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A Walk Among the Tombstones
A Walk Among the Tombstones
© Universal Pictures

Kritik: Ruhet in Frieden - A Walk among the Tombstones (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

In den letzten Jahren sorgte Hollywood-Star Liam Neeson vor allem als kompromissloser Actionheld für nachhaltiges Aufsehen und nahm damit einen doch erstaunlichen Imagewechsel vor. Dass er auch weiterhin leisere Töne anschlagen kann, unterstreicht die Romanadaption "Ruhet in Frieden – A Walk among the Tombstones", die den kantigen Nordiren zwar erneut zum wortkargen Einzelgänger stilisiert, gleichzeitig aber weitaus grüblerischer zeigt als etwa in der rabiaten "96 Hours"-Reihe. Vorbilder sind dieses Mal nicht so sehr Selbstjustizfantasien im "Ein Mann sieht rot"-Verschnitt, sondern die amerikanische Hardboiled-Literatur und der Film noir.

In der Tradition klassischer Genrefiguren – die Namen Philip Marlowe und Sam Spade fallen wiederholt – ist auch der Privatdetektiv Matthew Scudder ein gebrochener Antiheld, der sich von den Schatten einer unrühmlichen Vergangenheit befreien will und verzweifelt nach Erlösung sucht. Mit ihm begibt sich der Zuschauer in eine trostlose Halbwelt. Ein winterliches New York, das vor allem aus unwirtlichen Orten – anonymen Straßenzügen, heruntergekommenen Wohnhäusern, einem uralten Friedhof – zu bestehen scheint. Ein New York, dem jegliche Farbe entzogen wurde und das somit den Glanz vermissen lässt, den der Big Apple in vielen anderen Filmen verströmt.

Regisseur Scott Frank ("Die Regeln der Gewalt") und Kameramann Mihai Malaimare Jr. erzeugen eine bedrückende, düster-melancholische Stimmung, die durch das differenzierte Spiel des Hauptdarstellers entscheidend verstärkt wird. Neeson strahlt, wie immer, eine beeindruckende körperliche Präsenz aus, gibt den hartgesottenen Ermittler aber erstaunlich zurückgenommen und lässt mehrfach die tief sitzende Verzweiflung seiner Figur glaubwürdig aufscheinen. Dass Scudder, trotz aller Verfehlungen, sein Herz am rechten Fleck trägt, verdeutlicht die merkwürdige Freundschaft, die der Privatdetektiv mit der Zeit zum Straßenjungen TJ (Brian "Astro" Bradley) aufbaut. Auch wenn ihre Annäherung etwas forciert anmuten mag, bringt sie immerhin so etwas wie einen Hoffnungsschimmer in das ansonsten unterkühlte Geschehen.

Während Frank atmosphärisch vieles richtig macht und auf einen überzeugenden Liam Neeson setzen kann, entpuppt sich der Serienkiller-Plot als kleine Enttäuschung, da er viele bekannte Bausteine aneinanderreiht, Frauen, wie so häufig im Genre, als hilflose Opfer zeigt, seinen Protagonisten zu selten mit gravierenden Hindernissen konfrontiert und in manchen Momenten die Spannung unnötig abfallen lässt. Hier und da schleichen sich Längen ein, die man ohne Probleme hätte umschiffen können. Gemischte Gefühle ruft auch das Finale hervor, bei dem Frank die Gewaltschraube plötzlich merklich andreht und die innere Entwicklung Scudders ein wenig zu ausufernd bebildert.

Fazit: Liam Neeson brilliert in dieser atmosphärisch dichten Bestseller-Verfilmung als abgehalfterter Privatdetektiv auf der Suche nach Erlösung, kann das recht vorhersehbare Drehbuch aber nicht über solide Serienkiller-Kost hinausheben.




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