiten Handlungsstrang geht es um einen mysteriösen Amerikaner, der die Kirche kaufen will, weil er in ihr einen kostbaren Schatz vermutet.

Die beiden Geschichten garniert Grote mit viel Wortwitz und Situationskomik. Die Tatsache, dass der Film in schwäbischer Mundart gedreht ist, könnte an dieser Stelle aber auch zu einem Problem für alle Nicht-Schwaben werden. Ein Großteil des Humors ergibt sich aus der Ausdrucksweise, der Sprache und dem Dialekt. Dies wird vermutlich zur Folge haben, dass Personen, die den Dialekt nicht beherrschen oder verstehen, von dem schwarzen Humor nicht sonderlich viel mitbekommen. Doch dies stellt immer die Gefahr bei in Mundart gehaltenen Heimat-Komödien dar und ist letztlich auch zu verschmerzen, da der Kinobesucher auf diese Tatsache eingestellt sein sollte. Wie viele andere Filme dieser Gattung kommt auch "Die Kirche bleibt im Dorf" extrem brav und bieder daher, da der Film mit seiner harmlosen Story, der ruhigen Inszenierung und den beschaulichen, harmonischen Bildern zu keinem Zeitpunkt ein Risiko eingeht. Von Unterrieslingen und Oberrieslingen wird im Winter 2012/2013 im SWR noch mehr zu sehen sein. Dann soll die zwölfteilige gleichnamige TV-Serie von Ulrike Grote starten, die sieben Jahre vor den Ereignissen im Kinofilm einsetzt und zeigt, warum die Nachbarn so zerstritten sind.

Fazit: "Die Kirche bleibt im Dorf" gefällt als launige, sympathische Heimat-Komödie in schwäbischer Mundart, die mit einem tollen Ensemble und gelungener Situationskomik überzeugt – vorausgesetzt, man lässt sich auf den schwäbischen Dialekt ein.




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