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Jets - Helden der Lüfte
Jets - Helden der Lüfte
© Splendid Film © 24 Bilder

Kritik: Jets - Helden der Lüfte (2012)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 1 / 5

2006 erbrachten die Pixar Animation Studios mit "Cars" den Nachweis, dass sprechende Fahrzeuge einen ganz eigenen Charme entwickeln können. Der Erfolg des rasanten und emotional gefärbten Animationsfilms zog – wie sollte es in der stark von ökonomischen Interessen dominierten Kinobranche anders sein – eine Fortsetzung nach sich, die 2011 in die deutschen Kinos kam. Für Ende August steht mit Disneys "Planes" eine neue Variante dieses Erfolgsmusters in den Startlöchern, die anstelle lebendiger Autos sprechende Flugzeuge ins Zentrum der Geschichte rückt. Knapp zwei Monate früher gelangt nun mit der russischen Produktion "Jets – Helden der Lüfte" ein sehr ähnlich gelagertes Animationsabenteuer auf die deutschen Leinwände, das sicherlich von der Aufmerksamkeit des später anlaufenden Disney-Films profitieren soll.

Schon die recht lieblose grafische Gestaltung von "Jets" wirft angesichts der Genre-Verortung gravierende Probleme auf: Der Film entführt den Zuschauer in eine Welt, die hinsichtlich ihres Detail- und Einfallsreichtums weit hinter dem zurückhinkt, was man aus anderen – selbst älteren – Animationswerken gewohnt ist. In der stets künstlich und flächig wirkenden Umgebung fällt es schwer, einen emotionalen Bezug zu den auftretenden Figuren aufzubauen. Verstärkt wird dieser Umstand durch die eher eindimensionale Zeichnung der Handlungsträger: Maverick ist der unerfahrene, aber eifrige Held, der lernen muss, sich durchzusetzen. Seine einzige Schwäche stellt letztlich nur sein recht naives Verhalten dar, das er lange Zeit nicht ablegen kann. Die beiläufig angedeutete Höhenangst – ein Aspekt, der gerade im Hinblick auf ein aufstrebendes Flugzeug viel Konfliktpotenzial geliefert hätte – wird für die Geschichte im Grunde nie genutzt und verkommt so zu einer beliebigen Facette ohne Mehrwert. Ähnlich unausgereift wirkt auch die Flieger-Dame Lightning. Sie bleibt die meiste Zeit auf die Rolle des hübschen Love Interest reduziert, lässt sich von Icemans Manipulationen viel zu leicht blenden und kann keine eigenen Akzente setzen. Darüber hinaus ist die Beziehung zu ihrem Großvater Vet, der ihr angeblich viel bedeutet, merkwürdig unterentwickelt.

Anders als die wenig einfallsreich gestalteten Hauptfiguren sorgen einige der Nebencharaktere zumindest für gelegentliche Auflockerung. Witzig ist beispielsweise die Idee, dass sich Mavericks chaotischer Sidekick Falcon vor einer Gruppe Spatzen fürchtet. Seine Angst geht so weit, dass die kleinen Vögel den Falken sogar in seinen Träumen heimsuchen. Für amüsante Abwechslung sorgen zudem die eingerosteten Flugzeuge, die zu Lightnings Gymnastikkurs erscheinen. Sie sind sichtlich in die Jahre gekommen, ihre Motoren wollen nicht mehr richtig anspringen, und doch sind sie nicht verbittert.

Diese positiven Ansätze bewahren "Jets" jedoch keineswegs vor einer unsanften Bruchlandung. Die Geschichte rund um den Underdog-Flieger springt mehr oder weniger gleichgültig von einem Höhepunkt zum nächsten, ohne dass ein sonderlich durchdachter Handlungsverlauf erkennbar wäre. So stolpert Maverick regelrecht in das Abenteuer hinein – immerhin wird er erst aufgrund einer nicht nachvollziehbaren Verwechslung zur Fliegerstaffel zugelassen –, und Vets Haltung gegenüber seinem jungen Schützling ändert sich mitunter von Szene zu Szene. Auch das Finale des Films kann nicht wirklich überzeugen. Hier überschlagen sich förmlich die Ereignisse, Informationen, die bislang keine Rolle gespielt haben, tauchen wie aus dem Nichts auf, und die Konfrontation zwischen Maverick und Iceman findet ein so abruptes Ende, dass man sich als Zuschauer nur verwundert die Augen reiben kann.

Fazit: Mit kraftvollem, spannendem und einfallsreichem Familienkino hat der technisch äußerst bescheiden umgesetzte Animationsfilm "Jets – Helden der Lüfte" wenig gemein.





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