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22 Jump Street
22 Jump Street
© Sony Pictures

Kritik: 22 Jump Street (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Eigentlich ist es ein Frechheit, was sich Phil Lord und Christopher Miller (gemeinsam verantwortlich für den diesjährigen Überraschungserfolg "The Lego Movie") hier erlauben. Immerhin variieren sie die Undercover-Geschichte aus ihrem Komödienhit "21 Jump Street", der lose auf der gleichnamigen US-Serie basiert, im Nachfolger nur gering. Aus der Highschool wird ein College. Und statt Schmidt (Jonah Hill) findet Jenko (Channing Tatum) in der neuen Umgebung schnell Anschluss an die coolen Leute. Der Rest erinnert verdächtig an den Plot des ersten Teils und scheint demnach vor Ideenlosigkeit nur so zu strotzen. Da das Regiegespann jedoch das Konzept der Meta-Erzählung beherrscht, verwandeln sich die vermeintlichen Schwachpunkte im Handumdrehen in überraschende Pointen, die vor allem die anhaltende Fortsetzungssucht Hollywoods auf die Schippe nehmen. Gekonnt und derart witzig, dass "22 Jump Street" seinen Vorgänger spielend leicht in den Schatten stellt.

Die Wiederholung bewährter Muster – leider ein Merkmal vieler Sequels – entwickelt sich in diesem Kontext zu einem übergeordneten Prinzip, das den Zuschauer fortlaufend mit köstlich-amüsanten Dialogen versorgt. Während Schmidt und Jenko in ihren Gesprächen den Fall oder ihre Beziehung beleuchten und damit die Handlung vorantreiben, schwingt ständig eine zweite Ebene mit. Ein Subtext, der auf die offensichtlichen Ähnlichkeiten zum ersten Abenteuer anspielt und so filmische Regeln ironisch kommentiert.

Lord und Miller machen an diesem Punkt allerdings noch lange nicht Halt. Auch den üblichen Fortsetzungsgrößenwahn – alles muss lauter, knalliger, bunter sein – nehmen sie ins Visier, thematisieren ihn explizit und laden das Publikum dabei ein, über all die traurigen Beispiele zu lachen, die die Filmgeschichte bis heute hervorgebracht hat. Schon der Einstieg gerät deutlich actionreicher. Und die Schauwerte, insbesondere der neuen Kommandozentrale des "22 Jump Street"-Programms, fallen merklich beeindruckender aus als im ersten Teil. Etwas ermüdend wirkt das augenzwinkernde Spiel lediglich im großen Finale, in dem übersteigerte Actioneinlagen dann doch etwas zu sehr Überhand nehmen. Umso gelungener ist wiederum der Abspann, der den Sequel-Unsinn wunderbar auf die Spitze treibt. Sitzen bleiben lohnt sich hier allemal!

Auch abseits des Meta-Humors funktioniert "22 Jump Street" erstaunlich gut. Die allein optisch grundverschiedenen Hauptdarsteller harmonieren als Buddy-Gespann nahezu perfekt und schaffen es sogar, den Szenen emotionalen Tiefgang zu verleihen, die textlich etwas bemüht erscheinen. Anarchische Situationskomik entsteht vor allem dann, wenn ihre Gegensätzlichkeit ins Bild gerückt wird oder die beiden schauspielerisch ganz aus sich herausgehen können. So wie Jonah Hill bei einer Poetry-Slam-Veranstaltung, die sein improvisatorisches Talent wunderbar zum Vorschein bringt. Das von Herzen kommende Geplänkel der Protagonisten macht schließlich die an sich haarsträubende Kriminalgeschichte und einige unnötige Derbheiten vergessen und sorgt für durchgehend mitreißende Unterhaltung.

Dass "22 Jump Street" insgesamt deutlich runder wirkt als Teil eins, liegt nicht zuletzt an einem grandios-überdrehten Nebenstrang, in dem Captain Dickson (Ice Cube), der äußerst übellaunige Vorgesetzte von Schmidt und Jenko, zu Höchstform auflaufen darf. Mehr sei an dieser Stelle nicht verraten, um die Überraschung nicht zu verderben.

Fazit: Phil Lord und Christopher Miller gelingt, was in der heutigen Fortsetzungslandschaft selten geworden ist. Mit "22 Jump Street" übertreffen sie den Vorgänger von 2012 und bringen das unwiderstehliche Polizisten-Gespann Schmidt und Jenko noch stärker zur Geltung. Eine Buddy-Action-Komödie, die sich durch einen bestechenden Meta-Humor auszeichnet und nur selten in Fettnäpfchen tritt.





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