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Need for Speed
Need for Speed
© Constantin Film

Kritik: Need for Speed (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

"Need for Speed" beruht auf der gleichnamigen Videorennspiel-Reihe des Computerspiel-entwicklers Electronic Arts, die 1994 ihren Anfang nahm. Seitdem erscheint fast jährlich ein neuer Teil der Reihe, die sich bis heute fast 150 Millionen Mal verkauft hat. "Need for Speed" wurde von dem ehemaligen Stuntman Scott Waugh ("Act of Valor") inszeniert, dem für seine Kino-Adaption über 60 Millionen Dollar zur Verfügung standen. Und der Film bietet neben seinen optischen Schauwerten in Form der gelackten und funkelnden Boliden und aufgemotzten Rennautos vor allem das, was Fans der "Fast & Furios"-Reihe so schätzen: handgemachte Action und nervenaufreibende Verfolgungsjagden. Auf diesem Terrain vermag "Need for Speed" auch zu überzeugen, Story und Figurenentwicklung bleiben da aber fast schon zwangsläufig (im wahrsten Sinne des Wortes) auf der Strecke.

"Fast & Furios"-Fans sind ja bereits eine ganze Reihe an Filmen gewohnt, in denen die Story und Charaktere lediglich eine untergeordnete Rolle spielen und deutlich hinter den Action-Szenen und Stunts zurückstehen. Das ist bei "Need for Speed" nicht anders, Regisseur Waugh treibt seine schweißhaltige, öltriefende Bleifuß-Jagd einmal quer durch die USA mit geradezu wahnwitzigen Einlagen und überzogenen, irren Stunts noch auf die Spitze. Das hat nicht mehr viel mit Glaubwürdigkeit und Logik zu tun, wenn beispielsweise Tobey in seinem Auto minutenlang an einem nur spärlich befestigten, dünnen Seil hängt und von einem Helikopter durch die Lüfte transportiert wird. Hohen Unterhaltungswert haben Szenen wie diese aber allemal.

Auch machen sich die größtenteils handgemachtem Action-Szenen und halsbrecherischen Stunts hier sehr gut. Mehr noch als "Fast & Furios" verzichtet "Need for Speed" auf CGI-Effekte und Unterstützung aus dem Computer. Hier atmet "Need for Speed" 70er-Jahre-Roadmovie-Luft im Stile eines "Die Blechpiraten" (1974) oder "Fluchtpunkt San Francisco" (1971). Die gewählten Kameraperspektiven sorgen dafür, dass man sich als Zuschauer zudem oft mitten ins Geschehen hineinversetzt fühlt und den Rausch der Geschwindigkeit glaubwürdig nachempfinden kann. Waugh montierte seine Kameras auf, in und über den Autos, die in Hochgeschwindigkeit über die Straßen rauschen.

Nun aber genug des Lobes: "Need for Speed" ist auch ein Film mit hanebüchen-lächerlicher, an den Haaren herbeigezogener Story, die jedes erdenkbare Rennfilm-Klischee erfüllt. Der Film legt einen dermaßen großen Wert auf seine optischen Schauwerte und die Action, dass kaum Zeit und Raum für Plausibilität in der Geschichte oder Tiefe der Figuren bleibt. Die Charaktere bleiben trivial und schematisch, und das ausnahmslos, von der blassen Hauptfigur Tobey über die gelangweilt agierende Imogen Poots als Tobeys Sex-Gespielin Julia, bis hin zum alles andere als furchterregenden Bösewicht Dino. Am schwersten zu ertragen sind dann aber wohl tatsächlich die stereotypen, am Reißbrett entworfenen Sidekicks, die weder unterhaltsam noch notwendig erscheinen. Trauriger Tiefpunkt: Michael Keatons überzeichneter, schriller Autorenn-Guru, dessen öde und witzlose Sprüche an Überflüssigkeit kaum zu toppen sind.

Fazit: Viel PS, wenig Story - Lediglich die handgemachten, spektakulären Action-Szenen und die schweißtreibenden Verfolgungsjagden sind gelungen. Story und tiefgründige Figuren existieren in diesem klischeeüberfrachteten Film praktisch nicht.





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