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Blue Jasmine
Blue Jasmine
© 2013 Warner Bros. Ent.

Kritik: Blue Jasmine (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Am Anfang von Woody Allens Film "Blue Jasmine" sitzt Jasmine (Cate Blanchett) in einem Flugzeug und erzählt ihrer Sitznachbarin von dem Scheitern ihrer Ehe mit dem reichen Hal (Alec Baldwin). Sie ist auf dem Weg zu ihrer Adoptivschwester Ginger (Sally Hawkins), um dort ein wenig Ruhe zu finden und sich zu überlegen, was sie mit ihrem Leben anfangen kann. Doch schon in den ersten Einstellungen wird deutlich, dass Jasmine äußerst neurotisch, wenig einfühlsam und sehr ich-bezogen ist. Sie lässt ihre Sitznachbarin nicht zu Wort kommen, reist erster Klasse, obwohl sie pleite ist, und macht aus ihrer Verachtung für die Situation, in die sie geraten ist, keinen Hehl. Schließlich wohnt Ginger nur in einer kleinen Wohnung, hat mit ihrem Ex-Mann Augie (Andrew Dice Clay) zwei laute Kinder und arbeitet in einem Supermarkt. Dagegen hat Jasmine im College Anthropologie studiert, aber noch vor ihrem Abschluss Hal geheiratet und ein vornehmes Leben geführt. Allein ihre Louis-Vitton-Koffer wirken in Gingers Wohnung sehr fehlplatziert. Jasmine habe eben – so konstatiert Ginger – die guten Gene gehabt, der Zuschauer ahnt aber von Anfang an, dass es wohl nicht nur die Veranlagung war, die Jasmine dorthin gebracht hat.

In Anlehnung an Tennessee Williams "Endstation Sehnsucht", in der die stolze Blanche DuBois zu ihrer Schwester und deren Arbeiter-Ehemann ziehen muss, erzählt Woody Allen in seinem neuen Film "Blue Jasmine" von dem selbstbetrügerischen Leben einer verwöhnten Frau. In Rückblenden wird nach und nach enthüllt, dass Hal ein Finanzbetrüger war, der das Geld anderer Leute zu seinem Vorteil ausgegeben und investiert hat. Dabei haben weder Hal noch Jasmine – die nicht ganz so unwissend ist, wie sie tut – vor Ginger und Augie Halt gemacht, als diese im Lotto gewonnen haben. Ihr Leben war auf dem schönen Schein aufgebaut, an dem Jasmine noch immer festhalten will. Aber ihre Chanel-Jacke kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie dem Nervenzusammenbruch nicht nur nah ist, sondern sich mittendrin befindet. Ständig betäubt sie sich mit Wodka und Xanax, hat Erinnerungen an die Zeit, in der sie glücklich war – und findet sich plötzlich mit sich selbst redend in der Realität wieder. Dabei gelingt es Cate Blanchett, die verzweifelte, neurotische und anstrengende Jasmine überzeugend zu spielen – und stets ihre Menschlichkeit durchschimmern zu lassen. Dadurch wird Jasmine niemals zur Karikatur, vielmehr nimmt der Zuschauer Anteil an ihrem Leben, obwohl er nicht unbedingt mit ihr sympathisiert. Mühelos wechselt Cate Blanchett von Jasmines psychisch labilen Momenten zu der glitzernden Ausstrahlung, die sie einst als Ehefrau auszeichnete. Wenn sie beispielsweise auf einer Party den ehrgeizigen Dwight (Peter Sarsgaard) kennenlernt, der in ihre eine passende Ehefrau für die angestrebte politische Karriere sieht, setzt sie alles daran, seinem Bild zu entsprechen und erfindet eine passende Vergangenheit. Dabei wird zugleich Jasmines Talent zur Selbstinszenierung deutlich, das sie ihr gesamtes Leben auszeichnete.

Sicherlich ist Cate Blanchett der Star dieses sehenswerten Films, doch auch die übrige Besetzung kann sich sehen lassen. Sally Hawkins verkörpert die lebensnahe Ginger mit dem richtigen Maß an Zurückhaltung, Bobby Cannavale ist herrlich als ihr Proll-Freund Chili – und in kleineren Rollen überzeugen die Comedians Louis C.K. als verführerischer Ton-Ingenieur und Andrew Dice Clay als Gingers Ex-Ehemann Augie. Insgesamt ist "Blue Jasmine" daher nach dem enttäuschenden "To Rome With Love" abermals ein überzeugender Film von Woody Allen.

Fazit: "Blue Jasmine" ist ein tragikomischer Film voller typischem Woody-Allen-Flair mit einer großartigen Cate Blanchett.





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