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Kritik: Vaterfreuden (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Auch für den charmanten Kronprinzen der romantischen deutschen Komödie, Matthias Schweighöfer, wird es langsam Zeit, Rollen zu spielen, in denen er Nachwuchs bekommt. Sein Charakter Felix ist in seinem Freundeskreis der einzige, der noch keine Familie gegründet hat. In diesem Alter muss Mann dem Ernst des Lebens die Stirn bieten und der Frau oder Freundin den schon ziemlich dringenden Kinderwunsch erfüllen. Nur Felix kann sich für Gesprächsthemen wie den Zeitpunkt des Eisprungs oder die korrekte Ausdrucksweise in Gegenwart von Kindern nicht begeistern. Aber tief in ihm wartet die Sehnsucht, Vater zu werden, nur darauf, entdeckt zu werden. Der emotionale Druck entsteht, indem Felix nach einer Samenspende zur Unfruchtbarkeit verdammt wird. Falls er je ein eigenes Kind sehen will, sollte er schon mal anfangen, nach der Frau zu suchen, die sich für sein Sperma entschieden hat.

Der Film, den Schweighöfer auch inszeniert hat, basiert auf dem Roman "Frettsack" von Murmel Clausen. Und er dient mit seiner gefälligen Geschichte hauptsächlich dazu, das Image von Felix als liebenswertem, unwiderstehlichem Typen zu stützen. Er mag ja ein Chaot sein und noch nicht wirklich erwachsen, aber mit seiner Patentochter Leonie (Lina Hüesker) geht er vorbildlich um. Der schwangeren Maren stechen solche Qualitäten sofort ins Auge: Ihr reicher Freund nämlich ist kalt und an der Vaterschaft nicht wirklich interessiert. Felix darf nach Schweighöfer-Art lustig, unbekümmert, herzlich und ein wenig flippig sein, aber er bekommt auch Tiefgang mit einem seelischen Trauma, das er nicht verwunden hat. Seit nämlich vor Jahren seine große Liebe, die ein Kind von ihm erwartete, bei einem Autounfall starb, setzt er sich nicht mehr in ein motorisiertes Fahrzeug. Und hat wohl auch Angst, sich neu zu binden.

Wie auch der Tierslapstick mit dem Frettchen wirken viele inhaltliche Zutaten hauptsächlich deswegen beigefügt, damit sie ein hübsches und abwechslungsreiches Ganzes formen. Vor allem aber muss es schön anzuschauen sein: In München, wo die Geschichte spielt, finden vor der Kamera nur steinerne Isarbrücken, die zum Freizeitpark eines anderen Viertels zu führen scheinen, oder historische Prachtgebäude mit herangezoomten Brunnen Gnade. Hässliche Dinge wie Autostraßen und Verkehrslärm werden einfach ausgeblendet aus diesem Wunschtraum einer Stadt der Flaneure. Auch die verschiedenen Wohnungen sind so gewählt und eingerichtet, wie die meisten Menschen gerne leben würden, es aber in Wirklichkeit garantiert nicht tun. So wirkt der schöne Schein dieses adrett zusammengebastelten Filmvergnügens doch auch ziemlich flach und flüchtig.

Fazit: Matthias Schweighöfer spielt in dieser gefällig zusammengebastelten Komödie wieder den niedlich-flippigen Kerl, der immer auf die Füße fällt. Der vergnügliche, verführerische Glanz der Geschichte bleibt recht oberflächlich.




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