VG-Wort

oder

Kritik: Bloodshot (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

"Bloodshot" beruht auf den Geschichten um den gleichnamigen Comic-Helden aus dem Hause Valiant Comics. Die Figur zählt zu den bekanntesten Charakteren des Ende der 80er-Jahre gegründeten Verlages. Das erste Heft mit dem "Nano"-Superhero erschien in den frühen 90er-Jahren. In den 2000ern mauserte sich Valiant Comics für einige Jahre zum dritterfolgreichsten Comic-Verlag der Welt – hinter Marvel und DC. "Bloodshot" ist der Spielfilm-Erstling von Filmemacher Dan Wilson, der – obwohl es sich um ein Debüt handelt – ein üppiges Produktionsbudget von über 40 Millionen US-Dollar ausgeben durfte.

Eine ebenso wahnwitzige wie futuristische Prämisse: ehemaligen Soldaten wird ein mysteriöses Serum injiziert, durch das sich in ihrem Blut unzählige kleine Nanomaschinen bilden, die wiederrum außerordentliche Reflexe und gewaltige Kräfte für den Menschen zur Folge haben. Jegliche Anflüge von Logik oder Anspruch darf man von einem Film wie "Bloodshot" natürlich im Ansatz nicht erwarten. Wer sich unter dieser Voraussetzung ins Kino wagt und sich im Stile anderer abstrus-trashiger Videospiel- oder Comicverfilmungen á la""Hitman" oder "Punisher" einfach nur sinnfrei berieseln lassen möchte, der könnte mit "Bloodshot" seine kurzweilige Freude haben.

Das liegt vor allem am gewohnt wortkarg auftretenden Vin Diesel, der sich in seiner Rolle als rachelüsterne Kampfmaschine scheinbar ebenso wohl fühlt wie als "Pitch Black". Diesels mimische Ausdrucksfähigkeit ist zwar gewohnt minimalistisch gehalten und ohnehin sehr begrenzt, dafür glänzt das Muskelpaket mit charismatischer Präsenz und roher, kerniger Gewalt in den Action- und Kampfszenen. Letzteres kann man vom Antagonisten leider nicht behaupten. Psychopath Axe bleibt in seiner charakteristischen Ausarbeitung, ebenso wie Toby Kebell in seiner lustlosen Darstellung, eher blass und austauchbar.

Dasselbe gilt übrigens für einen Großteil der Effekte. Vom (ungemein wuchtigen) Crash zwischen einem LKW und einem SUV-Konvoi in einem Tunnel über einige an der Hauptfigur abprallende Maschinengewehrkugeln bis hin zu den "Nanorobotern", die sich durch die Venen des Protagonisten hindurchschlängeln: die CGI-Umsetzung erinnert nicht selten an billige Computerspiel-Ästhetik und bietet nur ein geringes Maß an visueller Pracht. Immerhin vermögen einige der – vielfach handgemachten – Actionszenen dank rasanter Kameraführung und temporeicher Inszenierung zu überzeugen.

Fazit: Visuell und ästhetisch lediglich durchwachsener, dank mitreißender Action-Momente und eines spielfreudigen Hauptdarstellers dennoch kurzweilig geratener Superhelden-Action-Sci-Fi-Genre-Hybrid.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.