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Hercules: The Thracian Wars
Hercules: The Thracian Wars
© Paramount Pictures Germany

Kritik: Hercules: The Thracian Wars (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Wer kennt sie nicht? Die griechische Sagengestalt Hercules. Den Göttersohn, der zwölf übermenschliche Aufgaben vollbracht haben soll. Und stets als unbesiegbarer Muskelmann dargestellt wird. Einen Helden, der wie geschaffen ist fürs Kino. Das von großen Bildern lebt, von legendären Taten und epischen Geschichten. Anfang 2014 konnte das Publikum bereits Renny Harlins Interpretation der Halbgottsage mit "Twilight"-Star Kellan Lutz in der Hauptrolle bestaunen. Ein unausgegorenes Schlachtenepos mit faden Computereffekten und gelangweilt agierenden Darstellern, das nicht nur bei den Kritikern durchfiel, sondern auch in den Lichtspielhäusern eine saubere Bruchlandung hinlegte. Umso gespannter durfte man sein, wie sich "Rush Hour"-Regisseur Brett Ratner der ikonischen Heldenfigur nähern würde.

Seine Version der Hercules-Geschichte basiert auf einem Comic von Steve Moore und wartet mit einer recht interessanten Prämisse auf. Immerhin begegnet uns der Protagonist hier als einfacher Söldner, der zusammen mit einer Gruppe verwegener Gefährten durch die Lande zieht und demjenigen seine kriegerischen Dienste anbietet, der ihn gebührend entlohnen kann. Zunächst ist also nichts zu sehen von der glorreich-göttlichen Aura, die den griechischen Kraftprotz eigentlich umweht. Schon der Einstieg, in dem Iolaus (Reece Ritchie), der Neffe der Titelfigur, die sagenhaften Taten seines Verwandten anpreist, fährt eine spannende Doppelstrategie. Einerseits vermitteln seine Erzählungen das klassische Bild des unbezwingbaren Halbgottes, könnten aber ebenso gut bewusste Übertreibungen sein, die vor allem ein Ziel verfolgen: den Gegner zu verunsichern und damit entscheidend zu schwächen.

Neben den Diskurs über die Bildung und Nutzbarmachung von Legenden gesellt sich außerdem ein persönlicher Subplot, der die tragische Hintergrundgeschichte von Hercules (Dwayne Johnson) beleuchtet und seine Verletzlichkeit betonen soll. Da die Rückblenden und Alpträume des Protagonisten allerdings recht beliebig in die Handlung eingestreut werden und inszenatorisch wenig hermachen, bleibt emotionale Tiefe bloß ein frommer Wunsch. Umso beeindruckender sind hingegen die großen Schlachtsequenzen (insbesondere die erste in einem verwüsteten Dorf), in denen Hauptdarsteller Dwayne Johnson, befreit von mimischen Subtilitäten, seinen durchtrainierten Körper voll zur Geltung bringen kann. Einigen Aktionsraum bekommen in diesen Szenen auch die Begleiter des Hercules, aus deren Mitte der mahnende Seher Amphiaraus (Ian McShane) herausragt, weil er das wilde Kampfgetümmel ab und an mit trockenen Sprüchen bereichern darf.

Auch wenn das Drehbuch kleinere Haken schlägt, dürfte der Plot-Verlauf das Publikum nicht sonderlich überraschen. Das wäre an sich nicht weiter schlimm, würden Ratner und seine Autoren ihre Grundidee nicht zunehmend untergraben. Stehen Hercules‘ göttlicher Status und seine übermenschlichen Kräfte anfangs zur Diskussion, erfahren sie mit der Zeit immer größere Bestätigung, bis der Muskelprotz im unfreiwillig komischen Finale endgültig zum titanenhaften Superhelden mutiert. Das ist äußerst schade und stutzt den Monumentalfilm dann doch auf beliebig-durchschnittliches Genre-Maß herunter.

Fazit: Sauber choreografierte Kampfszenen und ein imposanter Dwayne Johnson in der Titelrolle sorgen durchaus für Unterhaltungswert. Zu mehr reicht es aber nicht, da die Macher ihre reizvolle Prämisse – Hercules als Normalsterblicher – leider nur halbherzig weiterspinnen.





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