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Kritik: Kind 44 (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

"Kind 44" ist nach dem Action-Thriller "Safe House" mit Denzel Washington, der erste Film des chilenisch-schwedischen Regisseurs Daniel Espinosa seit 2012. Erste Aufmerksamkeit erregte er 2010 mit seinem Thriller "Easy Money". "Kind 44" beruht auf dem gleichnamigen, 2008 erschienen Bestseller-Roman des Autors Tom Rob Smith, der darin die wahren Kindermorde des Serienkillers Andrei Tschikatilo, beschreibt. Smith verlegte die Handlung ins stalinistische Sowjetreich zu Beginn der 50er-Jahre. Die wahren Morde spielten sich jedoch in den frühen 80er-Jahren ab. Tschikatilo konnte erst nach dem Ende der UdSSR Anfang der 90er-Jahre ermittelt und verurteilt werden. Er soll insgesamt etwa 50 Kinder ermordet haben. "Kind 44" erwies sich trotz der erfolgreichen Romanvorlage und der filmisch bisher kaum bearbeiteten Thematik, an der US-Kinokasse als katastrophaler Flop.

Diesen Misserfolg an der Kinokasse hat der Film - trotz einiger doch deutlicher Schwächen - nicht verdient, hier handelt es sich um einen alles in allem routiniert inszenierten, sehenswerten Paranoia-Thriller, der sein Augenmerk jedoch weniger auf die Jagd nach dem Täter richtet. Vielmehr steht das Porträt einer düsteren, von Denunziation und Misstrauen geprägten Epoche in der Geschichte Russlands, im Zentrum. Der Film spielt inmitten der brutalen, unterjochenden Herrschafts-Diktatur unter Stalin, einer Zeit also, in der Dinge wie Verbrechen, Mord und Serienkiller offiziell nicht existierten. Ein jeder, der davon sprach oder Kritik am "perfekten System" übte, machte sich automatisch zum Staatsfeind. "Kind 44" fängt diese negative, bedrückende Stimmung jener Tage dank einer dauerhaft bedrohlichen Atmosphäre und der in tristem grau gehaltenen Bildsprache gekonnt ein. Das Gefühl der Angst und Unsicherheit ist allgegenwärtig.

Die Darsteller agieren allesamt solide und sorgen dafür, dass man die komplexen, vielschichten Figuren jederzeit ernst nimmt und mit ihnen fühlt. Vor allem Tom Hardy gefällt in der Rolle des resoluten Ex-Agenten, der zu Beginn noch an das diktatorische System mit all seinen Repressalien glaubt, nach dem Aufkommen der Mordserie jedoch mehr und mehr das Vorgehen von Staat und Politik sowie den Entscheidungsträgern im Land anzweifelt. Ein wenig aus den Augen verliert Regisseur Espinosa die Jagd nach dem Mörder. Diese gestaltet sich mitunter zu fad und wird im Vergleich zur Darstellung des politischen und gesellschaftlichen Alltags in der Sowjetunion, nicht konsequent und spannend genug dargestellt. Hier merkt man deutlich, dass Espinosa mehr an einer realistischen Zeichnung des Systems als an einem mitreißenden Serienmörder-Thriller lag. Enttäuschend sind auch die wenigen Action-Einlagen geraten. Diese fordern vom Zuschauer aufgrund des nervtötenden, übertriebenen Einsatzes von verwackelten Handkamera-Bildern, Durchhaltevermögen und Geduld vom Betrachter ein.

Fazit: Solider, überzeugend ausgestatteter Paranoia-Thriller mit gut aufgelegten Darstellern, der ein realistisches Bild vom Leben in der Sowjetunion unter Stalin in den frühen 50ern entwirft. Die allzu verwackelt eingefangenen Action-Sequenzen und die erzählerischen Missstände beim Nebenstrang um die Jagd nach dem Killer, enttäuschen jedoch.




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