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Captain Phillips
Captain Phillips
© Sony Pictures Releasing

Kritik: Captain Phillips (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Mit "Captain Phillips" inszeniert Regisseur Paul Greengrass ("Flight 93") die wahre Geschichte des amerikanischen Kapitäns, dessen Schiff "Maerks Alabama" im April des Jahres 2009 von somalischen Piraten entführt wurde. Dabei verzichtet er wohltuend auf Effekthascherei und verweigert sich einer klaren Gut/Böse-Haltung. Vielmehr weist er von Anfang an auf den wirtschaftlichen Druck hin, unter dem die gesamte Welt leidet. Der Film beginnt mit einem Gespräch zwischen Captain Phillips und seiner Frau (Catherine Keener), in der sie auf die finanzielle Notwendigkeit seiner Tätigkeit und den veränderten Arbeitsbedingungen zu sprechen kommen. Dann folgen Bilder von Muse in Somalia. Er wird in seinem Dorf von Warlords aufgesucht, die ihm sehr deutlich machen, dass er Geld heranschaffen soll. Also sucht er sich am Strand eine Besatzung zusammen – und da es eine der wenigen Möglichkeiten ist, Geld zu verdienen, ist der Andrang groß. Beide arbeiten also aus einer wirtschaftlichen Notwendigkeit heraus, dabei zeigt allein schon die Sequenz, in der das kleine Piratenboot den großen Frachter angreift, das ökonomische Ungleichgewicht in der Welt. Darüber hinaus wird im weiteren Verlauf des Films auch deutlich, dass Muse bereits erfolgreich war und von einer griechischen Reederei sechs Millionen Dollar erhalten hat – doch reich ist nicht er geworden, sondern sein Auftraggeber. Damit verweist Paul Greengrass deutlich auf die Profiteure dieses Geschäfts.

Hinzu kommt eine Rechtslage, nach der die Besatzung nicht bewaffnet sein darf, obwohl die Gefahr von Piratenangriffen bekannt ist – andernfalls darf das Schiff keine internationalen Gewässer durchfahren. Also soll sie auf ein Protokoll vertrauen, nach dem sie sich mit Wasserfontänen zur Wehr setzen kann, sich bei einer Geiselnahme aber im Maschinenraum verschanzen und auf das Eintreffen von Hilfe warten soll. Im Fall des us-amerikanischen Schiffs wurde sehr schnell militärische Hilfe zugesagt, also versucht die Besatzung, verschiedene Defekte hervorzurufen, so dass das Schiff nicht weiterfahren und damit die Position verändern kann. Doch dann eskaliert die Situation an Bord und Captain Phillips bietet sich als Geisel an, um seine Besatzung zu schützen. Dadurch verlagert sich der Schauplatz in die bedrückende Begrenztheit eines Rettungsboots.

Diese klaustrophobische Enge in dem Rettungsboot – von Paul Greengrass mit der Handkamera realistisch inszeniert – korrespondiert mit dem zunehmenden Druck der Situation, so dass die Panik von Phillips immer größer wird. Und es gibt kaum einen Schauspieler, der den Typen von nebenan, der zum unfreiwilligen Helden wird, so spielen kann wie Tom Hanks. In diesem Film zeigt er fraglos seine beste Leistung seit langer Zeit. Stellt sich Captain Phillips anfangs den Geisel entgegen, wird im Verlauf des Films die Angst um sein Leben immer größer. Plötzlich agiert der zuvor so überlegt Handelnde spontan – und wenn er schließlich in der Obhut einer Marineärztin landet und seine Verzweiflung aus ihm herausbricht, wird die Einsamkeit, die er gefühlt hat, umso deutlicher. Tom Hanks spielte diese emotionale Entwicklung zurückhaltend und dennoch intensiv.

Fast schon dokumentarisch inszeniert, ist das visuelle Konzept von Paul Greengrass überzeugend. Allein wenn die Kriegsschiffe schließlich in die Nähe des Rettungsboots kommen, zeigt sich deren Überlegenheit in einem eindrucksvoll martialischen Bild. Die "Maerks Alabama" war seit 1845 das erste us-amerikanische Schiff, das von Piraten geentert wurde. Deshalb war der amerikanischen Regierung sehr daran gelegen, diese Situation so schnell wie möglich zu beenden und gegenüber den Piraten Härte zu zeigen. Dadurch wird das Ende des Films sehr packend, auch inszeniert Paul Greengrass es nicht allzu patriotisch. -Zugleich stellt sich aber die Frage, was geschehen wäre, wenn es kein us-amerikanisches Schiff gewesen wäre. Eine Antwort liefert der dänische Film "Kapringen" ("A Hijacking") von Tobias Lindholm, der sehr sehenswert einen anderen Verlauf einer solchen Geiselnahme erzählt.

Fazit: "Captain Phillips" ist ein sehr sehenswerter Film mit einem großartigen Tom Hanks.





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