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Exodus: Götter und Könige
Exodus: Götter und Könige
© 20th Century Fox

Kritik: Exodus: Götter und Könige (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Ridley Scott und überlebensgroße Geschichten – das scheint irgendwie zusammenzugehören. Nach bildgewaltigen, mitunter recht pathetischen Epen wie "1492 – Die Eroberung des Paradieses", "Gladiator" und "Königreich der Himmel" nimmt sich der britische Filmemacher nun einen Bibelstoff vor, um das Kinopublikum in seinen Bann zu ziehen. In puncto Optik hat der bekennende Agnostiker dabei durchaus Erfolg. Ob detailreiche Aufnahmen vom prachtvollen Memphis, ausschweifende Panoramaansichten der Wüste oder versiert eingefangene Schlachtsequenzen – dem Auge wird hier, freilich unter Mithilfe modernster Computer-Technologien, allerhand geboten. Selbst horrorfilmartige Katastrophenszenarien, wenn Gott die biblischen Plagen über das Volk des ägyptischen Pharaos Ramses (Joel Edgerton) hinwegfegen lässt, weil sich der machtverliebte Herrscher weigert, die hebräischen Sklaven freizusetzen. Ein düsterer Bilderreigen bricht an dieser Stelle über den Betrachter herein, nimmt ihn gefangen und führt ihm gleichzeitig vor Augen, dass der alttestamentarische Schöpfer nicht nur als gütige Instanz in Erscheinung tritt, sondern auch als rücksichtsloser Rächer.

Ambivalente Erkenntnisse wie diese scheinen mehrfach auf, werden aber leider viel zu oft von der dominierenden Spektakel-Dramaturgie erdrückt. Nicht nur die kritischen Ansätze gehen so jedes Mal recht schnell unter. Auch die Figuren treten ständig hinter den übergroßen Bildern zurück. Angefangen beim Protagonisten Moses (Christian Bale), der zunächst als ungläubiger Skeptiker aufgebaut wird, nach der Begegnung mit Gott (in Gestalt eines Kindes!) allerdings nur noch selten als innerlich zerrissener Zauderer zu sehen ist. Fortan hat er einen Auftrag, den er zwar nicht mit missionarischem Eifer, wohl aber mit großer Entschlossenheit angeht. Wenig ausgereift erscheint darüber hinaus die zwiespältige Beziehung zu seinem Adoptivbruder Ramses, den der Film die meiste Zeit als theatralisch-gigantomanischen Bösewicht zeichnet. Lediglich ab und an blitzen seine erstaunlich feinfühligen Eigenschaften auf. Etwa in den Momenten, die ihn mit seinem kleinen Sohn zeigen, oder als er zu einem späteren Zeitpunkt das grausame, von Gott eingeleitete Sterben der ägyptischen Kinder gegenüber Moses scharf verurteilt.

Noch skizzenhafter als die zentralen Widersacher wirken schließlich Nebenfiguren wie die von Sigourney Weaver verkörperte Tuya, die intrigante Mutter des Ramses, der von John Turturro dargestellte Pharao Seti oder der hebräische Sklave Nun (Ben Kingsley), der Moses über seine wahre Abstammung aufklärt. Sie alle sind nicht so sehr relevanter Teil der Handlung, sondern erscheinen oftmals bloß wie in die Szenerie gestellt. Prominentes Beiwerk, das der erzählten Geschichte keinen entscheidenden Mehrwert verleiht und zudem der schon vor Veröffentlichung des Films entfachten Diskussion rund um die Besetzung vornehmlich weißer Darsteller neue Nahrung gibt. Unbekanntere Schauspieler aus dem orientalischen Raum, in dem "Exodus: Götter und Könige" angesiedelt ist, hätten die Nebenrollen sicherlich mindestens ebenso gut ausgefüllt.

Fazit: "Exodus: Götter und Könige" ist, wie zu erwarten war, ein Film der großen, spektakulären Bilder, hat bei so viel Opulenz aber häufig Probleme, Figuren, Geschichte und religionskritische Ansätze wirklich zur Geltung zu bringen.




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