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Jane Got a Gun
Jane Got a Gun
© SquareOne © Universum Film

Kritik: Jane Got a Gun (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Unter der Regie von Gavin O'Connor ("Das Gesetz der Ehre") wird Natalie Portman zur stolzen Westernheldin. Die Schauspielerin, die auch als Produzentin fungiert, stellt eine Frau dar, die sich im Wilden Westen des 19. Jahrhunderts behaupten muss. Ihr Kampf gegen die steckbrieflich gesuchte Bishop-Bande führt die beiden Männer zusammen, denen sie ihre Liebe schenkte. Während sie mit dem verletzten Ehemann und dem zu Hilfe gerufenen Dan Frost auf die Feinde wartet, muss sie sich den bohrenden Fragen des einstigen Verlobten stellen. In den langen Passagen, in denen nicht geschossen wird, gerät der ungewöhnliche, in sich gekehrte Western zum Kammerspiel.

Jane Hammond ist ein Bild von einer Frau: Natalie Portman spielt sie mit stolz erhobenem Kopf als eine leidensfähige, aber würdevolle Person. Sie will weder ihr Haus, noch ihren schwer verletzten Mann aufgeben, um sich selbst vor den angreifenden Outlaws zu retten. Aber wie so oft im Westerngenre, ist die Auswahl an Mitstreitern in der Not nicht besonders groß. Joel Edgerton spielt den immer noch in Jane verliebten Dan Frost, dessen Gefühle tief verletzt sind, besonders in den langen Dialogpassagen mit ihr bewegend. Die Klärung ihrer Beziehung nimmt einen großen Teil der auch mit Hilfe von Rückblenden aufgerollten Geschichte ein.

Natürlich gibt es auch hier Schießereien und brutale Szenen, aber das Charakteristische ist die ungewöhnliche Ruhe, die das Drama ausstrahlt. Wenn Jane und Dan vor dem Haus im Dunkeln sitzen und auf die Bösen warten, scheint die Zeit regelrecht still zu stehen. Dieses verhaltene Erzähltempo ist einerseits reizvoll, andererseits behindert es aber auch den Aufbau einer verlässlichen Spannung. Die verschiedenen Rückblenden sorgen gelegentlich für Verwirrung, bevor sie sich mit der Gegenwartsebene zu einer schlüssigen Geschichte vereinen lassen. Im Bestreben, den Wilden Westen als Ort zu schildern, der für friedliebende Menschen, besonders aber für alleinstehende Frauen nicht geschaffen war, zwängt der Film seine Charaktere in ein zu starres Korsett, das ihnen wenig lebendigen Spielraum lässt. So dauert es eine geraume Weile, bis sich die Gefühlswelt in dieser Dreierbeziehung entfalten kann. Dann aber gewinnt die Geschichte doch noch eine ansprechende Tiefe und Aussagekraft: Über die Jahre hat die Liebe drei Menschen auf verworrenen Pfaden angeleitet, das Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen und nach vorne zu schauen.

Fazit: Natalie Portman spielt eine selbstbewusste Westernheldin, in deren Herzen Platz für zwei Männer ist. Es dauert eine Weile, bis sich in der gedrückten Stimmung herannahender Gefahr und der von Rückblenden geprägten Erzählstruktur die Gefühlsbeziehungen schlüssig entfalten können. Dabei kommt das eigentümlich zurückgenommene Tempo der an sich reizvollen und um Realitätsnähe bemühten Geschichte nicht immer zugute.




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