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Kritik: Pan (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Vom London des Zweiten Weltkriegs ins Wunderreich Neverland. Schon der erste Ortswechsel in Joe Wrights Prequel zu den bekannten Geschichten rund um Peter Pan ist drastisch, wenngleich auch auf der rätselhaften Insel raue Zustände herrschen. Was als Drama eines Waisenjungen beginnt, entwickelt sich zu einem rasanten Abenteuerritt durch das staubig-düstere Minenimperium des Piratenkapitäns Blackbeard (lustvoll überzogen: Hugh Jackman), eine üppige Dschungellandschaft und ein farbenfrohes Indianerdorf. Dabei zaubern der britische Regisseur und seine Mitstreiter mehrfach spektakuläre Ideen aus dem Hut. Beeindruckend ist unter anderem der Moment, in dem sich aus einem alten Baumstamm kleine Holzfigürchen herausschälen und eine mythische Erzählung plastisch bebildern. Originell erscheint zudem eine Unterwassersequenz, bei der vor den Augen des 12-jähringen Protagonisten (solide: Levi Miller) vergangene Ereignisse vorbeiziehen.

So imponierend manch optische Spielerei auch sein mag, lässt sich jedoch nicht verbergen, dass "Pan" insgesamt überfrachtet und unausgegoren daherkommt. Das Getöse der Actionpassagen wirkt irgendwann ermüdend. Kleine Gags gehen in der Hektik immer wieder unter. Maske und Kostüme fallen zuweilen – speziell bei der Indianerin Tiger Lily (blass und unscheinbar: Rooney Mara) – etwas eigenartig aus. Und die Beziehungen zwischen den Figuren werden nie ausreichend beleuchtet, obwohl der Film mit dem spannenden Statement beginnt, dass aus Freunden manchmal erbitterte Feinde werden können. Gemeint sind damit der Titelheld und der brummelige Hook (zu selten charismatisch: Garrett Hedlund), der in den bekannten Peter-Pan-Erzählungen von James Matthew Barrie als verschlagener Widersacher auftritt, hier allerdings noch ein hilfreicher Weggefährte ist. Die eigentlich reizvolle Frage, warum sich das Verhältnis ins Gegenteil verkehren wird, blendet der Blockbuster ganz bewusst aus, um – das unterstreichen die letzten Szenen – Stoff für eine mögliche Fortsetzung zu haben.

Schematisch und daher wenig überraschend gerät die Coming-of-Age-Handlung, die Wright und Drehbuchautor Jason Fuchs um ihre berühmte Hauptfigur herumspinnen. Einst von seiner Mutter (Amanda Seyfried) ausgesetzt, muss der kleine Peter erkennen, dass ihn mehr mit Neverland verbindet, als anfangs gedacht. Verloren geht durch diesen Ansatz ein wenig die kindliche Unbekümmertheit, die in Barries Schilderungen zu den wichtigsten Merkmalen des Helden zählt. "Pan" zeigt uns hingegen einen Teenager, der sich seinem Schicksal stellen und große Verantwortung übernehmen muss. Sonderlich berührend ist die neu konzipierte Vorgeschichte leider nicht, weshalb der ausufernde Blockbuster nicht wenige Zuschauer enttäuschen dürfte.

Fazit: Visuelle Geniestreiche und außergewöhnliche Details treffen auf ermüdende Flucht- und Kampfszenarien, eine schwache Figurendynamik und einen eher uninspirierten Plot-Verlauf. Der große Wurf ist Joe Wright mit dieser Neuinterpretation der Peter-Pan-Figur sicher nicht gelungen.




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