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Sein letztes Rennen
Sein letztes Rennen
© Universum Film

Kritik: Sein letztes Rennen (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Nur weil er wegen seiner Frau ins Altenheim ziehen muss, gibt Paul Averhoff seine Träume nicht auf. Er will es sich und den anderen beweisen, dass er, der Olympiasieger von 1956, noch einmal einen Marathon laufen kann. Kilian Riedhof präsentiert mit diesem Drama, das von beschwingtem Humor durchzogen ist, sein Kinoregiedebüt. Star des Films ist der zum Zeitpunkt des Drehs 77-jährige Dieter Hallervorden. Er sorgt als Sympathieträger maßgeblich dafür, dass die durchaus problembewusste Geschichte einen spielerischen Charakter bekommt.

Filme über alte Menschen, die ins Heim ziehen, kommen in letzter Zeit öfter ins Kino. Kürzlich waren Dustin Hoffmans Regiedebüt "Quartett" zu sehen oder der ebenfalls humoristische "Best Exotic Marigold Hotel". Im Gegensatz zu diesen Geschichten schlägt "Sein letztes Rennen" einen ernsteren und kritischeren Ton an. Die für das Beschäftigungsprogramm im Heim zuständige Betreuerin, Frau Müller, hat sogar eine gewisse Ähnlichkeit mit der bösen Krankenschwester im Filmklassiker "Einer flog über das Kuckucksnest". Sie ist nicht wirklich an einem Dialog mit den Bewohnern interessiert, sondern verhält sich manipulativ. Aber auch Oberschwester Rita (Katrin Sass) will nicht, dass Paul im Park trainiert. Es ist im Heim weder erwünscht noch üblich, dass die Bewohner allzu viel Eigeninitiative entwickeln. Der Film zeigt solche Probleme realitätsnah auf, ohne sie für unüberwindbar zu halten.

Dieter Hallervorden stattet den liebenswerten Sturkopf Paul mit viel Charme und einer luftigen Naivität aus, die es ihm erleichtert, den Mut zu behalten. Aber auch etliche Nebenfiguren sind sympathisch gezeichnet und fügen sich zu einem lebhaften Ensemble. Frederick Lau spielt einen jungen Pfleger, hinter dessen unfreundlicher, prolliger Fassade ein großes Herz steckt. Unter den Heimbewohnern gibt es markante Typen wie den begeisterten Fan oder die Nörglerin, die Klartext redet. Talkshow-Moderator Reinhold Beckmann spielt sich selbst in einer interessanten Passage. Heike Makatsch hingegen hat als gestresste Tochter eine eher undankbare Rolle, die nicht wirklich zum Rest der Geschichte passt.

Obwohl der Film überwiegend gelungen und unterhaltsam ist, hat er auch ein paar Schwächen. Indem sich die Geschichte sowohl mit Problemen im Heim befasst, als auch mit Pauls Marathonprojekt und seiner Ehe, wirkt sie nicht aus einem Guss. Auch geht ihr irgendwann etwas die Puste aus und sie wirkt in die Länge gezogen, als würde sie irrtümlich darauf vertrauen, von starken Gefühlen getragen zu werden.

Fazit: Dass es auch im Altenheim nicht zu spät sein muss, um für einen Marathonlauf zu trainieren, zeigt das nicht immer ernste Drama "Sein letztes Rennen". Hauptdarsteller Dieter Hallervorden ist der Sympathieträger in einer recht vergnüglichen Geschichte, die aber unterwegs ein wenig an Schwung verliert.




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